Mehr Einwohner und mehr Unternehmen: Nie war der Bezirk Lichtenberg so beliebt wie derzeit. Doch der „Boom“ stellt die Verwaltung vor Herausforderungen. Es fehlt an Schul- und Kitaplätzen sowie bezahlbarem Wohnraum. Von Marcel Gäding.

Lichtenbergs Bezirksbürgermeisterin Birgit Monteiro (SPD) hat Grund zur Freude: Die Zahl der Unternehmen in Lichtenberg wächst – und damit auch die Auswahl an regionalen Produkten. Diese sollen am 4. März im Rahmen der „Nacht der Politik“ ab 18 Uhr im Rathaus an der Möllendorffstraße präsentiert werden. Foto: Marcel Gäding
Lichtenbergs Bezirksbürgermeisterin Birgit Monteiro (SPD) hat Grund zur Freude: Die Zahl der Unternehmen in Lichtenberg wächst – und damit auch die Auswahl an regionalen Produkten. Diese sollen am 4. März im Rahmen der „Nacht der Politik“ ab 18 Uhr im Rathaus an der Möllendorffstraße präsentiert werden. Foto: Marcel Gäding

LICHTENBERG. Nein, dieses Mal hat sie es nicht gesagt – und auch ihre Kolleginnen und Kollegen Bezirksstadträte halten sich mit Superlativen zurück. Bezirksbürgermeisterin Birgit Monteiro (SPD) vermied es auf der Jahrespressekonferenz des Bezirksamtes am Dienstagvormittag, vom Boombezirk zu sprechen – anders als ihr Vorgänger Andreas Geisel, der es damit in die bundesweite Presse schaffte. Dass Lichtenberg aber weiter stetig wächst, zeigen die Zahlen, die Lichtenbergs Rathaus-Chefin präsentierte. Lebten im 2014 noch 268.000 Menschen dort, waren es 2015 bereits 275.000. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl der Lichtenberger bis zum Jahr 2030 auf 294.000 steigt.

Selten war Lichtenberg so beliebt wie derzeit – was auch die Eckdaten aus dem Wirtschaftsbereich zeigen, der Bezirksbürgermeisterin Birgit Monteiro unterstellt ist. Ende 2015 waren in Lichtenberg 20.237 Betriebe registriert – 448 mehr als 2014 und 1.600 mehr als 2012. Unter den neu angesiedelten Firmen finden sich namhafte Firmen wie das Meinungsinstitut Forsa, DHL oder der Zalando-Ableger Zuumeo. „Wichtig ist, dass sich die positive Entwicklung auch auf die Arbeitsmarktzahlen niederschlägt“, sagte Birgit Monteiro. So liege die Arbeitslosenquote derzeit bei 9,6 Prozent (2011 noch bei 14 Prozent). „Wir rechnen stark damit, dass wir im Jahresverlauf unter neun Prozent kommen.“ Erfreulich sei, dass sich am neu aufgelegten Bündnis für Arbeit und Wirtschaft inzwischen 31 Institutionen beteiligen.

Um die steigende Nachfrage nach Wohnungen zu befriedigen, wird an allen Ecken im Bezirk gebaut. Vergangenes Jahr genehmigte das Bezirksamt den Bau von 2.305 Wohneinheiten, sagte Stadtentwicklungsstadtrat Wilfried Nünthel. Aktuell gebe es Bebauungspläne für weitere 8.200 Wohnungen – darunter 2.000 auf dem Gelände der früheren Gärtnerei „Weiße Taube“ an der Landsberger Allee gegenüber von Ikea. Ob die Wohnungen bezahlbar sein werden, ist unklar – denn viele Investoren sind gar nicht Mitglied im bezirklichen Bündnis für Wohnen, das sich auf moderate Mieten verständigt hat. Wer derzeit nach einer günstigen Wohnung in Lichtenberg sucht, wird nur selten fündig.

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Bei aller Freude über den wachsenden Bezirk: Der nicht enden wollende Zuzug stellt die Verwaltung für Herausforderungen, insbesondere, was den Bedarf an sozialer Infrastruktur betrifft, wie Jugendstadträtin Dr. Sandra Obermeyer (parteilos, für DIE LINKE) erklärt. „Wir sind als Bezirk in der Verantwortung, zusätzliche Plätze zu schaffen“, sagte sie in Hinblick auf die Kindertagesstätten. Aktuell verfüge der Bezirk über 13.500 Kitaplätze; bis 2017 erwarte man jedoch 17.000 Kinder im „kitafähigen“ Alter. Seit 2010 sei die Zahl der Lichtenberger Betreuungsplätze um ein Drittel gestiegen. „Da Lichtenberg weiter wächst und die Zahl der Kinder im Vorschulalter besonders, muss dieses Tempo beibehalten werden.“

Schulstadträtin Kerstin Beurich (SPD) sagte, dass allein in den vergangenen beiden Jahren 2.100 neue Grundschulplätze geschaffen wurden. Angesichts steigender Flüchtlingszahlen braucht es jedoch für Kinder aus Flüchtlingsfamilien weitere Kapazitäten. So habe die Senatsbildungsverwaltung bis 2020 sieben neue Grundschulen zugesichert. Allerdings werde sich nicht verhindern lassen, dass Flüchtlingskinder auch vor Ort in ihren Unterkünften beschult werden.

Wachsendes Lichtenberg bedeutet auch, dass der Platz im Bezirk knapp wird – etwa für das Parken. Weil sich die Situation im Wohngebiet Frankfurter Allee-Süd und der Viktoriastadt besonders zuspitzt, soll ein Gutachten nun klären, ob das Parken dort kostenpflichtig wird. Gerade wurde die Ausschreibung gestartet. „Wir gehen davon aus, dass uns die Ergebnisse noch vor den Wahlen im Herbst vorliegen werden“, sagte Dr. Andreas Prüfer (DIE LINKE), Bezirksstadtrat für Bürgerdienste, Ordnungsangelegenheiten und Immobilien. Wie berichtet, nutzen vor allem Autofahrer aus dem Nachbarbezirk Friedrichshain-Kreuzberg die kostenlosen Parkplätze in Lichtenberg – weil sie in ihrem Kiez seit vergangenem Jahr dafür bezahlen müssen.

veröffentlicht am 16. Februar 2016

Lichtenberg: Zeichen stehen auf Wachstum
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