Die Zahl der älteren Menschen in Berlin steigt. Der Bezirk Lichtenberg reagiert auf diesen Trend und schafft altersgerechte Angebote – darunter generationsübergreifende Spielplätze. In unserer neuen Serie „Älter werden in Lichtenberg“ würdigen wir die verschiedenen Ansätze. Teil 1: Lichtenberg auf dem Weg zur „reifen“ Kommune.

Die Zahl der älteren Menschen in Berlin steigt. Der Bezirk Lichtenberg reagiert auf diesen Trend und schafft altersgerechte Angebote – darunter generationsübergreifende Spielplätze.
Die Zahl der älteren Menschen in Berlin steigt. Der Bezirk Lichtenberg reagiert auf diesen Trend und schafft altersgerechte Angebote – darunter generationsübergreifende Spielplätze.

LICHTENBERG. Von wegen altes Eisen: Wer nach einem erfüllten Arbeitsleben in Rente geht, dem steht unter Umständen ein neuer, langer Lebensabschnitt bevor. Zu diesem Schluss kommt die Berliner Altersforscherin Adelheid Kuhlmey von der Charité. Zahlen des Amtes für Statistik belegen das: Bis 2030 wird sich die Zahl der über 80 Jahre alten Berliner nahezu verdoppeln. Mit einem Anstieg rechnen die Statistiker auch bei den Berlinern in der Altersklasse 65 bis 80: Ihr Anteil an der Bevölkerung wird um gut 15 Prozent zunehmen.

Der Bezirk Lichtenberg hat auf diese Entwicklung frühzeitig reagiert und erst vor Kurzem einen weiteren generationenfreundlichen Spielplatz an der Gensinger Straße in Friedrichsfelde eröffnet. Mittlerweile gibt es sowohl in Hohenschönhausen als auch in Lichtenberg viele dieser Spielplätze, die bewusst für Kinder, Erwachsene und ältere Menschen ausgelegt sind.

Auch die Wirtschaft reagiert auf eine älter werdende Gesellschaft: So hat die Wohnungsbaugenossenschaft „Neues Berlin“ ein Programm mit dem Namen „Wohnen im Alter“ aufgelegt. Jedes Jahr stellt der Vermieter 650.000 Euro für den altersgerechten Umbau von Wohnungen zur Verfügung.  Vor allem Mieter, die über 65 Jahre alt sind, nutzen die von der Genossenschaft gewährten Zuschüsse rege. Eigens wurde auch eine Musterwohnung eingerichtet, in der sich Interessenten über das altersgerechte Wohnen informieren können.

Spielplatz für jung und alt

Auf den ersten Blick wirkt der Spielplatz an der Gensinger Straße wie ein Fitness-Studio unter freiem Himmel. Schaukeln sucht man hier ebenso vergeblich wie Klettergerüste. Dafür gibt es einen interessanten Parcours aus Kletterseilen, Open-Air-Fitnessgeräten und Holzklötzen, auf denen man das Balancieren üben kann. Generationenübergreifender Spielplatz nennt sich das Areal, das Ende Mai von Stadtentwicklungsstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) eröffnet wurde. Mittlerweile gibt es einige dieser Spielplätze im Bezirk.

Lichtenberg wird älter, das steht außer Frage. Die Zahl der 65- bis 75-Jährigen stieg von 23.000 im Jahr 2001 auf 30.000 im Jahre 2012. Die Zahl der 70-Jährigen von 13.100 im Jahre 2001 auf 23.300 im Jahre 2012. Das geht aus Zahlen des Bezirksamtes hervor. Und das reagiert seit Jahren auf diesen Trend. Inzwischen sind im Bezirk Lichtenberg viele generationenübergreifende Spielplätze entstanden – unter anderem im Oberseepark in Alt-Hohenschönhausen, an der Waldow­allee in Karlshorst und an der Mellenseestraße in Friedrichsfelde. Dort treffen sich die Besucher einer Seniorenfreizeitstätte zum Sport.

An der Gensinger Straße können Senioren auf einem Fußstapfenweg balancieren, Armzüge an der Eisenstange machen oder einen eleganten Hüftschwung auf der Schwebeplattform hinlegen. Bewusst habe man sich für einen derartigen Spielplatz entschieden, da die Nachfrage der Lichtenberger nach solchen Angeboten wächst, erklärt Amtsleiter Joachim Ehrendreich. „Um die Sicherheit zu gewährleisten, haben wir für diesen und für alle anderen generationenübergreifenden Spielplätze einen Vertrag mit einer Spezialfirma“, sagt Ehrendreich. Einmal im Monat würden die Geräte auf Sicherheit und Funktionstüchtigkeit hin überprüft und im Bedarfsfall repariert.

Nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und dem Amt für Statistik erhöht sich das Durchschnittsalter in Berlin von derzeit 42,3 auf 44,2 Jahre im Jahr 2030. „Ausschlaggebend für das steigende Durchschnittsalter ist die überproportionale Zunahme der Bevölkerung in den höheren Altersgruppen“, heißt es in einem bereits 2012 veröffentlichten Papier. Im Prognose-Zeitraum wird sich die Zahl der über 80-Jährigen Personen mit einer Steigerung von 80,7 Prozent auf rund 268.000 nahezu verdoppeln, erklären die Statistiker. Die Zahl der „jungen Alten“ im Alter von 65 bis unter 80 Jahren wird um 14,4 Prozent auf etwa 590.000 steigen.

Nach Ansicht der Gerontologin Adelheid Kuhlmey hat sich das Alter im klassischen Bilde eines alten Menschen nach hinten verschoben. „Wenn wir uns heute 60-jährige Menschen anschauen, dann stellen wir schon Veränderungen am Äußeren fest“, sagt die Direktorin des Instituts für medizinische Soziologie an der Charité Berlin. „Ein 60-jähriger Mensch ist heute anders aufgestellt als 60-Jährige in früheren Generationen“, sagt sie. Man habe es mit einem Zugewinn an gesunden Lebensjahren und Vitalität zu tun, erklärt die Wissenschaftlerin.

Kuhlmey sagt, dass für viele Menschen nach einer aktiven beruflichen Laufbahn eine neue Lebensphase beginnt. „Statistisch beendet jeder Deutsche mit 61 Jahren seine berufliche Laufbahn – gut und gerne steht ihm dann ein neuer Lebensabschnitt bevor, der im Idealfall 30 Jahre dauern kann.“

veröffentlicht am 31. Juli 2014; Autor: Marcel Gäding | Foto: Marcel Gäding

Zahl der 80-Jährigen Lichtenberger verdoppelt sich
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