Menschen mit vietnamesischen Wurzeln gehören zum gewohnten Bild in Hohenschönhausen und Lichtenberg. Doch wir wissen nur wenig über sie. Zeit für eine kleine Völkerkunde. Teil 1 unserer Serie über das bunte Lichtenberg.

Vietnamesen leben gerne in Lichtenberg und Hohenschönhausen. Sie sind seit Jahrzehnten unsere Nachbarn. Doch wir wissen nur wenig über sie. Eine kleine Völkerkunde.
Vietnamesen leben gerne in Lichtenberg und Hohenschönhausen. Sie sind seit Jahrzehnten unsere Nachbarn. Doch wir wissen nur wenig über sie. Eine kleine Völkerkunde.

Vietnamesen und der Name „Nguyen“: 40 Prozent aller Vietnamesen tragen den Nachnamen Nguyen, auch die Autorin dieses Beitrags. Das sind über 36 Millionen Nguyens auf der Welt. (Um mal zu vergleichen: Müllers gibt es rund eine Million Mal). Aber warum heißen so viele Nguyen? Die gängigste Theorie: Der Name kommt von der Nguyen-Dynastie aus dem 13. Jahrhundert. Als die neue Dynastie an die Macht kam, waren die Anhänger der alten Dynastie gezwungen ihren Namen in Nguyen umzuwandeln, um sich vor Verfolgungen zu schützen. Andere taten es freiwillig, um der Königsfamilie Respekt zu zeigen. Behauptet zumindest Le Trung Hoa, Sprachwissenschaftler in seinem Buch „Ho va Ten nguoi Vietnam“. Die Nguyen-Dynastie war auch das letzte Königshaus Vietnams. So wundert es nicht, dass der Nachname im Alltag eine kleinere Rolle spielt als der Vorname. Vietnamesen unterschreiben mit ihren Vornamen, Listen werden nach ihm alphabetisch sortiert, auch in den Medien werden Prominente und Politiker mit dem Vornamen genannt.

Zigaretten auf dem Ahnenaltar: Unabhängig von der Religion praktizieren sowohl Buddhisten als auch manche Katholiken die Ahnenverehrung. Es heißt, die toten Seelen halten schützend die Hand über die Nachfahren. Dafür werden die Verstorbenen mit einem Ahnenaltar in Ehren gehalten. Zu bestimmten Anlässen werden ihre einstigen Lieblingsspeisen und -getränke auf dem Ahnenaltar gelegt. Wer zu Lebzeiten gern ein Schlückchen trank, für denjenigen steht Wodka parat. Auch Zigaretten finden sich hin und wieder auf dem Altar. Wenn etwas Wichtiges in der Familie ansteht, etwa die Abschlussprüfung des Kindes, wird ein Räucherstäbchen angezündet. Vor dem Ahnenaltar redet man zu den Vorfahren und bittet sie um Beistand oder Hilfe. Am Todestag werden sogar falsches Geld, Kleidung und andere Alltagsgegenstände aus Papier angezündet und auf diese Weise an die Toten geschickt. Schließlich brauchen sie diese Dinge für das Leben im Jenseits, so der Glaube der Vietnamesen.

Vietnamesen und der Drache: Was hat der Drache mit den Vietnamesen zu tun? Ziemlich viel. Drachen gelten in der asiatischen Kultur bekanntlich als göttliche Tiere, als Symbol für Stärke und Macht. Überhaupt waren die ersten Vietnamesen Kinder eines Drachen und einer Fee, sagt die Legende. Und Kinder, die im Jahr des Drachen geboren sind, gelten als ruhmreich und erfolgreich. So wundert es nicht, dass Vietnam im Jahr 2012 einen regelrechten Babyboom hatte. Die Online-Ausgabe der Tageszeitung Thanh Nien berichtete, dass allein in der ersten Woche die Zahl der Neugeburten um mehr als 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen ist. 2014 wiederum steht unter dem Zeichen des ruhelosen Holz-Pferdes. Kinder, die in diesem Jahr geboren werden, gelten als freiheitsliebend, kreativ, impulsiv, aufbrausend und unberechenbar. Bundeskanzlerin Merkel zum Beispiel ist ein Holz-Pferd-Kind.

veröffentlicht am 27. August 2014; Autorin: Thuy Anh Nguyen | Foto: Thuy Anh Nguyen

Vietnamesen in Lichtenberg: von Bräuchen und Traditionen
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