Das warme Wetter lockt zum Grillen in die Parkanlagen von Lichtenber – gern besucht ist auch der Fennpfuhlpark. Zurück bleiben nach den fröhlichen Sausen Mengen von Abfall. Das stellt die Mitarbeiter des Grünflächenamtes vor ein großes Problem. Ihre eigentliche Arbeit muss wegen der Müllentsorgung warten. Ein Vor-Ort-Termin.

Die Parkanlagen in Lichtenberg verkommen an manchen Tagen zu Müllhalden. Vor allem nach den Wochenenden türmt sich dort der Abfall der Parkbesucher.
Die Parkanlagen in Lichtenberg verkommen an manchen Tagen zu Müllhalden. Vor allem nach den Wochenenden türmt sich dort der Abfall der Parkbesucher.

FENNPFUHL. Die Hinterlassenschaften vom Wochenende sind nicht zu übersehen. Überall liegt der Müll an diesem Montagmorgen im neun Hektar großen Fennpfuhlpark: auf der Wiese, in den Büschen, am Wegesrand. Die Papierkörbe quillen über. Um sie herum stehen mit Verpackungsmüll und Essenresten gefüllte Einkaufstüten. Wer sich näher heran wagt, der rümpft die Nase: Eine Mischung aus Müllgeruch, Uringestank und Asche liegt in der Luft. Keine zehn Minuten sind Revierleiterin Heike Hatt und ihre Kollegen vom Grünflächenamt unterwegs, befinden sich bereits fünf Säcke mit dem Müll auf der Ladefläche des Transporters. Und das ist um kurz nach 6.30 Uhr erst der Anfang. Am Ende werden es wieder zwei Container voll Müll sein. Hinterlassenschaften eines Sommerwochenendes. Das idyllische Parkareal am Weißenseer Weg gleicht bis dahin einer Müllhalde.

Montags und freitags ist Mülltag bei den Beschäftigten des Grünflächenamtes Lichtenberg. Das ist seit Jahren so. An Unkraut zupfen, Sträucher schneiden oder Rasen mähen ist an diesen beiden Tagen nicht zu denken. Diese Arbeiten bleiben liegen. Andernfalls verkämen die Grünanlagen im Bezirk tatsächlich zu Müllhalden. Und so ziehen die 15 Frauen und Männer des Stützpunktes an der Paul-Junius-Straße eben mit Schubkarren, Müllsäcken und Greifern durch die Anlage zwischen Landsberger Allee und Weißenseer Weg. Am Ende sind es allein hier fünf Kubikmeter Müll, der entsorgt werden muss. Und das nach nur einem Wochenende.

Die beiden Mülltage sind fest verankert im Dienstplan der Bezirksgärtner und ihrer Helfer. Mit ihrem eigentlichen Job hat das alles nichts mehr zu tun. Während es in Gegenden wie Karlshorst oder in Alt-Hohenschönhausen weniger Müllprobleme gibt, dürfen der Fennpfuhlpark und der Stadtpark Lichtenberg als Brennpunkte bezeichnet werden. Dort zieht es an den Wochenenden Menschenmassen zum Grillen und Picknicken. „Das Essen und die Getränke in den Park zu schleppen, fällt den Leuten nicht schwer“, sagt eine Vorarbeiterin des Grünflächenamtes. „Die leeren Verpackungen und die Essenreste wieder mitzunehmen hingegen schon.“ Also bleiben diese Hinterlassenschaften in den Grünanlagen zurück, bis die Beschäftigten des Grünflächenamtes am Montag ausrücken. Oft haben dann schon Krähen die Tüten zerfetzt und auch Ratten die Speisereste entdeckt. „Es kommt vor, dass wir gerade noch den Müll beseitigen, während am Grillplatz schon wieder das nächste Feuer entfacht wird“, erklärt die Vorarbeiterin. Häufig sind die Aschehaufen vom Vortag noch heiß. „Dann schmort schon mal so ein Müllsack durch.“

Müllarbeiter mit Diplom

Es ist ein erschreckendes Bild an diesem Montagmorgen. Während sich viele gerade auf den Weg zur Arbeit machen, sind die Beschäftigten des Grünflächenamtes bereits voll im Einsatz. Und das bis zum Feierabend. „Hier packt jeder von uns an, auch unsere hoch qualifizierten Mitarbeiter mit Diplom“, sagt Revierleiterin Heike Hatt. Es ist wie Schwimmen gegen den Strom. Schon am Freitag sind die Abfallbehälter wieder voll. Normalerweise müsste dringend in den Rosenbeeten der Parkanlagen das Unkraut gezupft werden. Auch die vielen Sträucher, die auf die Rad- und Gehwege hinein wachsen, sollten längst gestutzt sein. Dafür aber fehlt die Zeit.

Alle Hände voll zu tun: Bezirksgärtner entsorgen Müll. Eigentlich müssten sie sich um die Blumenbeete kümmern.
Alle Hände voll zu tun: Bezirksgärtner entsorgen Müll. Eigentlich müssten sie sich um die Blumenbeete kümmern.

Rücksichtslos ist der richtige Begriff, wenn man das Verhalten der Parkbesucher umschreibt. Denn viele von ihnen haben inzwischen den Respekt verloren. Da werden Äste von den Bäumen gerissen, wenn die Grillkohle nicht mehr reicht. Was nicht auf dem Grill landet, wird ins Wasser des Fennpfuhls geworfen. „Dieses Jahr haben wir schon mehrere Schafsköpfe herausgefischt“, sagt Heike Hatt. In den Sträuchern links und rechts entrichten die Parkbesucher ihre Notdurft, was man sehr gut riechen kann – auch ohne nahe heranzugehen.

Drei öffentliche Grillplätze gibt es in Lichtenberg. Und an allen bietet sich nach einem Sommerwochenende das gleiche Bild. Der Müll fällt aber nicht nur an warmen Tagen an. Inzwischen wird auch mitten im Winter bei Schnee und Eis gegrillt. Gäbe es weniger Probleme, wenn die Zahl der Grillplätze erhöht wird? „Um Gottes Willen“, sagt Heike Hatt. Das würde noch mehr Müll verursachen. Sie wünscht sich, dass wie im Tiergarten Ordnungsamt und Polizei an den Wochenenden in den Parkanlagen unterwegs sind. Doch in Lichtenberg funktioniert das in dieser Form nicht. Das mit der Müllentsorgung müsste anders geregelt werden, damit wieder mehr Zeit für die Pflege von Spielplätzen oder der Rasenflächen bleibt, sagt Heike Hatt.

Natürlich mahnen die Beschäftigten des Grünflächenamtes die zunehmende Belastung durch die Müllentsorgung an. Doch passiert ist bislang nichts. Im Gegenteil: „Manche Parkbesucher raunen uns sogar zu, dass wir ja endlich mal etwas zu tun hätten“, ärgert sich die Revierleiterin.

veröffentlicht am 14. August 2014; Autor: Marcel Gäding | Fotos: Marcel Gäding

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