Die Künstlerin Lorén Scholz betreibt einen kleinen Laden im Kaskelkiez im Berliner Bezirk Lichtenberg. „Lorelei“ ist eine Mischung aus Trödelladen  und Keramikwerkstatt. Gearbeitet wird gern nach Kundenwunsch.
Die Künstlerin Lorén Scholz betreibt einen kleinen Laden im Kaskelkiez im Berliner Bezirk Lichtenberg. „Lorelei“ ist eine Mischung aus Trödelladen
und Keramikwerkstatt. Gearbeitet wird gern nach Kundenwunsch.

Lorén Scholz betreibt einen kleinen Laden im Kaskelkiez in Berlin-Lichtenberg. „Lorelei“ ist eine Mischung aus Trödelladen und Keramikwerkstatt. Gearbeitet wird gern nach Kundenwunsch.

Das Zebra ist gut verpackt. Lorén Scholz hat die noch feuchte Tonfigur eingewickelt. Es wird drei, vier Tage dauern, bis sie das Huftier so weit modelliert hat, dass es austrocknen und in den Ofen kann. Katzenfiguren hat sie schon viele gemacht, Teller und Tassen. Und nun ein Zebra. Ihr war einfach mal danach, sagt Lorén Scholz. Und wenn sie Glück hat, findet sie für ihre neueste Kreation schnell einen Käufer. Manchmal vergehen aber auch Wochen, bis ein Liebhaber auf die Werke der Keramikerin aufmerksam wird. So genau weiß man das vorher eigentlich nie. Verlass ist nur auf die Weihnachtszeit. Dann kommt die Lichtenberger Künstlerin mit Mecklenburger Wurzeln nicht mehr hinterher. „Meine Keramik­engel sind der Renner.“

„Lorelei“ heißt der kleine Laden von Lorén Scholz in der Kaskelstraße. Auf den Namen kam eine Freundin, die Schriftstellerin ist und ihr zur Eröffnung sagte: „Du, Lorén, ich habe einen Namen für deinen Laden.“ Und das Wortspiel passt zu dem Geschäft, das mal eine Kiezbäckerei gewesen sein soll. Ein kleiner Laden, nicht größer als ein Wohnzimmer. Links hinten steht ein alter Küchenschrank aus der Jahrhundertwende, rechts ein Sekretär, dazwischen alte Schränke und Nähmaschinentische. Klamotten, Puppen, Besteck und Porzellan warten hier auf neue Besitzer. An den Wänden hängen Bilder mit Motiven von Reet gedeckten Häusern. Sie stammen von Hannes Warscycek, einem befreundeten Maler und „wunderbaren Lehrer“, sagt Scholz. Überall hat Lorén Scholz auch Keramikfliesen platziert, Katzenfiguren, Tassen, Teller und Teekannen. Vieles davon stammt aus ihren Händen. Dass sie ihre Werke und den schönen Trödel in einem Raum zum Verkauf anbietet, hat pragmatische Gründe. Nur von der Keramik könnte sie nicht leben. So betreibt sie den Laden und trödelt am Wochenende auf dem Kunstmarkt an der Museumsinsel.

Lorén Scholz hat das Talent für Schönes aus Ton von ihrem Vater. Lothar Scholz sei ihr Vorbild, sagt die stolze Tochter. Eigentlich hat sie mal technische Bauzeichnerin gelernt. In Sachen Keramik ist sie Autodidaktin. Viel hat sie vom Vater übernommen, der eigenen Angaben zufolge an mehr als 600 Bauwerken in der DDR künstlerische Spuren hinterlassen hat. Er entwarf die Wände und Fassaden von Hotels, Gaststätten, Schulen, Kindergärten oder Kliniken. „Vieles ist nach der Gebäudesanierung verschwunden“, sagt Lorén Scholz. Doch hier und da sind noch Spuren zu finden: Das Fliesenwandbild in der Schwimmhalle am Anton-Saefkow-Platz beispielsweise existiert noch. Oft half Lorén Scholz ihrem Vater bei der Umsetzung seiner Wandbildentwürfe.

Während Vater Scholz auf dem Familienanwesen im mecklenburgischen Boizenburg arbeitet und lebt, betreibt Lorén Scholz seit 2006 ihren kleinen Laden mit angeschlossener Werkstatt im Lichtenberger Kaskelkiez. Hin und wieder kommt mal ein größerer Auftrag herein. Vor Kurzem war sie für den Besitzer eines Schlosses im Brandenburgischen tätig, der nach und nach das Anwesen sanieren lässt. Für das herrschaftliche Bad ließ er sich die Fliesen nach alter Handwerkskunst von Lorén Scholz anfertigen. Wer es nicht weiß, würde tatsächlich Originale aus der Zeit des 19. Jahrhunderts vermuten. Gut 15 Quadratmeter groß war die zu gestaltende Fläche – jede der 750 Fliesen ist ein Unikat und aufwendig hergestellt. Zweimal wurden sie gebrannt und glasiert.

Bei der Gestaltung der Fliesen oder von ausgefallenem Kaffeegeschirr sind keine Grenzen gesetzt. Scholz mag das Natürliche, das Florale. Für einen Kunden schuf sie unlängst Teller und Tassen mit erotischen Motiven. Die Keramikerin hat aber auch Gefallen daran, die Jugendstilmuster alter Fliesen als Vorlage zu nehmen und daraus kleine Serien herzustellen. Vorbilder dafür findet sie zuweilen in alten Berliner Hausfluren. Dort existieren teilweise noch aus der Jahrhundertwende mit Fliesen gestaltete Wände. Heute leistet sich kaum ein Bauherr diese Art von Wandgestaltung, denn die hat ihren Preis.

veröffentlicht am 1. Juli 2014, Autor: Marcel Gäding

Schöne Keramik und alter Trödel im Kaskelkiez
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