Karneval wird auch in Berlin gefeiert, auch wenn es keinen Umzug mehr gibt. Der Carneval Club Lichtenberg will aber mehr als nur ein Sammelbecken von Jecken sein. Das soziale Engagement steht im Vordergrund. Von Franz Wittchen.

Carneval Club Lichtenberg
Der CCL auf einer Veranstaltung im vergangenen Jahr. Foto: CCL e.V.

LICHTENBERG. Hektisch geht es zu im Vereinsheim des Carneval Club Lichtenberg e.V. (CCL) in Alt-Hohenschönhausen. „Du Uwe, haben wir noch eine Strumpfhose?“, fragt eine Tänzerin den Präsidenten des CCL und Vorsitzenden der TSG „Berliner Funken“, Uwe Partzek. „Hab meine vergessen.“ An diesem Tag ist Probe, die letzte vor der ersten eigenen Faschingsparty des CCL in dieser Session. Wer jedoch meint, dass nach Aschermittwoch alles vorbei ist, irrt. Die Lichtenberger Karnevalisten sind das ganze Jahr aktiv – vor allem in sozialer Hinsicht.

Seit 1991 ist der CCL ein eingetragener Verein und Mitglied des Festkomitees Berliner Karneval e.V.  Zur Zeit hat der Verein 61 aktive Mitglieder. Das jüngste ist sechs Jahre alt, das älteste 54. Vereinsleben und soziales Miteinander werden im CCL großgeschrieben. Ein wichtiger Baustein dafür war das im Jahr 2014 von Präsident Uwe Partzek gegründete Projekt „Tanzsport im Kiez“. Unter dem Motto „Tanzen ist Träumen mit den Beinen“ rückte erstmals der Tanzsport in den Vordergrund. „Diese Initiative entstand auch, um endlich mal mit dem verstaubten und falschen Image des Karnevals in Berlin aufzuräumen, denn heute ist der CCL e.V. mehr als ein Karnevalsverein“, betont Uwe Partzek, der die Tanzgruppen und den Verein managt und trainiert. „Wir sind nicht nur aktiv im Karneval, sondern auch in den Bereichen Tanzsport, Kultur und sowie in der Förderung der Jugendhilfe.“ Als gemeinnütziger Verein sei der Carneval Club Lichtenberg e.V. natürlich auch bestrebt, allen Kindern und Jugendlichen ohne Ansehen der sozialen und ethnischen Herkunft eine sinnvolle Freizeitmöglichkeit zu bieten. Projekte wie Kiez-Feste oder aktuell das „Camp Stahl“ sind zukunftsweisend für den CCL. Carsten Stahl, Personenschützer mit eigener Fernseh-Soap auf RTL2, wird hierzu Vorträge über Respekt und Toleranz, Prävention gegen Gewalt und Vermittlung von Mut zur Zivilcourage vor den Kindern und Jugendlichen halten.

Wenn man die Räumlichkeiten des Vereinsheims betritt, fällt sofort auf, mit wie viel Herzblut das Haus hergerichtet wurde. Außer zwei Schaufensterpuppen, die die klassische Karnevalstracht tragen, sucht man stereotype Karneval-Accessoires vergebens. „Zwei unserer Trainingsorte konnten wir aufgrund von Sanierungsarbeiten nicht mehr nutzen und waren auf der Suche nach neuen Möglichkeiten“, sagt Uwe Partzek. „Was lag also näher als sich ein Objekt zu suchen, wo man nicht nur trainieren, sondern auch ein Vereinsleben entwickeln kann.“ Herausgekommen ist dabei ein gemütlicher Mix aus Vereinsheim mit Trainingssaal und Café. 740 ehrenamtliche Stunden an Arbeit waren nötig, um das Klubheim umzubauen. „Hilfe bekamen wir von der HOWOGE, die uns Räume günstig zur Verfügung stellte“, ergänzt der Präsident des CCL e.V. Mit finanzieller Unterstützung seitens der Stadt oder des Bezirks könne man jedoch nicht rechnen, daher sind Spenden jeglicher Art immer willkommen. Der benachbarte Baumarkt GLOBUS stellte beispielsweise Baumaterialien und Know how zur Verfügung, weshalb die Cafe-Ecke samt Kücheneinrichtung gebaut werden konnte. Daneben, ordentlich aufgereiht, stehen unzählige Medaillen und Pokale, die eindrucksvoll beweisen, dass die Tanzgruppen der Funken zu den Besten im Raum Berlin gehören. So belegten die Tänzerinnen der TSG bei den Berliner Meisterschaften 2013 in der Kategorie „Schautanz“  und Gardetanz den ersten Platz und nahmen auch an den Landesmeisterschaften Berlin / Brandenburg teil. „Die Pokale sind alle aus dem Tanzsportbereich, die Medaillen und Orden sowohl aus dem Tanzsport als auch aus den vielen Karnevalsveranstaltungen“, sagt Partzek.

