Die Nachfrage nach barrierearmen Wohnungen steigt. Das merkt auch „Neues Berlin“. Die Wohnungsbaugenossenschaft hat sich darauf eingestellt und übernimmt soziale Verantwortung.
Die Nachfrage nach barrierearmen Wohnungen steigt. Das merkt auch „Neues Berlin“. Die Wohnungsbaugenossenschaft hat sich darauf eingestellt und übernimmt soziale Verantwortung.

Die Nachfrage nach barrierearmen Wohnungen steigt. Das merkt auch „Neues Berlin“. Die Wohnungsbaugenossenschaft hat sich darauf eingestellt und übernimmt soziale Verantwortung. Teil 2 unserer Serie „Älter werden in Lichtenberg“.

Die Wohnung von Familie Münch ist schön: 58 Quadratmeter umfasst ihr Quartier nahe dem Rathaus Hohenschönhausen. Ein kleiner Balkon ermöglicht den Blick auf das grüne Umfeld. Drum herum gibt es viele Einkaufsmöglichkeiten, zur Straßenbahn ist es ein Katzensprung. Und doch werden Christina und Alexander Münch umdenken und nach 53 wunderschönen Jahren in der Wohnanlage „Am Rathaus“ ausziehen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Ihre in den 1960er-Jahren bezogene Wohnung ist für das Wohnen im Alter nur bedingt geeignet. Es gibt beispielsweise keinen Fahrstuhl in die zweite Etage. Und den werden sie früher oder später brauchen, sagen die Münchs. Immerhin gehen beide auf die 80 zu.

Der Terminkalender von Familie Münch ist momentan geprägt von der Suche nach einer neuen Wohnung. „Wir wollen bei Neues Berlin bleiben“, sagt Alexander Münch. Seit 1961 sind sie Mitglieder der einstigen Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft, die seit der Wende Wohnungsbaugenossenschaft ist. 5.050 Wohnungen gehören zum Bestand von „Neues Berlin“. Darunter sind viele Wohngebäude aus den 1960er-Jahren. Der Großteil der Wohnungen befindet sich jedoch in Plattenbauten, die aufwendig saniert wurden und die inzwischen heiß begehrt sind. An der Matenzeile hat „Neues Berlin“ eine Musterwohnung eingerichtet, die nun auch die Eheleute Münch aufsuchen. Ein barrierearmes Bad ist zu sehen mit einer bodengleichen Dusche. Das WC-Becken kann mit zusätzlichen Haltegriffen ausgestattet werden. Im Schlafzimmer steht ein Boxspringbett, dessen Liegefläche angenehm hoch ist und sich per Fernbedienung steuern lässt. Die Gardinen sind an einem sogenannten Gardinenlift befestigt. Mit wenigen Handgriffen lässt sich die Gardinenstange nach unten fahren, um die Gardine zum Waschen abzunehmen. Und im Wohnzimmer mit offener Küche zeigt die Wohnungsbaugenossenschaft das Modell einer Küche, deren Arbeitsflächen und Geräte auf das Alter der Bewohner abgestimmt sind. Die einst hinderliche Schwelle zwischen Wohnbereich und Loggia ist weg. Theoretisch könnte man ohne Hürde einen Rollstuhl oder Rollator nutzen, um nach draußen zu gelangen.

Die 71 Quadratmeter große Musterwohnung inspiriert Christina und Alexander Münch. Und sie beruhigt sie. „Wir sind mit unserem Vermieter sehr zufrieden“, sagt Alexander Münch. Deshalb haben sie sich zum einen für eine Wohnung in der gerade im Bau befindlichen Wohnanlage an der Degnerstraße 32-34 in Alt-Hohenschönhausen beworben. Parallel suchen sie aber auch unter den wenigen freien Wohnungen der Wohnungsbaugenossenschaft. Das neue Quartier soll nicht nur barrierearm sein. „Wir wünschen uns eine Wohnung in der obersten Etage mit Blick über ganz Berlin“, sagt Alexander Münch.

Familie Münch in der Musterwohnung von "Neues Berlin".
Familie Münch in der Musterwohnung von „Neues Berlin“.

