Der Plan, neben dem Tierpark Berlin ein Freizeitbad zu errichten, ist noch nicht vom Tisch. Berlins Bäderchef Ole Bestend Hensing kann sich eine solche Einrichtung genauso gut vorstellen wie Tierpark-Direktor Dr. Andreas Knieriem. Unterdessen kündigt der Berliner SPD-Fraktions-Chef Raed Saleh an, dass der Tierpark in Friedrichsfelde neben einer bereits bewilligten Sonderzahlung von 5 Millionen Euro mit weiteren Landesmitteln rechnen kann. „Bei dieser Summe wird es nicht bleiben“, sagte Saleh Mittwochabend beim ersten Tierpark-Dialog, den seine Fraktion organisierte. Von Marcel Gäding.

Ole Bested Hensing, Raed Saleh, Andreas Knieriem und die Abgeordnete Karin Halsch beim Tierpark-Dialog der SPD-Fraktion. Foto: Marcel Gäding
Ole Bested Hensing, Raed Saleh, Andreas Knieriem und die Abgeordnete Karin Halsch beim Tierpark-Dialog der SPD-Fraktion. Foto: Marcel Gäding

FRIEDRICHSFELDE. Bis auf den letzten Platz ist der kleine Saal im Abacus-Hotel gefüllt. Die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus hat zum ersten Tierpark-Dialog geladen – um festzustellen, dass bei einer weiteren Veranstaltung ein viel größerer Raum vonnöten ist. Denn wenn es um die Zukunft des 1955 eröffneten Tierparks geht, ist das Interesse bei Anwohnern und Stammbesuchern groß. „Der Tierpark ist ein Juwel, eine Perle“, sagt Raed Saleh. Die einstige Diskussion, ob Berlin zwei zoologische Gärten vertragen kann, sieht er für beendet und verkündet „ein klares Ja zum Zoo“ in der City-West und „ein klares Ja zum Tierpark“. „Wir müssen die Potenziale, die wir haben, nutzen“, sagt Saleh.

Dass an diesem Abend Berlins Bäder-Chef Ole Bested Hensing neben ihm sitzt, ist kein Zufall – ganz im Gegenteil. Er wurde bewusst zu diesem Tierpark-Dialog eingeladen, bei dem es darum geht, die Anlage fit für die Zukunft zu machen. Ein Potenzial des Tierparks sind unter anderem seine Flächen. Von den 160 Hektar befänden sich 110 in Infrastruktur, sagt Tierpark-Direktor Dr. Andreas Knieriem – soll heißen: diese Flächen werden für Tiergehege, Wege, Spielplätze und Wirtschaftsgebäude genutzt. Der Rest hingegen, meist am Rande von Europas größtem Landschaftstiergarten gelegen, liegt brach. An diesem Abend gibt Hensing der Diskussion um die Ansiedlung eines Freizeitbades am Rande des Tierparks neue Nahrung. „Der Standort ist für uns interessant“, sagt Hensing. Um auf dem Gelände des Berliner Tierparks ein kombiniertes Freizeitbad zu errichten, wären Investitionen von bis zu 100 Millionen Euro notwendig. An die vier Hektar Platz würden bebaut. Hensing spricht von einem gemeinsamen Freizeitwert und davon, dass man Tierpark und Bad gut zusammen vermarkten kann. „Europaweit wäre ein solches Projekt einzigartig“, sagt Hensing, einst Chef des Spaßbades Tropical Island in Brandenburg. Tierpark-Direktor Knieriem hat „kein Problem, dass Schwimmbadbesucher einen famosen Blick auf den Tierpark haben werden“. Ein indirektes Ja zum Freizeitbad. Viele der 120 Zuhörer sehen das anders, bezeichnen solche Pläne als Quatsch und unnötig.

Zukunftskonzept für den Tierpark Berlin in der Schublade

Knieriem ist seit zehn Monaten Chef von Zoo, Aquarium und Tierpark. Er muss die drei Einrichtungen auf Kurs bringen. In der Schublade liegt bereits ein Konzept, dem Vernehmen nach an die 180 Seiten stark. Klar ist, dass Knieriem einen geographischen Zoo bevorzugt: Die Tiere werden entsprechend ihrer Herkunft untergebracht. Das Alfred-Brehm-Haus soll eine Art Dschungel werden. „Alfred Brehm steht schließlich für die Vielfalt des Lebens“, sagt Knieriem. Noch aber hält er sich mit Details zu seinem Papier zurück, will erst intern weitere Gespräche führen. Auch hält er noch nichts von einer groß angelegten Werbung für den Tierpark. „Es macht keinen Sinne, eine Werbekampagne zu fahren, wenn das Produkt noch nicht passt“, sagt er. „Ich kämpfe dafür, dass der Tierpark modernisiert wird“, erklärt Knieriem entschlossen. Viele Anlagen seien marode und veraltet, die Unterbringung der Tiere nicht mehr zeitgemäß. Aber: „Wir brauchen da viel Geld.“ Er bittet die Zuhörer um Geduld, kündigt selbstbewusst an: „In 20 Jahren wird der Tierpark Berlin zu den modernsten Zoos in Europa zählen.“ Quasi nebenher schlägt er sich mit den Altlasten seines Vorgängers Dr. Bernhard Blaszkiewitz herum, dazu gehört ein großer Berg Bauschutt auf einem Teil des Tierpark-Geländes.

Der Bezirksbürgermeister von Marzahn-Hellersdorf, Stefan Komoß (SPD), ist nach wie vor angetan von einem Freizeitbad auf dem Tierpark-Areal, von dem die Ostbezirke gleichermaßen profitieren. Er fordert Knieriem und Hensing auf, sich zusammenzusetzen und an einem Konzept zu arbeiten. Komoß sieht angesichts von Überschüssen aus dem Landeshaushalt gut Chancen für das Projekt. Mehr als 400 Millionen Euro kamen im vergangenen Jahr zusammen. Geld, das berlinweit in verschiedene Projekte fließen soll.

Ganz losgelöst von der Frage des Freizeitbades sind banale Dinge, um den Tierpark voranzubringen. Der SPD-Abgeordnete Ole Kreins plädiert dafür, den Tierpark besser zu bewerben, auch über die touristische Schiene. Auch interessiere ihn, „wie wir es schaffen, den Tierpark als Bildungseinrichtung zu nutzen“. Knieriem hingegen kündigt an, dass daran gedacht ist, die Kinderplantsche wieder zu eröffnen. Damit hätte der Tierpark zumindest ein kleines Freizeitbad.

veröffentlicht am 12. März 2015

Bekommt der Tierpark Berlin ein Freizeitbad?
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