Die Bedeutung des Schlachtrufs des Vereins, „CCL Kolau“, geht eng einher mit seiner Gründungsgeschichte. Jörg Person gründete 1986 im Klubhaus des VEB Elektrokohle Lichtenberg den „Elektro-Köhler-Karnevalclub“ (EKK). Der Schlachtruf ist somit eine Wortkombination aus „Kohle“ und dem im westdeutschen Raum populären Karnevalsgruß Helau. Zu DDR-Zeiten war der EKK sehr beliebt. Bis zu zehn Veranstaltungen pro Session bestritt der Klub, die Säle waren mit bis zu 500 Karnevalisten prall gefüllt. Vor allem den Büttenreden lauschte das Publikum, da diese genutzt wurden, um über die Obrigkeit in der DDR herzuziehen. 1988 gab es insgesamt 1.344 Karnevalsclubs mit rund 70.000 Mitgliedern in der DDR. Davon waren acht Klubs aus Ostberlin, während Thüringen mit 424 die meisten aufzuweisen hatte. Pro Jahr gab es circa 15.000 Veranstaltungen mit rund 6,5 Millionen Besuchern. Dank eines erweiterten Kulturbegriffes zählte der Karneval ab den 1970er-Jahren zum „künstlerischem Volksschaffen“. Nach der Wende, 1991, entwarf der Verein eine neue Satzung und schloss einen Vertrag mit dem Freizeitforum Marzahn. Im Herbst desselben Jahres wurde schließlich der Name in „Carneval Club Lichtenberg e.V.“ geändert.

Die Gruppen  des CCL e.V und seiner Tanzsportgruppe  trainieren bis zu dreimal in der Woche und nehmen an Wettbewerben in und um Berlin teil. Seit Gründung der TSG „Berliner Funken“  vor fünf Jahren hat sich die Mitgliederzahl mehr als verdoppelt. Inzwischen hat das Projekt 42 aktive Mitglieder, getanzt wird in den Disziplinen Garde- und Schautanz. Im Gardetanz werden Elemente aus den Richtungen Cheerdance/Cheerleading, Aerobic, rhythmische Sportgymnastik, Formationstanz und Marsch kombiniert. Im Schautanz sind es Grundlagen aus Jazzdance, Streetdance, Aerobic, Modern Dance, Free Style und Hip Hop. Neben den zahlreichen Erfolgen bei Wettbewerben und Turnieren, wurde auch das Fernsehen mehrmals auf die Tanzkünste des CCL aufmerksam. So traten letztes Jahr Tänzerinnen der Berliner Funken in der Unterhaltungsshow „Circus Halligalli“ (Pro7) auf. Dabei überraschten sie Herbert Grönemeyer mit einer Showeinlage.

veröffentlicht am 15. Februar 2015

 

Karneval in Berlin: Termine

Montag, 16. Februar: Faschingsdisko um 10 Uhr. Für Kinder ab vier Jahren. Eintritt: 3,50 Euro. Ort: Theater am Park, Frankenholzer Weg 4, 12863 Berlin

Dienstag, 17. Februar, 14 Uhr: Seniorentanz, Faschingsveranstaltung. Geselligkeit und Bewegung bei Kaffee und Kuchen. Ort: KulturGut, Alt-Marzahn 23, 12685 Berlin.

Mittwoch, 18. Februar, 15.30 Uhr: Fasching im Rohrpfuhl-Treff mit dem Alleinunterhalter Winny. Eintritt: 1,50 Euro. Ort: Wohnpark am Rohrpfuhl, Florastraße 1, 12623 Berlin.

Sonnabend, 21. Februar, 18 Uhr: Fasching für die ganze Familie (russisch). Eintritt: 3 Euro, Kinder: 1,50 Euro. Ort: Berliner Tschechow-Theater, Märkische Allee 410, 12689 Berlin.

Karneval in Berlin: Ein Ständchen für Herbert Grönemeyer
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