Die Betreiber des S-Bahn-Museums in Potsdam-Griebnitzsee brauchen dringend mehr Platz für ihre Exponate.
Die Betreiber des S-Bahn-Museums in Potsdam-Griebnitzsee brauchen dringend mehr Platz für ihre Exponate.

Die Betreiber des S-Bahn-Museums in Potsdam-Griebnitzsee brauchen dringend mehr Platz für ihre Exponate.  Sie suchen einen neuen Standort. Lichtenberg hat gute Karten – und mit der Stadt Erkner eine Mitbewerberin.

Seine Vergangenheit ist nicht einfach zu erahnen. Man darf sich nicht von all dem Grün täuschen lassen, von den Häuschen mit den skurrilen Namen oder von den abstrakten Skulpturen. Man muss schon Detektiv spielen, um die wenigen Spuren zu finden, die etwas über die frühere Nutzung verraten. Etwa das Rot der Klinkerhäuser, die verdächtige runde Fläche und die eingerosteten Gleise, die nur zögerlich aus dem Gras hervorlugen. Und dann hat man es raus: Der Ort hier ist das Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerks Lichtenberg Ost, auch BLO genannt.

Rund 30 Kilometer davon entfernt, in der Nähe vom S-Bahnhof Griebnitzsee in Potsdam, steht ein Mann, dem das BLO die Erfüllung seines Traums bedeuten könnte. Es ist Sonntagnachmittag im S-Bahn-Museum. Geschäftsführer Udo Dittfurth ist vor Ort. Mit schwungvollen Schritten geht er von einem Besucher zum anderen, zeigt der jungen Frau die S-Bahn-Pläne, lässt einen Jungen den Kartenautomaten bedienen und berichtet von den konfliktreichen 1980er-Jahren der S-Bahn. Seine Worte erwecken den Ausstellungsraum zum Leben. Ehrfürchtig betrachtet man die Ortsschilder mit den Granatlöchern. Die Hebelbank, der Frühstückstisch, der Eisenbahnkalender ­– sie alle erzählen seit 1997 Geschichte. Nach einem historischen Zug sucht man jedoch vergebens.

Es gebe hier keinen Platz für Fahrzeuge, bedauert Udo Dittfurth. Überhaupt zeige das Museum nur einen Bruchteil von dem, was die S-Bahn an Historie zu bieten habe. Von einer größeren Aufmachung träumt Dittfurth schon lange. Er will ein allumfassendes, international anerkanntes S-Bahn-Museum. Er will die Geschichte Deutschlands über die S-Bahn erzählen. „Die S-Bahn ist das Medium, um den Alltag der Deutschen Teilung zu verstehen. Und es gibt historische Fahrzeuge, die Technik- und Designgeschichte, den Fahrzeugbau in Deutschland repräsentieren.“

Dafür wäre der Raum in Potsdam zu klein. Schon lange wird diskutiert, wie und wo die Dittfurth-Vision realisiert werden kann. Die CDU-Fraktion Lichtenberg schlägt das ehemalige Bahnbetriebswerk Lichtenberg vor. Das BLO.„Mit dem Museum würde der Ort einen Magnet mit großer touristischer, wirtschaftlicher und imagebildender Kraft dazugewinnen“, heißt es in einer Pressemitteilung. 

Auch Dittfurth ist von dem BLO-Gelände begeistert. Durch die Fabriken, Mietskasernen und Gleise habe der Ort eine besondere Bahn-Atmosphäre. Als Stadtplaner weiß er jedoch, dass ein Standortwechsel dieser Größe mit viel Aufwand und Geld verbunden ist. Das sei der Grund, warum die Deutsche Bahn AG noch zögere, so Dittfurths Eindruck. Auch vom Land Berlin erhofft sich Udo Dittfurth mehr Engagement. „Das Land Berlin setzt sehr stark auf schöne Künste. Aber um die Alltagskultur wie die S-Bahn kümmert sich das Land Berlin noch zu wenig.“

Derzeit wird das Gelände von den BLO-Ateliers, einer Künstlergemeinschaft von rund 90 Künstlern, genutzt. Bis vor kurzem war ungewiss, ob der auslaufende Mietvertrag mit der Deutschen Bahn AG verlängert werden soll. Nun steht fest: Die BLO-Ateliers können weitere zehn Jahre bleiben. Karola Vogel, Pressesprecherin der BLO-Ateliers, hat von dem Vorschlag mit dem S-Bahn-Museum gehört. „Gedanklich haben wir uns noch nicht damit auseinander gesetzt.“ Dann fügt sie hinzu: „Wobei, den Lokschuppen nutzen wir gar nicht.“

Der Lokschuppen ist das größte Gebäude. Davor liegt das Rondell, auf dem früher die Züge in sonnenähnlicher Form aufgestellt wurden. Ein perfekter Ort für das Museum. Mit der Zeit ist der Lokschuppen jedoch baufällig geworden. Die Sanierungsarbeiten wären mit großem Aufwand verbunden. Ob es die Künstler stören könnte? „Den Lärm sind wir zum Teil gewohnt“, sagt Karola Vogel und meint damit die vorbeifahrenden Züge neben dem Gelände. Hat sie auch bedacht, dass Bauarbeiten um einiges lauter wären? Auch die erhöhte Touristenattraktivität, mit der die CDU-Fraktion wirbt, würde nicht so leicht einhergehen mit dem Konzept der BLO-Ateliers. Das sieht nämlich vor, einen ruhigen Arbeitsort für die Künstler zu schaffen. Udo Dittfurth vom S-Bahn-Museum bleibt optimistisch. „Wir möchten an diesem Ort Technik und Kultur verbinden.“

Eine Alternative wäre Erkner, Endhaltestelle der Linie S3. Dort werden im Moment die historischen Züge vom Verein Historische S-Bahn gelagert. „Erkner wäre die pragmatische Lösung. Lichtenberg ist das authentische Berlin. Da, wo die S-Bahn hingehört“, erklärt Dittfurth.

veröffentlicht am 24. Juni 2014, Autorin: Thuy Anh Nguyen

Platzmangel: S-Bahn-Museum will nach Lichtenberg
Markiert in: