BZJ_05_2014_ADFC
Hans-Joachim Legeler und Roy Sandmann vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) bezeichnen Lichtenberg als Bezirk in vielerlei Hinsicht als nicht sehr fahrradfreundlich.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) bezeichnet Lichtenberg als Bezirk  in vielerlei Hinsicht als nicht sehr fahrradfreundlich. Es gibt viel zu tun, damit die Fahrt auf dem Rad sicher und ohne Unterbrechung gelingt. Teil 2 unserer Serie „Radfahren in Lichtenberg“.

Wer nicht jeden Tag wie Roy Sandmann und Hajo Legeler seine Wege mit dem Fahrrad zurücklegt, dem fällt das womöglich gar nicht auf: Der Bezirk im Osten der Stadt belegt einen der letzten Plätze in Sachen Fahrradfreundlichkeit. „Allein die Verbindung zwischen den Altbezirken Lichtenberg und Hohenschönhausen ist mies“, sagt Legeler. Sandmann und Legeler müssen wissen, wovon sie sprechen. Sie engagieren sich in der Stadtteilgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, kurz ADFC. Zehn Aktive hat die ADFC-Stadtteilgruppe von Lichtenberg, gut 600 Mitglieder zählt der Verein im Bezirk.

Ein Auto haben die beiden ADFC-Mitglieder nicht. „Das braucht man in Berlin auch nicht“, sagt Sandmann. Alle Wege erledigen sie mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Die beiden Radprofis legen schon mal an die 180 Kilometer in der Woche zurück. „Das hält gesund und ist gut für die Umwelt“, sagt Legeler. Täglich bekommen beide daher auch zu spüren, wie gut oder schlecht der Bezirk Lichtenberg in Sachen Radfahren dasteht. Und das Urteil ist vernichtend. „Man versucht, viele Radwege zu bauen, aber möglichst ohne die Autofahrer dabei zu stören“, sagt Hajo Legeler. Hinzu käme das Kompetenzgerangel zwischen Bezirk und Senat. Letzterer hat bei den großen Hauptstraßen das Sagen und baut dort wie vor 20 Jahren. „Wir haben das Gefühl, da werden Pläne umgesetzt, die seit den 1990er-Jahren in der Schublade liegen“, sagt Roy Sandmann. Am besten lässt sich das an einem Beispiel erklären: Entstehen neue Radwege, werden diese so geplant, dass sie vor großen Kreuzungen einen Schlenker machen und von der Straße weg geleitet werden. Doch spätestens seit dem Jahr 2005 seien sogenannte Aufstellflächen angesagt, sagt Roy Sandmann. Radfahrer und Autofahrer halten gemeinsam auf der Straße, während die Radfahrer versetzt zu den Autofahrern stoppen müssen. Damit behalten die Autofahrer die Radler stets im Blick. Damit soll unter anderem verhindert werden, dass nach rechts abbiegende Autofahrer Radfahrer übersehen und überfahren.

In ganz Lichtenberg gibt es nur wenige Stellen, wo diese Aufstellflächen entstanden sind. Planungsfehler haben Sandmann und Legeler auch am S-Bahnhof Friedrichsfelde-Ost ausgemacht. Dort laufen die Fahrgäste direkt auf den Radweg. Oder die Gehrenseebrücke in Hohenschönhausen: Als diese vor Jahren komplett saniert wurde, ließ man neue Radwege weg. Eine Verbreiterung der Brücke zu Gunsten der Radfahrer lehnte die Senatsverwaltung seinerzeit ab. „Gefährlich ist es auch an der Falkenberger Chaussee in Höhe S-Bahnhof Hohenschönhausen“, sagt Hajo Legeler. Dort verengt sich die Fahrbahn auf eine Spur für Autofahrer – und Radfahrer, deren Radweg unvermittelt in die Straße mündet.

Gern würde sich der ADFC mehr einmischen in Planungen für neue Radwege und Straßen. Ja, es gebe den Mobilitätsrat des Bezirks, räumen die ADFC-Akteure ein. „Wir wünschen uns jedoch, in regelmäßigen Abständen direkt mit Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen und unsere Anliegen vorzutragen“, sagt Roy Sandmann. Denn das Fahrradfahren wird für viele Menschen im Bezirk immer wichtiger – auch als kostenlose Alternative zum Auto. 

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veröffentlicht am 28. Mai 2014, Autor: Marcel Gäding

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