Auszubildende führen eine Woche lang einen Lidl-Markt in Hohenschönhausen. Dort können sie unter Beweis stellen, was sie in den vergangenen Monaten gelernt haben. Ein Vor-Ort-Besuch. Von Marcel Gäding.

Azubi Caner Mutlu (19) am Obstregal bei Lidl. Daneben: Ausbildungsleiter Philipp Bulinski. Fotos: Marcel Gäding
Azubi Caner Mutlu (19) am Obstregal bei Lidl. Daneben: Ausbildungsleiter Philipp Bulinski. Fotos: Marcel Gäding

HOHENSCHÖNHAUSEN. Auf den ersten Blick wirkt alles wie immer. Am diesem Donnerstagvormittag sind es vor allem ältere Kunden, die durch die breiten Gänge des Lidl-Marktes in der Gehrenseestraße schlendern. Und wäre da nicht dieses Hinweisschild am Eingang und die speziell für diese Woche angefertigte Dienstkleidung – womöglich würde keiner der Kunden Notiz davon nehmen, dass sie einen Discounter betreten, der ausschließlich von Azubis geführt wird. Motto: „Azubis handeln. Wir sind die Zukunft.“

Eine Woche lang ist der Markt in der Gehrenseestraße fest in der Hand von Auszubildenden des zweiten und dritten Lehrjahres. Die Stammmannschaft ist im Urlaub oder bummelt freie Tage ab, während der Einzelhandelsnachwuchs den Laden schmeißt. 14 junge Menschen wurden dafür vom Unternehmen ausgewählt. Sie stammen aus Filialen von Schwedt bis nach Cottbus, aber auch von Berliner Standorten. In Hohenschönhausen sollen sie nun zeigen, dass sie Verantwortung übernehmen können. Quasi nebenbei machen sich die jungen Leute mit dem neuen Filialkonzept des Unternehmens vertraut. Der Standort in Hohenschönhausen ist bereits auf Zukunft getrimmt: Mehr Platz zwischen den Regalen, eine große Backstation und ein deutlich größeres Frischesortiment prägen das Bild der Filiale an der Gehrenseestraße.

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Und das funktioniert ganz gut, wie Sandra Preisig berichtet. Sie hat den Posten der stellvertretenden Filialleiterin übernommen und ist permanent im Markt unterwegs. Mit dabei ein schnurloses Telefon und ein kleines Gerät, mit dem sie Ware nachbestellt und Preise überprüft. Zwischendurch geht sie ins Büro, in dem sie neue Preisschilder ausdruckt oder schickt ihre Kollegen in die Pause. Wenn Not am Mann oder an der Frau ist, setzt sie sich auch schon mal an die Kasse oder verräumt die im Morgengrauen gelieferte Ware in die Regale. Für die Woche im Azubi-geführten Lidl-Markt ist Sandra Preisig von Lübbenau nach Berlin gezogen, wohnt wie viele ihrer Kollegen im Hotel. Auf ein Feierabendbier an der Hotelbar muss die junge Frau, die gerade ein spezielles Ausbildungsprogramm von LIDL zur Handelsfachwirtin durchläuft, verzichten. Denn ihr Arbeitstag beginnt bereits um 6 Uhr. Zwei Stunden bleiben Zeit, um die Filiale auf den bevorstehenden Tag vorzubereiten: Frisches Obst, Gemüse und Fleisch muss verräumt werden. Außerdem werden Backbleche mit Brot und Brötchen bestückt, die dann vor Ort in der neuen Backstation gebacken werden. „Eigentlich läuft alles bestens“, lautet Sandra Preisigs Resümee für den Vormittag. Zumal an diesem Tag auch die sogenannte Nonfood-Ware in die Regale geräumt wurde – das sind Sonderangebote wie Schreibwaren, Kleidung oder Bücher. Nur bei der Bestellung von 1,5-prozentiger H-Milch ist etwas schief gelaufen. Die kam mit der aktuellen Lieferung nicht mit, was prompt zu Nachfragen von Kunden führt. Charmant versucht Sandra Preisig einem Herren die 3,5-prozentige Variante oder die weniger lange haltbare Milch aus dem Frischeregal schmackhaft zu machen.

Sandra Preisig prüft die Haltbarkeit des Frischfleisches. Fehlt etwas im Regal, bestellt sie gleich nach.
Sandra Preisig prüft die Haltbarkeit des Frischfleisches. Fehlt etwas im Regal, bestellt sie gleich nach.

Philipp Bulinski ist mit dem, was „seine“ Azubis da machen, ganz zufrieden. Kleine Fehler wie die mit der Milch können passieren. Das gehört für den Ausbildungsleiter der Lidl Dienstleistung GmbH & Co. KG mit Sitz im brandenburgischen Freienbrink bei Grünheide dazu. Derzeit betreut die regionale Gesellschaft an die 50 Azubis in 74 Filialen. Für die Azubi-Filiale ausgewählt zu werden, sei schon etwas Besonderes, sagt Bulinski. Diese Ehre wird nicht jedem Auszubildenden zuteil. Immerhin muss es den jungen Leuten gelingen, das Tagesgeschäft zu meistern. „Sie sollen lernen, nach links und nach rechts zu schauen und auch ihre Scheuklappen ablegen“, sagt Bulinski.

Gute Chancen, von Lidl übernommen zu werden

Lidl gehört zu den größeren Ausbildungsbetrieben in der Region. Aktuell werden noch 20 junge Menschen für das demnächst beginnende Ausbildungsjahr gesucht. Das Ausbildungsangebot richtet sich sowohl an Schüler als auch an Studierende und Abiturienten. Neben einer klassischen Ausbildung können die jungen Leute auch ein Duales Studium antreten oder am Abiturientenprogramm teilnehmen. Letzteres führt zum Abschluss „Handelsfachwirt/in“ und befähigt den unternehmenseigenen Nachwuchs, Führungspositionen im Handel einzunehmen. Die Chancen, danach von Lidl übernommen zu werden, sind gut.

Sandra Preisig hat noch anderthalb Jahre vor sich. Danach darf sie sich – eine erfolgreiche Abschlussprüfung vorausgesetzt – Handelsfachwirtin nennen. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Filialleiterin. Ihr Interesse am Einzelhandel entdeckte sie schon während ihrer Ausbildung der Bäckereifachverkäuferin. Auf dem zweiten Bildungsweg holte sie ihr Abitur nach. Jetzt sammelt sie ihre praktischen Erfahrungen bei Lidl. „Der Job bietet jeden Tag etwas Neues“, sagt sie. „Und wenn man dann etwas geschafft hat, ist das ein gutes Gefühl.“

veröffentlicht am 4. Februar 2016

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Einzelhandel: Azubis übernehmen Lidl-Markt
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