Friedrichsfelde wird kommendes Jahr 750 Jahre alt. Ein neues Buch widmet dem Lichtenberger Ortsteil ein liebevolles Porträt. Dreh- und Angelpunkt bleibt bis heute das Schloss. Herausgeber Klaus-Dieter Stefan wartet mit vielen unveröffentlichten Bildern und Geschichten auf. Von Marcel Gäding.

Herausgeber Klaus-Dieter Stefan. Foto: privat
Herausgeber Klaus-Dieter Stefan. Foto: privat

FRIEDRICHSFELDE. An seine erste Begegnung mit Schloss Friedrichsfelde kann sich Klaus-Dieter Stefan noch gut erinnern: Es war in den 1980er-Jahren, als es den damals noch jungen Familienvater das erste Mal in den Tierpark Berlin verschlug und er dieses frühklassizistische Kleinod entdeckte. Und hätte es seinerzeit nicht den in der ganzen DDR bekannten Tierpark-Direktor Prof. Dr. Dr. Heinrich Dathe gegeben, so würden heute vom Schloss nur noch alte Fotos oder Zeichnungen existieren. Doch Dathe bewahrte das Baudenkmal vor dem Abriss und ließ es mit Unterstützung des kürzlich verstorbenen DDR-Denkmalpflegers Ernst Wipprecht sanieren.

Dathe und Wipprecht sind für Klaus-Dieter Stefan und seine Co-Autoren von besonderer Bedeutung. Ihnen ist das Buch „Friedrichsfelde – Der Ort. Das Schloss. Die Geschichte.“ gewidmet, das Mitte Dezember in den Buchhandel kommt. Natürlich ist das einstige Prunkschloss mit vielen Namen der Zeitgeschichte verbunden. Doch mit Dathe und Wipprecht fanden sich zwei wahre Retter, die dem Schloss das Schicksal vieler anderer historischer Bauten ersparten: den Abriss. „Seine wunderschöne Aura und seine Atmosphäre machen das Schloss zu einem kulturellen Juwel“, schwärmt Stefan. Und so bildet das bekannte Gebäude auch den Mittelpunkt dieser einzigartigen Ortschronik. Die einzelnen Kapitel reichen von der Geschichte des Dorfes bis in die Gegenwart, von Glanz und Gloria auf Schloss Friedrichsfelde und dem Verfall des Dorfes. Heute erinnern neben dem Schloss noch der alte Dorfanger und einige wenige Bauernhäuser an die Geschichte des einstigen Berliner Vororts.

Mehr als 250 Seiten umfasst das Buch, für das der Journalist Klaus-Dieter Stefan mehr als ein Jahr lang recherchiert hat. Gemeinsam mit Mitgliedern der Fördergemeinschaft von Zoo und Tierpark begab sich Stefan auf die Spurensuche und auf Reise. Natürlich wusste er als Herausgeber des kleinen, feinen Kiezmagazins bereits viel über Friedrichsfelde. Er hätte es auch dabei belassen können, die bekannten Fakten aneinander zu reihen. Doch Stefan mag es, Geschichte mit Geschichten zu verbinden – und so ist es ihm aus Herausgeber und den Autoren gelungen, den nüchternen historischen Fakten Anekdoten beizumischen. Auch Thomas Ziolko, Olaf Lange, Ernst Wipprecht und Rüdiger von Treskow lieferten Texte und Bilder. Letzterer berichtet als Historiker von fast 130 Jahren Schlossgeschichte, als die Familie von Treskow von 1816 bis 1945 im Schloss die Geschicke bestimmte.

Das Cover des neuen Friedrichsfelde-Buches. Foto: Verlag
Das Cover des neuen Friedrichsfelde-Buches. Foto: Verlag

Viele Bilder und Dokumente werden selbst im bezirklichen Heimatmuseum das Interesse wecken. Sie wurden bislang noch nie veröffentlicht. Klaus-Dieter Stefan hat sie bei alten Friedrichsfeldern aufgetan. Stefan durfte in Privatarchiven stöbern und mit Menschen ins Gespräch kommen, die noch gut wissen, wo sich in Friedrichsfelde Bäcker, Schlächter, Kinos, Kneipen und Tanzsäle befanden. „Diese Privatarchive wie auch das Tierparkarchiv waren eine Fundgrube“, sagt der Autor. Unter den Dokumenten sind viele Schwarz-Weiß-Fotografien aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Auch außerhalb von Friedrichsfelde machte gab es Entdeckungen. So fand Klaus-Dieter Stefan in der Petruskirche von Petershagen (Märkisch-Oderland) jenen mittelalterlichen Kanzelaltar, von dem aus der Pfarrer Samuel Donner am 25. Januar 1699 die Gemeinde wissen ließ, dass der einstige Ort Rosenfelde nunmehr den Namen Friedrichsfelde tragen würde. Und in der Alten Nationalgalerie entdeckte Stefan eher zufällig ein Bild des Künstlers Anton Graff mit dem Titel „Familienporträt“ von 1785, ein Auftragswerk des damaligen Friedrichsfelder Schlossherren Peter von Biron, Herzog von Kurland. Jenes Werk hing einst in dessen Gemäldegalerie im Schloss Friedrichsfelde und kam später über Umwege in den Besitz eines Schweizer Museums. Denn nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges räumten die Russen das Gebäude aus. Bis auf ein Rokoko-Schränkchen und einen Kronleuchter stammt auf Schloss Friedrichsfelde heute nichts mehr aus der Inneneinrichtung der einstigen Zeit.

„Uns war es wichtig, nicht nur ein Buch zur Geschichte zu veröffentlichen“, sagt Klaus-Dieter Stefan, „sondern auch herauszustellen, welche Bedeutung das Schloss hatte“. Dazu gehört, dass das Schloss für kurze Zeit Staatsgefängnis war. Der bei der Völkerschlacht unterlegene sächsische König Friedrich August I. musste 1814/15 fast ein Jahr lang seine Haft auf dem Schloss verbüßen. „Er unterhielt dort sogar einen Hofstaat“, weiß Klaus-Dieter Stefan. Weil das alles auch ins Geld ging, musste sich der Sachsenkönig Geld beim Berliner Bankhaus Gebrüder Benecke leihen. Nachdem das Schloss 1981 rekonstruiert wurde, diente es viele Jahre dem Stadtmuseum als Museum und Konzert-Ort. Seit einigen Jahren wird es vom Tierpark genutzt. Dessen Fördergemeinschaft veranstaltet dort Konzerte, Lesungen oder Empfänge.

Am 18. Dezember um 20 Uhr gibt es eine Lesung mit Signierstunde mit dem Herausgeber des Buches, Klaus-Dieter Stefan, in der Buchhandlung am Tierpark, Erich-Kurz-Straße 9, 10319 Berlin. Außerdem werden thematische Vorträge, Führungen und eine Ausstellung zur Geschichte des Schlosses das Jubiläumsjahr bestimmen.

Wir verlosen 3 Friedrichsfelde-Bücher!

Verlosung: Das Bezirks-Journal vergibt drei Freiexemplare. Senden Sie uns bis zum 31. Dezember 2014 eine Postkarte mit dem Stichwort „Friedrichsfelde“ an: Bezirks-Journal, Josef-Orlopp-Straße 54, 10365 Berlin, oder eine E-Mail an gewinnspiel@bezirks-journal.de

veröffentlicht am 18. Dezember 2014

Friedrichsfelde-Buch: 250 Seiten Schloss- und Dorfgeschichte
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