Berlins Bürgerämter versinken im Chaos, und die Politik schaut zu. Viel zu lange ließen die Mandatsträger auf Bezirks- und Landesebene den Dingen ihren Lauf, findet Bezirks-Journal-Chefredakteur Marcel Gäding.

Marcel GädingBerlin ist eine wachsende Stadt. 25 Jahre nach dem Fall der Mauer hat sie sich zu einer der angesagtesten Me­tropolen Europas, ach was, der Welt entwickelt. Vor allem Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf freuen sich über den wachsenden Zuzug. Fleißig unterstützen die Bezirksämter den Bau neuer Wohnungen, um die steigende Nachfrage zu befriedigen. Berlinweit werden bis zum Jahr 2025 rund 137.000 neue Quartiere benötigt.

Doch bei aller Freude über diese Entwicklung gerät die Berliner Verwaltung an die Grenzen ihrer Kapazität. Die Verantwortlichen auf Landesebene haben schlichtweg zu spät erkannt, dass bei einer steigenden Zahl der Berlinerinnen und Berliner auch die Verwaltung adäquat ausgestattet werden muss. Um den klammen Berliner Landeshaushalt zu sanieren, wird sogar noch am Personal gespart. Wer in der Verwaltung tätig ist, weiß nicht, wo ihm der Kopf steht. Viele Beschäftigte melden sich krank, sodass Bürgeranliegen auf der Strecke bleiben. Vom Gesetzgeber vorgeschriebene Fristen können nicht eingehalten werden, weil es einem Abenteuer gleicht, bis man endlich einen Termin im Bürgeramt bekommt, um etwa seinen Personalausweis erneuern zu lassen.

Gefragt ist ein ganzheitliches Konzept und mehr Personal. Berlin braucht eine funktionierende, moderne Verwaltung. Auf den neuen Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) kommt eine Menge Arbeit zu. Die Bundeshauptstadt darf nicht im Chaos versinken. 

Eine wachsende Stadt braucht eine funktionierende Verwaltung