Das Vorwerk Lichtenberg gilt als Ort, an dem die preußischen Reformen maßgeblich auf den Weg gebracht wurden. Das Museum Lichtenberg widmet den Protagonisten eine Ausstellung.
Das Vorwerk Lichtenberg gilt als Ort, an dem die preußischen Reformen maßgeblich auf den Weg gebracht wurden. Das Museum Lichtenberg widmet den Protagonisten eine Ausstellung.

Das Museum Lichtenberg widmet eine neue Ausstellung Scharnweber und Hardenberg. Die beiden wirkten maßgeblich an den Reformen von Preußen mit – und das vom heutigen Berliner Bezirk Lichtenberg aus. Denken wir an Preußen, fallen uns Orte wie Potsdam, Königs Wusterhausen oder Neuruppin ein. Das Stadtschloss haben wir vor Augen, das Schloss Sanssouci und Schloss Charlottenburg. Aber Lichtenberg? Jener Flecken fernab Berlins und Potsdams? Eine neue Ausstellung im Museum Lichtenberg tritt den Beweis an, dass Lichtenberg für Preußen von zentraler Bedeutung war. Immerhin lebten hier zwei der entscheidendsten Reformer: Carl August von Hardenberg und Friedrich Scharnweber. Bereits im 19. Jahrhundert zog sich ihr Band von Hohenschönhausen nach Lichtenberg.

„Die neue Ausstellung vertieft das Wissen über die zwei herausragenden historischen Persönlichkeiten und lässt neue Forschungsergebnisse einfließen“, sagt Dr. Thomas Thiele, der Leiter des Museums Lichtenberg. Grundlage bildet eine bereits 2011 erarbeitete und nun modifizierte Ausstellung über Friedrich Scharnweber. Er war einst Besitzer des Guts Hohenschönhausen, von dem heute noch das Gutshaus gegenüber dem Storchenhof in Alt-Hohenschönhausen existiert und das gerade zum „Bürgerschloss“ umgebaut wird. Vor allem die fast in Vergessenheit geratenen Leistungen Scharnwebers stehen im Fokus.

Scharnweber galt als enger Vertrauter des preußischen Außenministers und späteren Staatskanzlers Carl August von Hardenberg. Hardenberg hatte seinerzeit das Kämmereigut Lichtenberg erworben. Dort wurden unter anderem agrarwissenschaftliche Anbauversuche unternommen. 1806 musste Hardenberg wegen der verlorenen Schlacht bei Jena und Auerstedt vor Napoleon nach Ostpreußen fliehen. 1810 bat ihn Königin Luise um Rückkehr und übertrug Hardenberg die preußischen Reformen: Der Staat sollte gesellschafts- und wirtschaftspolitisch neu geordnet werden. Ab Mai 1810 fanden im Herrenhaus des Gutes nahe dem heutigen Loeperplatz geheime „Lichtenberger Conferencen“ statt. Sie dienten der Vorbereitung der preußischen Reformen.

„Neben dem politischen Verdienst hatten beide Reformer großen Anteil an der Umgestaltung insbesondere der Agrarwirtschaft in Preußen“, sagt Thomas Thiele. Zwar seien die „Lichtenberger Conferencen“ historisch nur eine Episode gewesen. „Sie halfen aber, historische Weichen zu stellen.“ 

Museum Lichtenberg: Zeiten und Veranstaltungen

Die Ausstellung: Die Ausstellung „Preußische Reformer in Lichtenberg: Carl August von Hardenberg und Friedrich Scharnweber“ wird am 21. März um 19 Uhr im Museum Lichtenberg, Türrschmidtstraße 24, 10317 Berlin, eröffnet. Sie ist bis zum 6. Juni zu sehen. Öffnungszeiten: Di-Fr sowie So 11-18 Uhr. Eintritt: frei

Das Begleitprogramm: Am 23. April stellt Martin Frielinghaus von der Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer das Wirken des Agrarreformers vor, der in Verbindung mit Hardenberg stand. Am 21. Mai hält Gebhard Graf von Hardenberg einen Vortrag über seinen Vorfahren. Infos: Tel. (030) 57797388-12

veröffentlicht am 17. März 2014, Autor: Marcel Gäding

Preußens Reformer kamen aus Lichtenberg
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