Doppelt so viele Besucher, mehr naturnahe Lebensräume für die Tiere und fußläufige Spielplätze: Das sind die ersten konkreten Vorstellungen von Dr. Andreas Knieriem für den Tierpark Berlin. Bis Ende des Jahres sollen sie in einen Ziel- und Entwicklungsplan eingearbeitet sein, wie der neue Direktor von Zoo und Tierpark ankündigte.
Doppelt so viele Besucher, mehr naturnahe Lebensräume für die Tiere und fußläufige Spielplätze: Das sind die ersten konkreten Vorstellungen von Dr. Andreas Knieriem für den Tierpark Berlin. Bis Ende des Jahres sollen sie in einen Ziel- und Entwicklungsplan eingearbeitet sein, wie der neue Direktor von Zoo und Tierpark ankündigte.

Doppelt so viele Besucher, mehr naturnahe Lebensräume für die Tiere und fußläufige Spielplätze: Das sind die ersten konkreten Vorstellungen von Dr. Andreas Knieriem für den Tierpark Berlin. Bis Ende des Jahres sollen sie in einen Ziel- und Entwicklungsplan eingearbeitet sein, wie der neue Direktor von Zoo und Tierpark ankündigte. Noch bevor das Papier erstellt ist, sollen Tierpark-Besucher aber erste Veränderungen wahrnehmen. So setzt sich Knieriem für den Bau neuer Kinderspielplätze auf dem 160 Hektar großen Areal in Friedrichsfelde ein.

Am Dienstagabend hatte Knieriem vor rund 100 Gästen einen spannenden Vortrag auf Schloss Friedrichsfelde darüber gehalten, was er mit dem Tierpark Berlin vorhat. Eingeladen hatte das Kommunalpolitische Bildungswerk Berlin (KBB). Natürlich sei in den vergangenen 20 Jahren viel im Tierpark Berlin passiert, räumte Knieriem ein. So entstanden viele neue Tierhäuser. „Diese seien zwar funktional, aber nicht schön.“ Ohne dem Ziel- und Entwicklungsplan viel vorwegzunehmen, lieferte Knieriem schon mal einen Vorgeschmack auf seine Präferenzen. „Im Tierpark Berlin sind wir in der Lage, Natur zu zeigen“, sagt Knieriem. In diesem Zusammenhang erinnerte an den Zoo in Hannover, wo es ihm gelang, naturnahe Lebensräume von Tieren zu schaffen.

Während der Zoologische Garten in der Berliner City West weiterhin ein sogenannter systematischer Zoo in einer historischen Architektur sein soll, stellt er sich für den Tierpark Berlin in Friedrichsfelde einen Geo-Zoo vor. „Ich träume davon, dass der Besucher eine Reise durch die Kontinente macht“, sagte der Tierarzt. „Hier funktioniert das gut, hier haben wir Platz.“ Er stellt sich einen naturnahen Tierpark vor, dessen Besuch zu einem Erlebnis  werden soll und an den sich die Besucher gerne erinnern. Nach gutem und besten Wissen und Gewissen sollen die Tiere gehalten werden. Auch der Fachbesucher soll auf seine Kosten kommen. So wünscht sich Knieriem, dass das am Rande des Tierparks gelegene, renommierte Institut für Zoo- und Wildtierforschung kein Schattendasein mehr führt. Es soll in die Anlage einbezogen werden.

Einnahmen des Tierparks decken bei weiten nicht die Ausgaben

Dr. Andreas Knieriem setzt im Tierpark Berlin vor allem auf die Berliner aus der ganzen Stadt.
Dr. Andreas Knieriem setzt im Tierpark Berlin vor allem auf die Berliner aus der ganzen Stadt.

Bevor zum Jahresende die Pläne für Zoo und Tierpark konkreter werden, geht es an die Bestandsaufnahme. Derzeit beschäftigt sich das Team von Andreas Knieriem mit der Bestandsaufnahme und digitalisiert den Tierpark. Unter anderem müssen die Eckdaten aller 270 vorhandenen Gebäude sowie die Wegeverbindungen erfasst werden. Parallel dazu stellt sich der Direktor eine neue Mannschaft zusammen – und holt unter anderem eine neue Marketing-Chefin nach Berlin. Dass dringend etwas passieren muss, zeigt ein Blick auf die Zahlen: So reichten die Einnahmen längst nicht mehr aus, um die Ausgaben zu decken. So erzielt der Tierpark derzeit 4,2 Millionen Euro über den Verkauf von Tagestickets. Andererseits gibt er allein für die Gasversorgung 1,7 Millionen Euro und für Personalkosten fast acht Millionen Euro aus. „Das Eigenkapital des Tierparks ist in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft“, erklärte Knieriem ohne ein Wort über seinen Vorgänger Bernhard Blaszkiewitz zu verlieren. Dessen Vertrag war nicht mehr verlängert worden – unter anderem auch wegen der Zustände in beiden zoologischen Einrichtungen Berlins. Hinzu produzierte Knieriems Vorgänger so viele Negativschlagzeilen wie kein anderer Zoo-Chef Deutschlands.

Hielt einen zweistündigen Vortrag auf Einladung des Kommunalpolitischen Bildungswerks Berlin: Dr. Andreas Knieriem auf Schloss Friedrichsfelde.
Hielt einen zweistündigen Vortrag auf Einladung des Kommunalpolitischen Bildungswerks Berlin: Dr. Andreas Knieriem auf Schloss Friedrichsfelde.

Knieriems Ziel ist es, die Besucher für Natur und Tiere zu faszinieren und sie zu begeistern. Die Frage stehe also im Raum, wie man Natur so vermitteln kann, dass die Zahl der Besucher steigt. Immerhin hat er sich als Marke gesetzt, doppelt so viele Menschen in den Tierpark Berlin zu locken und die Zahl der Jahreskartenbesitzer zu erhöhen. Dass dies gelingt, bewies Knieriem zuletzt im Münchener Tierpark Hellabrunn. Dort konnte er zehnmal so viele Jahreskartenbesitzer vermelden, nachdem auch dort ein neues Konzept umgesetzt wurde. Natürlich werde es mehr als drei bis vier Jahre dauern, bis im Tierpark Berlin deutlich etwas zu spüren ist. Aber immerhin hat Knieriem die Politik ein erstes Mal auf seine Seite geholt: Für das laufende Jahr gab das Abgeordnetenhaus einen zusätzlichen Zuschuss in Höhe von fünf Millionen Euro frei. Knieriem glaubt fest daran, dass sowohl Zoo als auch Tierpark eine Zukunft haben. „Berlin hat mit 5,5 Millionen Bewohnern in der Metropolenregion und 30 Millionen Übernachtungen im touristischen Bereich Potenzial“, sagte er. Immerhin verfüge die Stadt über den großen Zootierbestand der Welt.

Dass Knieriem faszinieren kann, zeigte er zumindest Dienstagabend. Bis zum Schluss folgten die Zuhörer – darunter viele Stammbesucher des Tierparks – den Ausführungen des Direktors. „Von vorn konnte ich gut sehen, dass im Publikum keine Langeweile aufkam“, sagte Abgeordnetenhausmitglied Danny Freymark (CDU), der durch den Abend führte.

veröffentlicht am 25. Juni 2014; Autor: Marcel Gäding

Tierpark Berlin soll ein Zoo der Kontinente werden
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