Im Victoria-Center in Lichtenberg stehen viele Geschäfte leer - und nicht nur dort. Viele kleine Center beklagen fehlende Kaufkraft.
Im Victoria-Center in Lichtenberg stehen viele Geschäfte leer – und nicht nur dort. Viele kleine Center beklagen fehlende Kaufkraft.

Kleine Einkaufszentren haben in Lichtenberg und Hohenschönhausen mit Leerstand zu kämpfen. In einigen Regionen fehlt es schlichtweg an Kaufkraft. Die Folge: verwaiste Geschäfte.

In der unteren Etage des Einkaufszentrums „Center Am Tierpark“ haben Graffitisprayer ihre Spuren hinterlassen. Die Scheiben eines früheren Fastfood-Restaurants sind zugehängt. Und im Caféhaus in der ersten Etage bedankt sich der einstige Inhaber mit einem Zettel an der verschlossenen Eingangstür bei seinen Kunden. Wenigstens hat man hier alles so gelassen, wie es vor Monaten vom Gastronomen übergeben wurde: Stühle, Tische und Tresen machen den Eindruck, als würde hier morgen wieder Eis verkauft und Kaffee ausgeschenkt werden – so wie in den guten Tagen des Einkaufszentrums. Elf Geschäfte sind derzeit in dem Shopping-Center gegenüber vom Tierpark ungenutzt. Und das „Center Am Tierpark“ ist kein Einzelfall. Das Viktoria-Center am Ostkreuz, das Dolgensee-Center, das Hohenschönhauser Tor oder das Hansa-Center in Hohenschönhausen kämpfen mit dem gleichen Problemen: Leerstand.

Das „Center am Tierpark“ hat seine besten Jahre hinter sich. Selbst ein Discount-Schuhhändler hat die Segel gestrichen. Die Volksbank hat ihre Filiale geschlossen und wenigstens einen Geldautomaten zurückgelassen. Wie es mit dem Einkaufszentrum weitergeht, ist offiziell nicht bekannt. Die für die Vermietung zuständige „Estama Real Estate“ lässt telefonische Anfragen unbeantwortet. So kann man über die Gründe des Leerstandes nur spekulieren. Auch das nur wenige Kilometer entfernte Dolgensee-Center soll ernsthafte Schwierigkeiten haben. Vor Ort gähnende Leere in Form leerstehender Geschäfte. Eine bekannte Supermarktkette hält noch die Stellung – wie eine Shisha-Bar. Wer aufmerksam durch das Hohenschönhausener Tor am Weißenseer Weg läuft, macht ähnliche Beobachtungen. Hier kam sogar eine Insolvenz des Betreibers dazu. Mittlerweile ist das Center in neuer Hand.

Nach Ansicht von Ralph Teuber, dem neuen Centermanager des Allee-Centers an der Landsberger Allee, hängt der Erfolg kleinerer Einkaufszentren vom Standort ab. 50 Fachgeschäfte zählt sein Einkaufszentrum, das sich zudem als Treffpunkt für die Menschen im Kiez versteht. Auch das Allee-Center muss sich immer wieder um neue Mieter bemühen, hat hierfür aber einen eigenen Vermietungsmanager im Team, sodass kurzfristige Leerstände schnell ausgeglichen werden können. „Damals wurde bei der Planung des Einkaufszentrums sehr genau abgewogen“, sagt Ralph Teuber. Vor allem die Standortfrage war entscheidend. „Die Lage an der Landsberger Allee, die Straßenbahn vor der Tür und 300 kostenlose Pkw-Stellplätze sind ein klarer Wettbewerbsvorteil.“ Darüber hinaus konnte sich das Allee-Center auch gegen größere Einkaufszentren behaupten – darunter sind das Linden-Center und das Eastgate in Marzahn, die wie das Allee-Center von der ECE-Projektmanagement GmbH betreut werden. „Unser Konzept funktioniert seit 20 Jahren ausgesprochen gut, auch mit der größer gewordenen Konkurrenz im Umfeld“, sagt Ralph Teuber.

Bezirksbürgermeister und Wirtschaftsstadtrat Andreas Geisel (SPD) wundert sich nicht über den Leerstand in einigen Einkaufszentren. Er sagt, dass in den 1990er-Jahren mehr gebaut wurde, als der Markt vertragen konnte: „Die Verkaufsflächen sind schneller gewachsen als die Kaufkraft“, räumt Geisel ein. Der Bezirk versuche Einkaufszentren wie das „Center Am Tierpark“ zu schützen, „in dem wir in der Umgebung keine weiteren großen Einzelhandelsprojekte mehr genehmigen“. So sieht es ein sogenanntes Zentren- und Einzelhandelskonzept vor. Es enthält Aussagen darüber, wo überhaupt noch Handel genehmigt werden darf und in welcher Dimension. Doch mehr kann auch der Bezirk nicht tun. Der Erfolg steht und fällt mit den Kunden. Und auf die hat selbst ein Bürgermeister keinen Einfluss. „Ich möchte aber klar betonen, dass uns gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels die wohnortnahe Bevölkerung der Lichtenberger am Herzen liegt.“
Einen Neustart wird das für das Hansa-Center geben, das 2009 mit REAL den wichtigsten Mieter verlor und seitdem ein trostloser grauer Kasten ist. Anfang 2015 soll auf einer Fläche von 4.000 Quadratmetern ein EDEKA-Center eröffnen, wie ein Unternehmenssprecher von EDEKA Minden-Hannover dem Bezirks-Journal auf Anfrage mitteilte. EDEKA ist zugleich neuer Eigentümer. EDEKA plant unter anderem eine neue, futuristische Fassade und will neben einem eigenen XXL-Supermarkt weitere Fachmärkte ins Hansa-Center holen. Im Gespräch seien unter anderem Anbieter aus dem Textil- und Elektrofachhandel sowie eine Drogeriekette. In Zusammenarbeit mit einem Berliner Projektentwickler soll der gesamte Standort revitalisiert werden. EDEKA-Unternehmenssprecher Andreas Laubig sagt, dass gut 19,5 Millionen Euro ins Hansa-Center fließen. Während der Einzelhandel das Erdgeschoss nutzt, sollen die Obergeschosse weiterhin für Sport- und Freizeiteinrichtungen zur Verfügung stehen.

Bürgermeister Andreas Geisel glaubt, dass die kleineren Einkaufszentren eventuell vom Zuzug neuer Lichtenberger profitieren. „Damit steigt auch die Kaufkraft langsam, sodass die Verkaufsflächen nach und nach gefragt werden“, sagt der Politiker.

veröffentlicht am 22. April 2014, Autor: Marcel Gäding

Shopping-Center zwischen Krise und Boom
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