Die Discounter in Lichtenberg, Hohenschönhausen, Marzahn und Hellersdorf wehren sich mit ungewöhnlichen Maßnahmen gegen Falschparker. Wer dort sein Fahrzeug ohne Parkscheibe abstellt, muss mindestens 30 Euro zahlen. Von Marcel Gäding.

Sieht aus wie ein Auto vom Ordnungsamt, ist aber privat: Parkraumüberwachung von Park & Control. Foto: Falko Hoffmann
Sieht aus wie ein Auto vom Ordnungsamt, ist aber privat: Parkraumüberwachung von Park & Control. Foto: Falko Hoffmann

LICHTENBERG/ MARZAHN-HELLERSDORF. Wolfgang Braumann staunte nicht schlecht, als er vor Kurzem im Discounter einkaufen wollte. Wie sonst auch stellte er sein Auto vor dem Supermarkt an der Volkradstraße ab. Als er zurückkam, flatterte hinterm Scheibenwischer ein Knöllchen. „Dass mir so etwas auch auf einem privaten Supermarktparkplatz passieren kann, erstaunt und verärgert mich.“ 30 Euro soll er an eine Firma namens „Park & Control“ zahlen, weil er sich nicht an die „Allgemeinen Einstellbedingungen“ gehalten hat. Die sehen vor, dass Braumann wie jeder andere Kunde auch eine Parkscheibe ins Auto legt.

Braumanns Erlebnis ist kein Einzelfall. Derzeit sehen sich die Betreiber etlicher Supermärkte in Lichtenberg, Hohenschönhausen, Marzahn und Hellersdorf einer ganzen Flut von Kundenbeschwerden ausgesetzt. Viele Kunden übersehen schlichtweg die Hinweisschilder an den Einfahrten zu den Supermarktparkplätzen. Dort steht wie bei Wolfgang Braumanns Erlebnis unter anderem: „Privatgelände. Bitte AGB beachten. Mit Parkscheibe max. 60 Minuten. Bei einem Parkverstoß (Ziff. 5 AGB) fällt ein Bußgeld (Vertragsstrafe) an.“ Wolfgang Braumann sieht hierin die reinste Abzocke. „Damit verdienen sich die Supermärkte eine goldene Nase“, ärgert sich der Karlshorster. Seine Wut wird noch dadurch verstärkt, dass er schon eine Woche nach dem vermeintlichen Parkverstoß ein Schreiben vom Inkassobüro bekam. Jetzt sollte er schon 52,63 Euro zahlen, was Braumann schließlich auch tat.

Nicht jeder Supermarktbetreiber greift zu solchen drastischen Mitteln. In Braumanns Fall gehört der Parkplatz zu einem Einzelhandelsstandort, der sowohl von REWE, als auch von Penny, Fressnapf und kleineren Händlern genutzt wird. Im Auftrag des Eigentümers übernimmt „Park & Control“ die Überwachung der Parkplätze – und das aus gutem Grund. Denn häufig werden die für Supermarktkunden vorgesehenen Parkplätze von Anwohnern blockiert, die vorm eigenen Haus oder in der Nachbarschaft keine Stellfläche finden. „Park & Control“ spricht von sogenannten unberechtigten Fremd- und Dauerparkern. Das auf die Bewirtschaftung privater Parkplätze spezialisierte Unternehmen macht hierzu auf seiner Internetseite unmissverständlich deutlich: „Sie haben auf einem Privatgrundstück geparkt und damit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zugestimmt, die gut sichtbar in den Parkräumen bzw. auf den Parkplätzen angebracht sind. In diesen AGB sind die evtl. anfallenden Vertragsstrafen aufgeführt. Dieses Verfahren ist rechtlich geprüft.“ Nicht nur die Strafzettel gleichen jenen des Ordnungsamtes, auch das Erscheinungsbild der privaten Parksheriffs ähnelt dem der hoheitlichen Ordnungshüter. Selbst die Dienstfahrzeuge mit ihrem blauen Seitenstreifen wirken von Weitem wie Autos von Politessen.

Ungewöhnlich offen geht Aldi Nord mit dem Thema um und teilt auf Nachfrage mit, dass man die im Eigentum befindlichen Parkplätze Kunden generell kostenlos zur Verfügung stelle. „Leider wird dieses Angebot immer wieder von Fahrzeugführern ausgenutzt, die nicht Kunden unseres Marktes sind“, sagt Aldi-Geschäftsführer Hans-Peter Larberg. „Die Beweggründe sind vielfältig und erstrecken sich von Parkplatznot in der Stadt bis hin zur Vermeidung von Gebühren aufgrund der Parkraumbewirtschaftung.“ Um dem entgegenzutreten, habe Aldi an einigen Standorten Parkplätze an „Park & Control“ untervermietet. „Dieser Bewirtschaftungsvertrag sieht vor, dass nach wie vor unsere Kunden für einen Zeitraum von einer Stunde kostenfrei parken können“, erklärt Larberg. „Dazu ist jedoch – wie auch im öffentlichen Straßenverkehr üblich – eine Parkscheibe einzulegen.“ Neben dem Aldi-Markt an der Lichtenberger Josef-Orlopp-Straße greift diese Regelung auch auf den Aldi-Parkplatz an der Marzahner Jan-Petersen-Straße. In der Lichtenberger Filiale wurde ein ganzer Schilderwald mit den Hinweisen installiert.

veröffentlicht am 15. Dezember 2014

Supermärkte gehen gegen Falschparker vor
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