Jahrelang wurden in Berlins Krankenhäusern Betten abgebaut; jetzt soll diese Entwicklung gestoppt werden. Alle 51 Kliniken in der Stadt bekommen zusammen 1.300 Betten mehr, kündigte Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) bei der Vorstellung des neuen Krankenhausplanes an. Auch die Krankenhäuser in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg profitieren. Von Marcel Gäding.

Blick in die Physiotherapie der geriatrischen Fachabteilung des Sana Klinikums Lichtenberg. Foto: Marcel Gäding
Blick in die Physiotherapie der geriatrischen Fachabteilung des Sana Klinikums Lichtenberg. Foto: Marcel Gäding

LICHTENBERG. Die wichtigste Botschaft Czajas: Die wachsende Stadt Berlin bekommt deutlich mehr Krankenhausbetten, die Qualität der Patientenversorgung wird verbessert. „In Berlin wurden seit der Wende 20.000 Krankenhausbetten abgebaut“, sagte Czaja. In der jetzt vorgelegten, 231 Seiten starken Krankenhausplanung für die Jahre 2016 bis 2020 ist von einer Reduktion keine Rede mehr. Ganz im Gegenteil: Unterm Strich werden 1.300 neue „Planbetten“ dazu kommen. Damit steigt die Zahl der Krankenhausbetten auf 21.980. Gleichzeitig wurden Qualitätsstandards definiert. Dazu gehört unter anderem die Personalausstattung der Fachabteilungen, der Notaufnahmen, der Intensivstationen und der geriatrischen Abteilungen. Dass Berlin mehr Betten bekommen soll, liege auch an der Bevölkerungsprognose für die kommenden Jahre, die einen deutlichen Zuwachs an neuen Berlinerinnen und Berlinern ausweist. Aktuelle Berechnungen gehen davon aus, dass bis 2020 die Zahl der Berliner um 173.000 steigt.

Anzeige
www.berge-meer.de

„Wir haben den Strukturwandel hinter uns“, sagte Czaja mit Blick auf den Bettenabbau in den zurückliegenden 25 Jahren. Jetzt wird nach vorn geschaut – und das bedeutet unter anderem, enger in Sachen Gesundheitspolitik zusammenzurücken: Weil bereits jetzt jeder fünfte Brandenburger nach Berlin fährt, um sich behandeln und therapieren zu lassen, und im Umkehrschluss viele Berliner in Brandenburg Rehabilitationsangebote wahrnehmen, soll es für beide Bundesländer in Sachen Krankenhausplanung einen gemeinsamen Regionalausschuss geben.

Einen besonderen Schwerpunkt sollen die medizinischen Angebote für ältere und hochgetagte Menschen bilden, sagte Czaja. „Allein in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf wird sich die Zahl der 80-Jährigen bis zum Jahr 2030 verdoppeln“, erklärte der Gesundheitssenator, der seinen Wahlkreis in Mahlsdorf hat und in Karlshorst wohnt. Demzufolge müssen sich die Kliniken auf die älter werdenden Patienten einstellen. Wie das in der Praxis funktioniert, erklärte am Donnerstag Dr. med. Eric Hilf, Chefarzt der Geriatrie im Sana Klinikum Lichtenberg und Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes Geriatrie in Berlin. In seinem Fachbereich werden jedes Jahr an die 1.700 ältere Menschen behandelt; das Durchschnittsalter der Patienten beträgt 83 Jahre. Die Versorgung der Senioren reduziert sich nicht nur auf die Behandlung und Therapie von Krankheiten. Am Sana Klinikum gibt es gleich einen ganzen Stab von Fachleuten, die sich den Sorgen und Beschwerden älterer Patienten annehmen. Zu dem „multiprofessionellen Team“ gehören Physio- und Ergotherapeuten, Seelsorger und Logopäden, Sozialarbeiter, Ärzte, Pfleger und Neuropsychologen. Außerdem gab es in Abstimmung mit dem Bezirksamt Lichtenberg Schulungen für die Angestellten der Klinik. „So wissen wir, welche Unterstützungsangebote es im Bezirk außerhalb des Krankenhauses gibt.“ Schließlich höre die Altersmedizin nicht im Krankenhaus auf. Chefarzt Hilf lobte den Gesundheitssenator am Donnerstag mehrfach für den neuen Krankenhausplan und sprach von „einem tollen Tag für die älteren und hochbetagten Bürger Berlins“. Der Krankenhausplan enthalte ein großes Potenzial für Nachhaltigkeit. Er geht davon aus, dass die Berliner Qualitätsvorgaben „bundesweit Beachtung finden werden“.

In der Gesundheitsregion Ost, bestehend aus Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg, profitieren vor allem die großen Kliniken: Die Zahl der Betten am Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) steigt von derzeit 630 auf 748; im Sana Klinikum von 554 auf 621 und im Unfallkrankenhaus Berlin von 546 auf 608. Den größten Zuwachs erhält das Vivantes Klinikum Kaulsdorf – dessen Bettenzahl wird mehr als verdoppelt: von 208 auf 421. Kommende Woche soll im KEH eine neue geriatrische Fachabteilung eröffnet werden.

Mehr zum Thema Krankenhäuser in Berlin:

Krankenhausplan Berlin 2016 bis 2020

veröffentlicht am 4. Februar 2016

Gesundheit: Berlin investiert in Krankenhäuser
Markiert in: