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In Berlin bereiten freilebende Katzen dem Tierschutzverein Probleme. Die Samtpfoten vermehren sich unkontrolliert.

In Lichtenberg leben Hunderte Katzen auf der Straße. Sie wurden von ihren früheren Besitzern ausgesetzt. Der Tierschutzverein will ihre Vermehrung stoppen.Noch herrscht im Tierheim Berlin in Falkenberg die Ruhe vor dem Sturm. In den Katzenhäusern, der Katzenkrankenstation und dem Freigehege für Katzen ist gerade etwas Platz. Doch in wenigen Tagen wird es damit vorbei sein. Dann steigt die Zahl der Samtpfoten wieder sprunghaft. Neben den Katzen, die von ihren Besitzern abgegeben werden, nimmt der Tierschutzverein für Berlin auch Tiere auf, die in der Stadt aufgelesen wurden. Von den im vergangenen Jahr versorgten 1.583 Katzen im Tierheim am Hausvaterweg kamen 219 von der Straße. Vom Tierschutzverein für Berlin heißt es, dass diese Katzen nicht mehr an ihren Fundort zurückgebracht werden können. Da viele dieser Tiere durch das Leben auf der Straße sehr scheu sind, ist eine Vermittlung in private Haushalte schwierig bis unmöglich. Daher ist der Aufwand groß, der vom Tierschutzverein betrieben wird: Sogenannte ehrenamtliche Streichelpaten widmen sich den einst freilebenden Straßenkatzen. Ein Prozedere, das lange Zeit in Anspruch nimmt.

Berlin hat nach wie vor ein Katzenproblem. In Bezirken wie Lichtenberg trennen sich Katzenbesitzer ohne Skrupel von den Tieren und setzen sie aus. Auf der Straße vermehren sich die meist unkastrierten Samtpfoten. Hinzu kommt der Nachwuchs von zeugungsfreudigen „Freigängerkatzen“: Das sind Samtpfoten, die hinaus in den Garten oder vor die Tür dürfen. Gemeinsam mit Nachbars Katze sorgen sie von ihren Besitzern unbemerkt für Nachwuchs. Während der liebestolle Kater abends heimkehrt, bringt die Kätzin wenige Wochen später vier bis acht Junge zur Welt. 

Auf der Straße führen die Katzen einen harten Überlebenskampf, sind auf der Suche nach Futter. Gerade im Winter, bei Schnee und Kälte, erkranken viele der Tiere. Nicht alle Katzen können im Tierheim in Falkenberg ein vorübergehendes Zuhause bekommen. Sie verbleiben im Kiez und werden dort von Tierfreunden gefüttert. 245 Orte hat der Tierschutzverein berlinweit registriert, an denen 147 ehrenamtliche Helfer regelmäßig Futter an 2.000 Katzen austeilen. Gleichzeitig behalten sie den Bestand der auf mehrere 10.000 Straßenkatzen geschätzten Population im Auge. Die Kosten für Futter, Kastration und tierärztliche Versorgung trägt allein der Tierschutzverein. Das Land Berlin hält sich aus dem Thema heraus. Ein Katzenjammer. Seit Jahren.

Wolfgang Apel, der Präsident des Tierschutzvereins für Berlin, ärgert sich seit Jahren darüber, dass die Behörden und der Senat wegschauen. Er fordert gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund eine sogenannte Katzenschutzverordnung. Sie soll Besitzer von Freigängerkatzen verpflichten, ihre Tiere auf eigene Kosten kastrieren zu lassen. Immerhin gibt es eine solche Verordnung bereits in 238 deutschen Kommunen, darunter auch in Bremen. „In vielen Städten und Gemeinden ist die Kastrationsverordnung ein Erfolgsmodell, die politisch Verantwortlichen in Berlin müssen endlich tätig werden“, sagt Apel.

Die ersten von der Straße eingesammelten Katzenbabys wurden bereits in die Obhut des Berliner Tierheims aufgenommen. Bis zum Sommer wird die Zahl der vom Tierschutzverein betreuten Katzen auf 800 steigen.

Berliner Tierschutzverein sucht Unterstützer

Finanzielle Hilfe: Der Tierschutzverein für Berlin ist auf Spenden angewiesen, um freilebende Katzen mit Futter zu versorgen und die Kosten für die Kastrationen aufzubringen. Spendenkonto: IBAN: DE68 1002 0500 0001 0379 00; BIC: BFSWDE33BER

Persönliche Hilfe: Gesucht werden Menschen, die freilebende Katzen versorgen. Sie sollten belastbar, flexibel und mobil sein. Interessenten können sich an den Tierschutzverein unter Tel. (030) 76 88 81 35 wenden.

veröffentlicht am 17. März 2014; Autor: Marcel Gäding

Straßenkatzen: Berliner Tierschützer brauchen Hilfe
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