BZJ_04_2014_Theater KH
Das Theater Karlshorst steht seit vielen Jahren leer. Ob sich an dem Haus an der Ehrenfelsstraße jemals wieder ein Vorhang zu einer Vorstellung öffnet, ist derzeit ungewiss.

Im Theater Karlshorst an der Ehrenfelsstraße wird sich so schnell kein Vorhang öffnen. Alle Bemühungen, einen Betreiber zu finden, schlugen bislang fehl. Jetzt ist von einem Verkauf die Rede. 

Auf dem Johannes-Fest-Platz ist an diesem sonnigen Nachmittag viel los. Die Parkbänke sind bis auf den letzten Platz besetzt, die Kellner beim benachbarten Italiener haben alle Hände voll zu tun. Keine Frage, nach der Umgestaltung des Areals ist zwischen Ehrenfelsstraße und Treskowallee wieder ein schöner, lebendiger Stadtplatz entstanden. Nur abends, wenn auch der letzte Gast seine Rechnung beim Italiener beglichen hat, kehrt eine teilweise gespenstige Ruhe ein. Vor zehn Jahren noch war das anders. Damals war der Platz zwar wenig ansehnlich, aber im Theater Karlshorst brannte noch Licht. Zuletzt wurden in dem direkt am Johannes-Fest-Platz liegenden Haus Operetten aufgeführt. Als der letzten Betreiberin schließlich das Geld ausging, fiel der letzte Vorhang. Seitdem hat Karlshorst eine Bühne ohne Publikum.

Das Theater Karlshorst ist ein Haus voller Geschichte. Es wurde erst in den 1940er-Jahren gebaut und bis in die 1960er-Jahre von der Sowjetarmee genutzt. Wenn man so will, dann war das Haus der kulturelle Mittelpunkt des Ortsteils, der in der sowjetischen Besatzungszone stark russisch geprägt war. Der Geheimdienst KGB hatte in dem Viertel seinen Sitz, ranghohe Offiziere wohnten in den herrschaftlichen Häusern. Zur Sowjetischen Militäradministration konnten sie laufen. Das Theater war bei den Karlshorstern im Volksmund als Russen-Oper bekannt. Im Inneren brauchte das Haus den Vergleich mit großen Bühnen nicht scheuen: Der Saal wurde von samtroter Bestuhlung dominiert. Auf den Rängen und auf dem Parkett fanden 602 Zuschauer Platz. Nach dem Abzug der Russen wechselten die Betreiber mehrfach. Zuletzt wurden im Theater Karlshorst Operetten und Schwänke gezeigt. „Das weiße Rössl“ stand auf dem Programm, aber auch Kinderstücke mit dem bekannten Hermann van Veen. Weil sich das Konzept aber auf Dauer nicht durchsetzte und rechnete, wurde der Theaterbetrieb 2007 eingestellt.

Die Howoge Wohnungsbaugesellschaft ist Eigentümerin der Immobilie. Sprecherin Annemarie Rosenfeld sagt, dass die Außenhülle des Komplexes sowie des dazugehörigen Bürotraktes zwischen 2009 und 2011 denkmalgerecht saniert wurden. Parallel erfolgten Umbau und Erweiterung. Seitdem haben das italienische Restaurant und die bezirkliche Musikschule eine Heimat gefunden. Das Theater selbst ist aber ungenutzt. „Die im Jahre 2011/ 2012 zusammen mit dem Bezirk Lichtenberg angestoßene Betreibersuche blieb trotz aller Bemühungen erfolglos“, teilt die Sprecherin auf Nachfrage mit. „Es stellte sich leider heraus, dass nicht nur eine gute Idee zum kostendeckenden Betrieb, sondern vor allem auch eine hohe Investitionssumme nötig ist, um das Theater überhaupt in einen nutzungsfähigen Zustand zu versetzen“, erklärt Annemarie Rosenfeld. Die Investitionssumme belaufe sich laut einer von der Howoge beauftragten Untersuchung auf mehrere Millionen Euro.

Der Bezirk hofft sehr, dass wieder Leben ins Theater einzieht. Wie Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD) sagt, soll das Theater mit einem daneben liegenden Baugrundstück jetzt verkauft werden. Hierzu muss das Abgeordnetenhaus noch seine Zustimmung erteilen, denn die Howoge ist ein landeseigenes Unternehmen. Einen Interessenten gibt es auch. „Wir unterstützen ein Konzept der öffentlichen Nutzung für Veranstaltungen und Theateraufführungen“, sagt Geisel.

veröffentlicht am 29. April 2014, Autor: Marcel Gäding

Theater Karlshorst soll Besitzer wechseln
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