Dass Familie Münch möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben will, ist für die Wohnungsbaugenossenschaft „Neues Berlin“ nichts Ungewöhnliches. „Viele unserer Mieter gehören zu den Erstbeziehern“, sagt Andrea Köhn, die Leiterin des Bestandsmanagements bei der Wohnungsbaugenossenschaft „Neues Berlin“. Jetzt seien die Bewohner im fortgeschrittenen Alter. „Und daher steigt die Nachfrage nach einem barrierearmen Umbau der eigenen vier Wände.“ Wer über 60 Jahre alt ist, profitiert von dem Programm „Wohnen im Alter“, das „Neues Berlin“ eigens aufgelegt hat und für das allein in diesem Jahr 650.000 Euro zur Verfügung stehen. Die Hälfte der Umbaukosten trägt die Genossenschaft, die andere Hälfte die Mieter. Die können entscheiden, ob sie ihren Anteil auf einmal, in Raten oder im Rahmen einer Umlage auf die Miete zahlen. Seit 2012 wurden zehn Wohnungen komplett umgebaut und im Rahmen des Programms 118 ebenerdige Duschen installiert. Darüber hinaus beantragten 225 Mieter, dass die Schwelle zwischen Wohnzimmer und Loggia beseitigt wird. Doch auch wer noch unter 60 Jahre alt ist, bekommt Unterstützung. So wurden außerhalb des Sonderprogramms bereits 42 Bäder und 58 Loggien umgebaut. Seit Beginn des Programms entstanden 160 Bäder mit ebenerdiger Dusche. 283 Loggiaschwellen wurden abgesenkt. Zum Programm „Wohnen im Alter“ gehört rutschfestes Laminat, der 7.000 Euro teure Badumbau mit Installation einer ebenerdigen Dusche, das Entfernen von Schwellen und das Vergrößern von Türrahmen. Es gibt eine Kooperation mit dem Anbieter eines Hausnotrufes. Der verteilt an seine betagten Kunden fürs Handgelenk ein Alarmsystem. Was konkret für jeden einzelnen Mieter unternommen werden kann, klären Mitarbeiter von „Neues Berlin“ in der Musterwohnung. Dort erfahren die Mieter, an welchen Kosten sich ihr Vermieter beteiligt.

Dass ein Vermieter Kosten für das altersgerechte Wohnen teilweise trägt, ist ungewöhnlich. „So etwas wollen sich nur Wohnungsbaugenossenschaften leisten“, sagt Andrea Köhn. Ziel soll es aber sein, dass alle Mieter so lange wie möglich in ihrer Wohnung bleiben können. Ihre Mitglieder zu fördern gehöre zu den Schwerpunkten der Genossenschaft. Sie gehe davon aus, dass die Nachfrage nach altersgerechtem und barrierearmen Wohnraum anhalten werde. Ein Blick auf die Zahlen belegt das: So ist statistisch jeder zweite Mieter von „Neues Berlin“ zwischen 50 und 70 Jahre.

Die Musterwohnung in der Matenzeile 21 in Hohenschönhausen ist jeden ersten und dritten Dienstag im Monat von 9 bis 12 Uhr sowie auf Nachfrage geöffnet. Termine können unter (030) 98 19 20 00 vereinbart werden.

 

Genossenschaft legt Grundstein für Neubau

Andrea Köhn von "Neues Berlin" vor dem Modell des Neubaus.
Andrea Köhn von „Neues Berlin“ vor dem Modell des Neubaus.

52 neue Wohnungen: An der Degnerstraße 32-34 in Alt-Hohenschönhausen hat die Wohnungsbaugenossenschaft „Neues Berlin“ den Grundstein für ihr fünftes Neubauvorhaben gelegt. In dem runden Gebäude entstehen Wohnungen mit einer Fläche zwischen 53 und 149 Quadratmetern. Das gesamte Wohnhaus wird barrierefrei sein.

Günstige Mieten: Die Mieten liegen zwischen 8 und 10 Euro pro Quadratmeter. Ein Teil der Zwei-Raum-Wohnungen wird besonders günstig angeboten. „Neues Berlin“ leistet damit einen Beitrag im Rahmen des bezirklichen Bündnisses für Wohnen. Mehrere Vermieter haben sich darin dem Bezirk gegenüber verpflichtet, günstigen Wohnraum zu schaffen. In dem Neubau werden auch Wohnungen entstehen, die von Menschen mit Behinderung bewohnt werden.

Barrierearmes Wohnen: Wer als Mieter von „Neues Berlin“ seinen Bedarf am Umbau seiner Wohnung zu einem barrierearmen Quartier anmeldet, bekommt Unterstützung. In vielen Fällen gibt es im Rahmen des Programms „Wohnen im Alter“ einen Zuschuss in Höhe von 50 Prozent zu den entstehenden Kosten. Außerdem verfügen speziell geschulte Mitarbeiter über Informationen zu Zuschüssen von Kranken- und Pflegekassen.

veröffentlicht am 4. August 2014; Autor: Marcel Gäding

Wohnen im Alter: Zuhause am schönsten
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