Warten auf die Gäste: Im Strandbad Orankesee in Hohenschönhausen ist alles für die nächsten warmen Tage vorbereitet. Brian und Alexandra Barnewski rechnen mit einem Ansturm.
Warten auf die Gäste: Im Strandbad Orankesee in Hohenschönhausen ist alles für die nächsten warmen Tage vorbereitet. Brian und Alexandra Barnewski rechnen mit einem Ansturm.

Das Strandbad am Orankesee ist das einzige Freibad in Lichtenberg. Wenn am Wochenende wegen des erwarteten Sommerwetters die Gäste scharenweise nach Hohenschönhausen kommen, sind die Betreiber gut gerüstet.

HOHENSCHÖNHAUSEN. Einmal am Tag werfen Alexandra und Brian Barnewski einen Blick auf den Wetterbericht des RBB. Er entscheidet, wie der nächste Arbeitstag wird. Denn Barnewskis sind vom Wetter abhängig, und das für mindestens fünf Monate im Jahr. Alexandra Barnewski ist die Pächterin des Strandbades am Orankesee, ihr Sohn Brian ihr engster Mitarbeiter. Gemeinsam mit einer Handvoll Angestellter sorgen sie für einen reibungslosen Badebetrieb in Lichtenbergs einzigem Freibad. „Das Wetter im RBB hat sich für uns als sehr zuverlässig erwiesen“, sagt Brian Barnewski. Die Vorhersagen treten meist ein.

Ginge es nach Familie Barnewski, dann würde der Wetterbericht des RBB derzeit für jeden Tag 30 Grad Celsius und strahlenden Sonnenschein vorhersagen. Denn die Zeit zwischen Mai und September ist die Saison, in der sie Geld verdienen. Den Rest des Jahres gibt es hier und da mal einen Fremdmieter, aber in der Regel ist diese Zeit frei von Einnahmen. Barnewskis und ihre Mitarbeiter sind Allrounder: Mal sitzen sie an der Kasse, mal mähen sie den Rasen, mal reparieren sie einen Strandkorb. Das Bad kennen sie seit 1993. Damals übernahm die Gastronomenfamilie zunächst den Imbiss. 2002 suchten die Berliner Bäder-Betriebe einen Pächter fürs Bad. Barnewskis zögerten keine Sekunde und bewarben sich. Seither haben sie einiges in das Freibad im Herzen von Alt-Hohenschönhausen investiert: Neue Toiletten, frische Farbe und ein komplett rundumerneuerter Spielplatz. Jedes Jahr kommt frischer Ostseesand dazu, was dem Bad eine besondere Note gibt.

An sonnigen Tagen zieht es einige Tausend Badegäste zum Orankesee. Sind die 3.000 voll, wird niemand mehr hineingelassen.  „Dann ist kein Platz mehr am Strand und auf der Liegewiese“, sagt Alexandra Barnewski. Aber: Es kommt nur alle paar Jahre mal vor. Wenn es mehrere Tage hintereinander heiß ist, steigen die Temperaturen im Wasser auf maximal 23 Grad. Wegen des fehlenden natürlichen Wasserzugangs muss über eine Pumpe Wasser in den Oranksee gelassen werden. Dadurch bleibt es immer schön frisch in dem Gewässer.

Das Strandbad am Orankesee versteht sich als Familienbad – und das in zweierlei Hinsicht. Zum einen, weil es gerne von Familien mit Kind und Kegel besucht wird. Zum anderen, weil Barnewskis ihr Team wie eine Familie zusammenhalten. Vor dem großen Ansturm wird morgens in aller Ruhe gemeinsam gefrühstückt. Danach geht jeder an seine Arbeit. Wenn um 9 Uhr das Tor geöffnet wird, stehen schon die ersten Badegäste auf der Matte.

Ist das Bad richtig voll, sitzt die Chefin auch schon mal selbst an der Kasse. Konflikte wie in anderen Berlinern Freibädern gehören am Orankesee zur Ausnahme: Streit unter den Badegästen gibt es selten. Wer hierher kommt und die Ruhe inmitten der Großstadt genießt, ist in friedlicher und erholungsuchender Absicht hier. Ärgerlich ist nur, wenn auf der anderen frei zugänglichen Seite des Orankesees die Leute ins Wasser springen – und die gerade bepflanzte Uferzone heruntertrampeln.

Zu tun gibt es reichlich im Strandbad während der Saison. Während die Rettungsschwimmer ein wachsames Auge auf das Geschehen im und am Wasser haben, kümmert sich der Rest der Crew um die Grünanlagen, sorgt für saubere Toiletten, erledigt die Müllentsorgung, die Warenbestellung und organisiert den Strandkorbverleih. Gut 15 Frauen und Männer gehören zur Stamm-Mannschaft, wobei immer wieder Personal gesucht wird. Aktuell halten Barnewskis Ausschau nach Rettungsschwimmern.

Gut 16 Stunden lang ist derzeit der Arbeitstag der Barnewskis. An Urlaub ist in dieser Zeit gar nicht zu denken, auch an ein erfrischendes Bad im klaren, rund 21 Grad Celsius kalten Wasser nicht. „Es gibt Sommer, da waren wir nicht ein einziges Mal im Wasser“, erinnert sich Brian Barnewski. „Dafür fahren wir dann schon mal im Winter zum Baden in warme Länder.“

veröffentlicht am 2. Juli 2014; Autor: Marcel Gäding

 

Strandbad Orankesee mit wechselvoller Geschichte

Theaterdirektor und Badbetreiber: Die Geschichte des Strandbades am Orankesee geht zurück auf Wilhelm Heinrich (1895-1980), den alle nur Heiden-Heinrich nannten. Heinrich war Theaterdirektor der Stadthalle Weißensee, Gastwirt der Terrassen am Orankesee (dem heutigen Biergarten) sowie Bauherr und Pächter des Strandbades Orankesee. Das Bad entstand 1929 und wurde von Heinrich bis 1944 betrieben. Heinrich war eine lokale Größe, der nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Bayern übersiedelte.

Badestelle mit Konzept: Heiden-Heinrich erhielt 1929 den Zuschlag für den Wiederaufbau des Wirtshauses und baute zudem das Strandbad am Orankesee. Der Sand für den Strand stammte aus den Baugruben der Hochhäuser am Alexanderplatz und war so weiß, dass viele ihn für feinen Ostseesand hielten. Die Presse betitelte den Orankesee schnell als „Wannsee des Ostens“. Bereits am 23. Juli 1929 vermeldete man einen Rekord: An einem einzigen Tag kamen 12.000 Menschen zum Orankesee. Strandbad und Wirtshaus stellten beliebte Postkartenmotive dar.

Strandbad nach dem Krieg: Das Strandbad wurde in der Nacht vom 2. auf den 3. Januar 1944 in Folge eines Bombenangriffes total zerstört. Nach kurzem Wiederaufbau fielen wieder Bomben auf den Orankesee. Nach dem Krieg war der Orankesee Teil einer von den Sowjets eingerichteten Sperrzone und bis 1957 zunächst Offizieren vorbehalten. Zu DDR-Zeiten wurde es wieder für die Öffentlichkeit hergerichtet. Nach der Wende übernahmen die Berliner Bäder-Betriebe die Anlage. Sie verpachteten diese 2002 an Familie Barnewski.

(Quelle: Ruben, Bärbel – Der Theaterdirektor von Weißensee, 1996)

Eintritt und Öffnungszeiten: Das Bad ist täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet und befindet sich in der Gertrudstraße 7. Eintritt kostet für Erwachsene 4,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro.

Strandbad Orankesee gerüstet für die heißen Tage
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