Thomas Kleindienst ist der neue Vorsitzende des Wirtschaftskreises Hohenschönhausen-Lichtenberg. Er will den Verband wieder in ruhiges Fahrwasser bringen.
Thomas Kleindienst ist der neue Vorsitzende des Wirtschaftskreises Hohenschönhausen-Lichtenberg. Er will den Verband wieder in ruhiges Fahrwasser bringen.

Thomas Kleindienst ist der neue Vorsitzender des Wirtschaftskreises Hohenschönhausen-Lichtenberg. Er steht dem soeben gewählten, neun Mitglieder starken Vorstand vor. Ein Gespräch.Der Wirtschaftskreis Hohenschönhausen-Lichtenberg (WKHL) ist die Interessenvertretung von Unternehmen im Bezirk. Rund 100 Mitglieder sind im WKHL organisiert, der dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert. Nachdem der erst im vergangenen Jahr gewählte, neue WKHL-Vorstand wegen inhaltlicher und strategischer Differenzen geschlossen von seinem Amt zurücktrat, wählte der Verein im Februar ein neues, neunköpfiges Führungsgremium. Der Immobilienkaufmann Thomas Kleindienst ist jetzt Vorsitzender des Unternehmerverbandes. Er arbeitet sei 2004 als kaufmännischer Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Lichtenberg, der größten Wohnungsgenossenschaft Berlins.

Herr Kleindienst, Sie haben sich an die Spitze des Wirtschaftskreises wählen lassen. Warum?
Der Verein hatte im vergangenen Jahr jede Menge Turbulenzen, in deren Folge der gesamte Vorstand zurücktrat. Gleichzeitig ist die Vereinsgeschäftsstelle seit Monaten unbesetzt. Nachdem eine Neuwahl im Herbst scheiterte, wurde ich von unterschiedlichen Seiten angesprochen und gebeten, mir zu überlegen, für das Amt des Vorsitzenden zu kandidieren. Der Wunsch vieler Mitglieder ist es, den WKHL wieder in feste Strukturen zu bringen. Da ich bereits seit fast zehn Jahren in Lichtenberg tätig bin, hätte ich es schade gefunden, wenn der WKHL als Interessenvertretung für Unternehmer nicht mehr arbeitsfähig gewesen wäre. Ich musste jedoch einige Gespräche führen, privat genauso wie mit dem Aufsichtsrat meiner Wohnungsgenossenschaft, die ja die größte in Berlin ist.
Hinzu kommt, dass ich mit meinem Ehrenamt als Kuratoriumsvorsitzender der Bürgerstiftung Lichtenberg bereits viel Freizeit investiere. Vor dem Hintergrund, dass ich in absehbarer Zeit auch mehr Verantwortung im Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen übernehmen möchte, ist für mich klar, dass ich nur bis Ende des Jahres Vorsitzender des WKHL sein kann. Bis dahin, hoffe ich, haben wir Strukturen geschaffen und eine geeignete Persönlichkeit gefunden, die meine Arbeit fortsetzt. Vor uns liegt also ein sogenanntes konditioniertes Jahr. Froh sind wir, dass wir bei unserer Wahl im Februar so viel Rückenwind seitens unserer Mitglieder erhalten haben.

Wir sind ein breit aufgestellter Vorstand: vom Einzelunternehmer bis hin zum Wohnungsunternehmen. Im neuen Vorstand gibt es für unsere Mitglieder vielfältige Ansprechpartner. Wichtig ist mir, dass wir auf Augenhöhe arbeiten.

Die vor Ihnen liegenden Monate werden sportlich. Worum wird es in erster Linie gehen?
Zunächst soll es wieder einen regelmäßigen Austausch mit den Fachabteilungen des Bezirksamtes geben – das beginnt vom für Wirtschaft zuständigen Bezirksbürgermeister und reicht bis zur Wirtschaftsförderung. Eng soll auch die Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern wie dem Unternehmensportal Lichtenberg oder der Mittelstandsvereinigung der CDU aussehen. Wir wollen uns mit ihnen abstimmen, damit es nicht zu Überschneidungen kommt. Das wird notwendig sein, um im Sinne der Sache an optimale Informationen zu gelangen, mit denen wir wiederum unseren Mitgliedern ein entsprechend adäquates Angebot als Verein unterbreiten können. Gleichzeitig wollen wir uns mit unseren Mitgliedern austauschen, ihnen unser Konzept vorstellen, um am Ende zielgenau das bieten zu können, was sie von uns erwarten. Wir müssen also ins Gespräch kommen und Diskussionen führen, um nicht an den Mitgliederinteressen vorbeizuschießen. Mein Ziel ist es, das so zu gestalten, dass wir am Ende des Jahres mit Elan, Freude und Gemeinsamkeit das 20-jährige Bestehen unseres Vereins begehen können. Uns steht eine harte Zeit bevor. Aber ich denke, das ist die Sache wert. Vielleicht gelingt es uns ja auch, Unternehmerinnen und Unternehmer zurückzugewinnen, die einmal Mitglied im WKHL waren.

