Lichtenberg ist ab sofort Modellbezirk für Mobilitätsschulen: Bezirksbürgermeisterin Birgit Monteiro (SPD) und der Chef der Seniorenvertretung Lichtenberg, Jürgen Steinbrück, starteten das berlinweit einmalige Projekt am Donnerstag – standesgemäß mit einer Fahrt auf sogenannten E-Bikes. Von Marcel Gäding.

Bürgermeisterin Birgit Monteiro, Vattenfall-Vorstand Gunther Müller, Schulstadträtin Kerstin Beurich und Jürgen Steinbrück (v.l.n.r.) von der Seniorenvertretung bei der Übergabe der Elektrofahrräder. Fotos: Marcel Gäding
Bürgermeisterin Birgit Monteiro, Vattenfall-Vorstand Gunther Müller, Schulstadträtin Kerstin Beurich und Jürgen Steinbrück (v.l.n.r.) von der Seniorenvertretung bei der Übergabe der Elektrofahrräder. Fotos: Marcel Gäding

FRIEDRICHSFELDE. Jürgen Steinbrück macht keinen Hehl daraus: „Ich habe schon lange nicht mehr auf einem Fahrrad gesessen“, sagt der Chef der Lichtenberger Seniorenvertretung. Die meisten Strecken lege er mit dem Auto zurück. An diesem grauen Donnerstagvormittag aber steigt er auf ein E-Bike – ein rund 1.500 Euro teures Fahrrad, dessen elektrischer Motor das Fahren deutlich erleichtert. Steinbrück, vorschriftsmäßig mit einem Helm bekleidet, schnappt sich eines der Gefährte und dreht gemeinsam mit Bezirksbürgermeisterin Birgit Monteiro (SPD) ganz begeistert einige Runden im Parcours der Jugendverkehrsschule an der Baikalstraße. Man möchte meinen, der rüstige Senior habe das vorher heimlich irgendwo geübt.

Menschen wie Jürgen Steinbrück gehören zu jener Zielgruppe, auf die Lichtenbergs Klimaschutzbeauftragte Kirsten Schindler ein Auge geworfen hat. Mit der am Donnerstag ins Leben gerufenen Mobilitätsschule möchte sie Lichtenberger jeder Altersgruppe neugierig machen, umweltfreundliche Verkehrsmittel zu testen. „Unser Ziel ist es, die Leute mitzunehmen und ihnen die klimafreundliche Mobilität näher zu bringen“, sagt sie. Mit anderen Worten: Lieber mal das Auto stehen lassen oder sich ein Auto mit anderen teilen, kurze Strecken zu Fuß gehen oder aber aufs Fahrrad umsteigen. So steht es im Kern auch im Mobilitätskonzept des Bezirks, der Ideen entwickelt, um den Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid zu reduzieren.

Hatten sichtlich Freude bei der ersten Fahrt auf den Elektrofahrrädern: Jürgen Steinbrück und Birgit Monteiro.
Hatten sichtlich Freude bei der ersten Fahrt auf den Elektrofahrrädern: Jürgen Steinbrück und Birgit Monteiro.

Für die Jugendverkehrsschule Lichtenberg kommt das neue Projekt wie gerufen. Seit Jahren vermitteln die Verkehrserzieher an den beiden Standorten vor allem Kindern und Jugendlichen den sicheren Umgang im Straßenverkehr. Eigens hierfür wurde ein kleiner Parcours aus Straßen, Fußgängerüberwegen, Ampelkreuzungen und Kreisverkehren aufgebaut. „Viele Kinder werden von ihren Großeltern oder Eltern begleitet“, berichtet Wolfgang Kopischke von der Jugendverkehrsschule. „Die sagen dann, dass sie eine Ewigkeit nicht mehr auf einem Fahrrad saßen und trauen sich demzufolge auch nicht, damit zu fahren.“ Das Konzept der Mobilitätsschule richtet sich genau an solche Menschen. Eine Beschränkung auf eine bestimmte Altersgruppe gibt es nicht. „Angedacht sind auch Angebote für Flüchtlinge“, sagt Frank Schulz, der Geschäftsführer der Gesellschaft Atina, seit 2012 Träger der Jugendverkehrsschulen im Bezirk. Die für die Jugendverkehrsschule zuständige Bezirksstadträtin Kerstin Beurich (SPD) freut sich, dass die beiden Standorte mit dem neuen Konzept eine Perspektive erhalten. Offenbar ist vorübergehend auch das Personalproblem gelöst, wie Bezirksbürgermeisterin Birgit Monteiro berichtet. Beide Standorte erhalten Beschäftigte, die ihr Geld vom Job-Center bekommen. Wie berichtet, kam es im vergangenen Jahr zu verkürzten Öffnungszeiten, weil es an Personal fehlte.

Um das Konzept der Mobilitätsschule umzusetzen, wurden mit Hilfe des Energiedienstleisters Vattenfall zwei jeweils rund 1.500 Euro teure Elektrofahrräder angeschafft. Die sind durchaus praktisch vor allem für ältere Menschen, da ein Elektromotor unterstützend zum Einsatz kommt. Ganz ohne Strampeln geht es aber nicht. „Einerseits möchten wir damit unsere Verbundenheit zum Bezirk zum Ausdruck bringen“, sagt Gunther Müller, Vorstand der Vattenfall Wärme AG. Andererseits beteilige sich sein Unternehmen an klimafreundlichen Verkehrskonzepten. Dazu gehört, dass der Konzern auch Ladestationen für Elektroautos aufstellt.

veröffentlicht am 18. Februar 2016

Mobilitätsschule in Lichtenberg: Radfahren für alle