Ein Hohenschönhausener Bauunternehmen will einen ganz persönlichen Beitrag zur Integration leisten. Die BIG B. Bau- und Instandsetzung GmbH bietet syrischen Flüchtlingen Praktikumsplätze an. Wer sich bewährt, hat die Chance auf eine Festanstellung. Von Marcel Gäding.

Kerstin Block von der GSM, Hussam Zainou aus Syrien und Bauunternehmer Jörg Hoppe hoffen darauf, dass ihr Projekt erfolgreich sein wird. Foto: Marcel Gäding
Kerstin Block von der GSM, Hussam Zainou aus Syrien und Bauunternehmer Jörg Hoppe hoffen darauf, dass ihr Projekt erfolgreich sein wird. Foto: Marcel Gäding

HOHENSCHÖNHAUSEN. Jörg Hoppe ist ein Unternehmer, der nicht lange um den heißen Brei redet und Worten schnell Taten folgen lässt. Seit Monaten schaut er mit Sorge, wie Menschen aus Kriegsgebieten Zuflucht in Berlin suchen. Helfen möchte er, das war von Anfang an klar. „Aber nicht in Form von Spenden, sondern ganz praktisch.“ Also überlegte Hoppe, Chef eines mittelständischen Bauunternehmens in Hohenschönhausen, wie man geflüchteten Menschen unter die Arme greifen kann. Ein paar Telefonate, einige Treffen mit dem Jobcenter und einer Beschäftigungsgesellschaft – und schon entstand daraus ein ganz ungewöhnliches Projekt. Für drei Monate werden geflüchteten Menschen aus Syrien Praktikumsplätze angeboten. Wer sich auf dem Bau bewährt hat gute Chancen, einen festen Arbeitsvertrag oder eine Ausbildung zu bekommen.

„Die jungen Menschen werden drei Tage auf der Baustelle sein, zwei Tage bekommen sie Unterricht“, erklärt Jörg Hoppe, der Geschäftsführer der BIG B. Bau- und Instandsetzungs GmbH aus Hohenschönhausen. Während der kommenden drei Monate wolle man schauen, welche Fähigkeiten die Praktikanten mitbringen. Das Projekt sei ein direkter Beitrag zur Integration. „Wir wissen doch nicht viel über die Menschen, die zu uns kommen und Hilfe suchen“, sagt Hoppe. „Deshalb ist unser Ansatz, sie kennenzulernen und ihnen eine Perspektive zu bieten.“ Der Chef von 40 Mitarbeitern hofft, dass er den einen oder anderen neuen Kollegen langfristig rekrutieren kann. „Auf unseren Baustellen brauchen wir eigene Leute, die Flüchtlinge könnten bald dazugehören.“

Begleitet wird das Projekt vom Jobcenter in Spandau und der Beschäftigungsgesellschaft GSM Training & Integration GmbH. „Für uns ist das eine ganz neue Erfahrung, mit einem Unternehmen direkt zusammenzuarbeiten“, sagt Kerstin Block, die Leiterin der Geschäftsentwicklung für die Region Ost. Die geflüchteten Menschen erhalten professionelle Hilfe bei der Einführung in den deutschen Arbeitsmarkt und werden sowohl sprachlich als auch fachlich geschult. Die GSM versteht sich dabei als Begleiter, will den Geflüchteten auch bei Behördenangelegenheiten helfen. Im Rahmen des Projekts werden die Wege kurz sein – die GSM eröffnete im Hause der BIG B. Bau- und Instandsetzungs GmbH eine Niederlassung, in der auch ein Übersetzer ein Büro hat.

Einer, der von den Projekt profitieren möchte, ist Hussam Zainou. Der 28-jährige lebt seit zehn Monaten in Deutschland, berichtet von einer abenteuerlichen Flucht per Schlauchboot, zu Fuß und mit dem Fahrrad von Syrien nach Deutschland. Er habe große Lust, in dem Projekt mitzuarbeiten. „Ich bin gelernter Dekorateur, habe als Fliesenleger und Maler gearbeitet“, sagt Zainou, der innerhalb kurzer Zeit schon viel Deutsch gelernt hat. Der junge Syrer hofft, dass er mit einem Job eine langfristige Perspektive hat – denn in sein vom Krieg zerstörtes Heimatland möchte er nicht mehr zurückkehren.

Auf den Baustellen warten vielfältige Aufgaben auf die syrischen Kollegen. Dazu zählt die Sanierung von Fassaden, der Innenausbau von Wohnhäusern oder die Ausstattung von Gebäuden mit Haustechnik. „Unsere Bauleiter sind schon ganz gespannt“, sagt Jörg Hoppe.

veröffentlicht am 8. Juni 2016

Flüchtlinge: Eine Chance auf dem Bau
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