Vergangenes Jahr zog sich der WKHL aus dem Wirtschaftspartnertag zurück, der gemeinsam mit dem Wirtschaftskreis Marzahn-Hellersdorf veranstaltet wurde. Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit den Bezirksnachbarn vor?
Wichtig ist, mit den Marzahn-Hellersdorfern wieder in Abstimmung zu treten. Wir müssen die Marke Berlin-Eastside gemeinsam voranbringen. Dieser Begriff vermittelt, dass es sich um einen interessanten Standort auf der östlichen Seite Berlins handelt. Er steht aber auch für den modernen Anspruch an Neues. Konkret bedeutet dies, dass wir nicht alle in den Bezirken Inselpolitik betreiben. Es muss darum gehen, gemeinsam Ansiedlungspolitik jenseits der Berliner Innenstadt umzusetzen und Ansprechpartner zu sein für verschiedene Branchen. Das Potenzial hat Berlin-Eastside mit seinen kleinen und großen Entwicklungsgebieten.

Wie würden Sie den Wirtschaftsstandort Lichtenberg umschreiben?
Zentrumsnah, gut strukturiert und wegen seines wachsenden, positiven Images sehr nachgefragt. Der Bezirk hat, wie auch die gesamte Region Berlin-Eastside, viele Ansiedlungsgebiete, die noch frei sind: für Unternehmen oder Wohnungsvorhaben. Große Firmen sind in Lichtenberg zu Hause, der Bezirk hat zudem eine hervorragende Hochschullandschaft und ein tolles Kulturangebot. Was ich bislang in keiner anderen Region gesehen habe ist zudem, dass in Lichtenberg viele Frauen in Unternehmen Verantwortung tragen. Diese Frauenpower ist doch schon sehr auffällig und in jedem Fall zu begrüßen.

Wie werden Sie sich wirtschaftspolitisch positionieren?
Bevor wir dies machen, müssen wir ja erst einmal vor unserer eigenen Tür kehren. Dazu gehört, dass wir ein klares, strukturiertes Programm vorlegen können. Unter anderem möchten wir eine Mitgliederumfrage aus dem Jahr 2012 auswerten und Fragestellungen herausarbeiten, die wir dann in Veranstaltungen mit unseren Mitgliedern weiter diskutieren. Es ist angedacht, das Tourismusprojekt und das Projekt „Wirtschaft in der Region Lichtenberg“ wieder aufleben zu lassen. Auch muss unsere Kinder- und Jugendstiftung weiter gefördert werden. Dafür wurde der Wirtschaftskreis schließlich einmal gegründet. Hier muss es Veranstaltungen und Aktionen geben, die zu Einnahmen für die Stiftung führen. Auch die Ansiedlung weiterer Unternehmen ist relevant. Anfang April wollen wir zudem in Kontakt treten mit Mandatsträgern auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene. Dabei stellen wir uns als neuer Vorstand vor und wollen in Erfahrung bringen, was von uns als Wirtschaftskreis erwartet wird. Da wir alle viel beschäftigte Menschen sind, wollen wir die Themen auf verschiedene Arbeitsgemeinschaften innerhalb des Vereins verteilen.

Um den Wirtschaftskreis zu stärken, müssen Sie auch neue Mitglieder gewinnen. Warum sollte ein Unternehmen Mitglied werden?
Im Vordergrund steht die Kraft der Gemeinschaft: Mir ist der Austausch und der Vernetzungsgedanke wichtig. Kleine Unternehmen treffen auf große, kommen ins Gespräch. Neue Mitglieder treffen auf Unternehmen, die schon lange dabei sind und die ihnen helfen, sich im Bezirk besser zurecht zu finden. Es ist ein Geben und Nehmen.

veröffentlicht am 17. März 2014; Autor: Marcel Gäding

Wirtschaftskreis: Neuer Chef setzt auf lokale Wirtschaft
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