Im Schul- und Leistungssportzentrum werden Sportler für eine Karriere neben dem Sport ausgebildet. Immerhin handelt es sich um die größte Eliteschule des Sports in Deutschlands. Sie setzt international Maßstäbe. Teil 2 unserer Serie über das Sportforum Berlin.

Im Schul- und Leistungssportzentrum werden Sportler für eine Karriere neben dem Sport ausgebildet. Immerhin handelt es sich um die größte Eliteschule des Sports in Deutschlands. Sie setzt international Maßstäbe.
Im Schul- und Leistungssportzentrum werden Sportler für eine Karriere neben dem Sport ausgebildet. Immerhin handelt es sich um die größte Eliteschule des Sports in Deutschlands. Sie setzt international Maßstäbe.

HOHENSCHÖNHAUSEN. Im hintersten Winkel des Sportforums, in der Fritz-Lesch-Straße 35, liegt eine der wohl wichtigsten Einrichtungen des deutschen Leistungssport-Systems: die Werner-Seelenbinder-Schule. Zusammen mit dem Coubertin-Gymnasium in Prenzlauer Berg bildet sie das Schul-und Leistungssportzentrum Berlin (SLZB).  Die größte Eliteschule des Sports in Deutschland setzt  international Maßstäbe: In kaum einer anderen Einrichtung weltweit haben so viele spätere Olympiasieger und Weltmeister die Schulbank gedrückt. Schwimmerin Britta Steffen, Diskuswerfer Robert Harting oder Eisschnellläuferin Jenny Wolf sind nur einige Beispiele hierfür.

Schulleiter Gerd Neumes sagt: „Leistungssport geht nicht ohne Schule.“  Anders als im Fußball, wo mit hohen Beträgen nur so um sich geworfen wird, kommen gerade Athleten in Randsportarten nur schwer über die Runden. Eine solide schulische Ausbildung für die Existenz ist deshalb unerlässlich. Das hohe Trainingspensum und den Lehrplan in einer gewöhnlichen Schule miteinander zu verbinden, ist kaum möglich. Das SLZB hingegen ist voll auf die Bedürfnisse der Leistungssportler spezialisiert. „Wir versuchen hier eine permanente Überforderung zu vermeiden“, erklärt Neumes.

Der Standort im Sportforum, der größten zusammenhängenden Trainingsanlage in Deutschland, bietet dabei die besten Voraussetzungen. Von der Schule bis zu den Trainingsstätten sind es nur wenige Gehminuten. Die auswärtigen Schüler sind in dem Internat direkt neben der Schule untergebracht. Derzeit wird der Standort sogar noch ausgebaut, damit ab dem kommenden Schuljahr alle 1.200  Schüler des SLZB hier unterkommen – und die sportlichen Vorzüge genießen können. „Es ist schon optimal, dass du morgens bis abends am gleichen Ort sein kannst“, weiß Handballer Konstantin Werner, 16,  der mit der Schulmannschaft des SLZB gerade in der Türkei Schul-Weltmeister geworden ist. Training, Schule, wieder Training – so liest sich ein typischer Tagesablauf für ihn und seine Kollegen.

Handball ist überhaupt ein Paradebeispiel für die Talentförderung im Sportforum. Die gesamte WM-Mannschaft gehört zum Nachwuchs der Füchse Berlin, deren Trainingshalle in Sichtweite der Schule liegt. „Wenn von der ersten Mannschaft bis zur C-Jugend alle am gleichen Ort trainieren, verbindet das natürlich“, sagt Werner.  Die Eröffnung der Füchse-Town im vergangenen Jahr diente genau diesem Zweck.  Bob Hanning, Geschäftsführer des Bundesligisten, sagt: „In diesem Punkt hat Berlin einen klaren Standortvorteil, unsere Devise heißt Motivation durch Identifikation.“ Paul Drux,  Fabian Wiede und Jonas Thümmler stehen für das erfolgreiche SLZB-Ausbildungsmodell. Alle drei haben jahrelang den Spagat von Schule und Nachwuchs-Handball gemeistert und sind inzwischen wichtige Teile der Profi-Mannschaft.

Solche Erfolgsgeschichten sind bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Als Neumes 1991 die Geschicke der Sport-Schule übernommen hat, war die Zukunft alles andere als sicher. „Nicht wenige waren der Meinung, dass diese abgeschafft gehört“, erinnert sich der Pädagoge. Die Kinder- und Ju­gendsportschule (KJS), wie die Eliteschule des Sports zu DDR-Zeiten hieß, hatte mitunter den Ruf unmenschlich und unpädagogisch zu sein. „Der Weg ins Leistungssystem ist heute freiwillig, damals war er das nicht immer.“

Der Grundsatz, schulische Ausbildung mit Leistungssport zu verbinden, galt aber doch als nachahmenswert. „Natürlich wollte man weiterhin erfolgreich sein“, weiß Neumes. Zudem ist der Leistungssport natürlich auch im vereinigten Deutschland eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe mit einer hohen politischen Dimension. Und so entschied man sich dafür, die Eliteschule unter anderen Voraussetzungen beizubehalten. „Unsere Sportler sind nicht mehr Diplomaten im Trainingsanzug“, sagt Neumes. Transparenz und Dinge ständig zu hinterfragen, seien wesentliche Merkmale des SLZB. Wenngleich Medaillen und Titel natürlich auch heute noch zur Legitimation einer Eliteschule des Sports gehören.

veröffentlicht am 29. Juli 2014; Autor: Benedikt Paetzholdt

Die Schule deutscher Spitzensportler
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