Für ihre Bilder nehmen die Mitglieder der Fotogruppe des Deutschen Senioren-Computerclubs (DSCC) viele Wege in Kauf. Manchmal geht es dafür auch auf die Dächer von Hochhäusern. Ihre Heimat hat die Fotogruppe in Lichtenberg.

Vor den Mitgliedern der Fotogruppe im Deutschen Senioren-Computerclub ist kein Motiv in Lichtenberg und den anderen Bezirken in Berlin sicher. Einmal die Woche geht es auf die "Pirsch".
Vor den Mitgliedern der Fotogruppe im Deutschen Senioren-Computerclub ist kein Motiv in Lichtenberg und den anderen Bezirken in Berlin sicher. Einmal die Woche geht es auf die „Pirsch“.

LICHTENBERG. Wenn die pensionierte Zahnärztin Gisela Graehn-Baumann das Haus verlässt, hat sie meist ihr Fahrrad und ganz gewiss immer die Kamera dabei. „Manchmal sehe ich am Wegesrand Blumen, die schöne Schatten werfen“, sagt die 70-jährige Mahlsdorferin. Dann steigt sie vom Fahrrad ab und hält das Motiv fest. Derzeit ist sie aber auch schon mal abends gezielt mit der Kamera unterwegs, um die Lichtstimmung der blauen Stunde einzufangen. Das ist jene Zeit, in der der Himmel über Berlin besonders tolle Farbspiele liefert.

Gisela Graehn-Baumann ist Mitglied in der Fotogruppe des Deutschen Senioren-Computer-Clubs Berlin. Einmal in der Woche trifft sie sich mit 16 Gleichgesinnten. Das jüngste Mitglied ist 69, die älteste Fotografin 87. Mal gibt es lehrreiche Stunden mit Profifotografen, mal ist eine Fototour irgendwo in Berlin oder Brandenburg angesagt. Alle haben moderne Kameras – einige digitale Spiegelreflexkameras. Andere kleine, kompakte Geräte. Jeder ist in der Lage, seine Bilder digital zu bearbeiten. Von Experten holen sie sich Tipps, wie sie Gegenstände besonders gut in Szene setzen oder was bei Nachtaufnahmen zu beachten ist. „Wir sind keine Wald- und Wiesenfotografen“, sagt Graehn-Baumann. Und ein Blick auf die Bilder auf den Fluren des Deutschen Senioren-Computer-Clubs an der Einbecker Straße bestätigt dies. Dort ist aktuell die Ausstellung „Nahaufnahmen“ zu sehen. Unter den Bildern sind auch einige Fotos der Zahnärztin – wie die von einem Getreidefeld. Überhaupt ist viel Natur in den Motiven. Ein geduldiger Maikäfer blickt gelassen in die Kamera; die Pusteblume wurde mit einem Makroobjektiv festgehalten, bevor der Wind den Samen in alle Himmelsrichtungen trug.

200 Stufen bis zur Kirchturmspitze von Prenzlau

„Wir unternehmen auch Ausflüge auf den jüdischen Friedhof oder organisieren uns eine Erlaubnis, vom Dach des Hotels Park Inn am Alexanderplatz fotografieren zu dürfen“, sagt Günter Witt, der Leiter der Fotogruppe. Es gab schon Mehrtagesfahrten ins Oderbruch oder nach Prenzlau, um dort die 200 Stufen zum Kirchturm zu erklimmen. Einmal konnte sogar eine Fahrt im Heißluftballon organisiert werden. Obwohl oft alle Gruppenmitglieder unterwegs sind, kommen unterschiedliche Motive heraus. Meist gibt ein Motto die Überschrift vor, auch wegen der nach den Fototouren folgenden Ausstellungen. „Wenn wir zurückblicken, können wir mit Stolz behaupten, dass die Qualität der Bilder deutlich besser geworden ist“, sagt Günter Witt. In der jetzigen Konstellation sind die Mitglieder der Fotogruppe seit zehn Jahren aktiv, gegründet wurde die Sektion des Deutschen Senioren-Computer-Clubs jedoch schon 1997. Neue Mitglieder können derzeit aber nicht aufgenommen werden. Die Gruppe ist voll.

Viele ihrer Motive und Lieblingsorte finden die Mitglieder der Fotogruppe auch in Hohenschönhausen und Lichtenberg – an der Rummelsburger Bucht, am Obersee oder im Fennpfuhlpark. Auch der Charme industrieller Bauten wirkt wie ein Magnet auf die passionierten Fotografen. Gerne erinnern sich die Senioren an das Heizkraftwerk in Rummelsburg oder das Wasserwerk an der Landsberger Allee.

veröffentlicht am 21. August 2014; Autor: Marcel Gäding | Foto: Marcel Gäding

Senioren auf der Jagd nach Fotomotiven