Die Treskowallee in Karlshorst wird noch mindestens dreieinhalb Jahre ein Ärgernis für Autofahrer darstellen. Zwar sind die Um- und Ausbauarbeiten am Bahnhof Karlshorst inzwischen weitestgehend abgeschlossen. Doch die dringend erforderliche Verbreiterung der unter der Bahnbrücke verlaufenden Treskowallee wird frühestens Mitte 2018 umgesetzt sein. Das sagte Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) am Dienstagabend auf einer Bürgerversammlung, zu der der Bürgerverein Karlshorst eingeladen hatte. Von Marcel Gäding.

Noch hält die Straßenbahn weit vor dem Bahnhof. Das soll sich ändern. Foto: Marcel Gäding
Noch hält die Straßenbahn weit vor dem Bahnhof. Das soll sich ändern. Foto: Marcel Gäding

KARLSHORST. Bis auf den letzten Platz ist jeder Stuhl besetzt, wer zu spät kommt, muss stehen: Weit mehr als 200 Menschen folgten am Dienstabend der Einladung des Bürgervereins Karlshorst. Im Mittelpunkt der Diskussionsveranstaltung im Kulturhaus Karlshorst stand die Frage, wie es nach dem Um- und Ausbau des Bahnhofs Karlshorst weitergeht und wann die zweispurige Treskowallee unter der Bahnbrücke auf vier Fahrbahnen erweitert wird. Denn die in die Jahre gekommene, wichtige Verbindungsstraße zwischen der City Ost und dem Berliner Südosten muss dringend saniert werden. Und nicht nur das. Die Berliner Verkehrsbetriebe wollen unter der Brücke Haltestellen für die Straßenbahnen bauen. Gleichzeitig planen die Berliner Wasserbetriebe, die teils aus der Zeit der Jahrhundertwende stammenden Wasserleitungen zu sanieren. Doch die BVG hat keine fertigen Pläne im Kasten, von den Berliner Wasserbetrieben ganz zu schweigen. Es scheint, als fehle es an Abstimmung. Das Nachsehen haben Autofahrer und Anwohner. Tagsüber fließt der Verkehr auf der Treskowallee unterhalb der Brücke nur zähflüssig.

Entsprechend groß ist der Ärger bei den Anwohnern und Lokalpolitikern. Ärger, den an diesem Abend Christian Gaebler zu spüren bekommt. Allzu lange hatte die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr gezögert und die Dinge so laufen lassen wie sie liefen. Dabei ist die Erweiterung der Treskowallee seit Jahren im Gespräch. „Aus meiner Sicht ist das Ergebnis sehr mager“, sagt André Nowak, der Leiter des Runden Tisches Bahn beim Bürgerverein Karlshorst, mit einer ordentlichen Portion Diplomatie. Verkehrsstaatssekretär Gaebler weist darauf hin, dass man im Bestand arbeite. „Eine optimale Lösung gibt es in diesem Fall nicht.“ Und so versucht Gaebler wenigstens eine gute Nachricht unter die Leute zu bringen. Statt der lange geplanten Fertigstellung im Jahre 2020 wird alles „schon“ Mitte 2018 fertig. Der Haken: Die Berliner Verkehrsbetriebe müssten dafür endlich mal mit einem sogenannten Planfeststellungsverfahren beginnen – ein bürokratisches Prozedere, das sich über Jahre hinziehen kann. Die Berliner Wasserbetriebe haben deshalb noch keinen Handschlag gemacht. Solange sie nicht wissen, was die Verkehrsbetriebe konkret vorhaben, geben sie für ihre Planungen kein Geld aus. Am Ende müssten sie womöglich teuer umplanen. Immerhin versichert Gaebler, dass die Senatsverwaltung den Wasserbetrieben dieses Risiko abnimmt und eine Art Bürgschaft in Aussicht stellt, damit es nun endlich losgehen kann. Als Aufsichtsratsmitglied beider landeseigener Unternehmen sichere er den Anwohnern zudem auch zu, „dass ich mich persönlich darum kümmern werde, dass es beide Unternehmen ernst meinen“.

Ausgerechnet Harald Wolf von der oppositionellen Linkspartei hatte Dienstagabend einen Ratschlag im Gepäck, mit dem sich Christian Gaebler am Ende durchaus anfreunden kann. Wolf schlägt vor, eine Art Steuerungsgruppe einzurichten, in der neben Bezirk und Senatsverwaltung auch BVG, Bahn und Wasserbetriebe mitarbeiten. „Diese Idee greife ich gerne auf“, sagte Gaebler.

Unterdessen ist noch nicht klar, wie die BVG ihre Haltestellen künftig unter der S-Bahnbrücke anordnen wird. Die Treskowallee ist auch nach der Installation einer neuen Brücke viel zu schmal. Vier Meter, um es genau zu sagen. Zumindest hat das der angesehene Bauingenieur Axel Rackow ausgerechnet. Von dem Planer stammen unter anderem die Konzepte für den Übergang von der Straßenbahn zum U-Bahnhof Tierpark. Auch in Karlshorst sollen die Straßenbahnfahrgäste kurze Wege zur S-Bahn haben. Allerdings muss neben den vier Fahrspuren für die Autos auch noch Platz für Radfahrer und Fußgänger sein.

Die Skepsis der Anwohner bleibt. „Wir reden über Termine und wissen noch nicht einmal, wo die Straßenbahn langläuft“, erklärt Walter Fauck von den Karlshorster Geschichtsfreunden. Und auch Lichtenbergs Baustadtrat Wilfried Nünthel (CDU) hat so seine Zweifel, dass nun endlich alles nach Plan läuft. „Als ich 2011 in mein Amt kam, war die Rede davon, dass alles 2016 fertig sein soll“, sagt Nünthel. Bei den Zuhörern fehlt es auch an Glauben. Schnell macht der Vergleich mit dem immer noch nicht fertig gestellten Großflughafen die Runde.

veröffentlicht am 11. November 2014

Treskowallee: Neue Bahnbrücke, alte Probleme