Trabrennbahn Berlin Karlshorst (4)
Seit 160 Jahren hat der Pferdesport in Berlin Karlshorst seine Heimat – die Geschichte ist wechselvoll. Bis heute.

Seit 160 Jahren hat der Pferdesport in Berlin Karlshorst seine Heimat – die Geschichte ist wechselvoll. Bis heute.An einem der ersten warmen Frühlingstage drehen drei Sulky-Gespanne ihre Runde. In schnellem Tempo umrunden sie das Oval, vorbei an der großen Tribüne, dem alten Zielrichterturm und der alten Waage, die noch aus der Kaiserzeit stammt. Es ist wie immer in diesen Tagen auf der Trabrennbahn Karlshorst. Während draußen die Pferde trainiert werden, sitzt Thomas Hartl vom Verein Pferdesportpark an seinem Schreibtisch und blickt auf die viel befahrene Treskowallee. Hier spricht er über die Pläne, die sein Verein für das Areal an der Wuhlheide hat und hier blickt er in die Zukunft der Trabrennbahn. „Ich bin optimistisch, dass wir es schaffen, die Anlage in den kommenden 20 Jahren zu erhalten.“

Hartls Worte wirken voller Zuversicht. Zehn Jahre zuvor stand die Zukunft der Trabrennbahn unter keinem guten Stern. Hätte der Verein Pferdesportpark Karlshorst nicht das Geld aufgebracht, um wenigstens einen Teil der Trabrennbahn von der Treuhand zu kaufen, stünden auf dem Gelände womöglich längst Wohnhäuser. „Damals wurde das einst 80 Hektar große Areal geteilt“, sagt Hartl. Wo sich früher Stallungen befanden, wuchs das neue Viertel „Carlsgarten“. Die verbliebenen 37 Hektar erwarb der Verein. Er rettete damit ein Stück Pferdesportgeschichte. Seit 1854 gibt es Pferdesport in Karlshorst, 1894 fanden an der Treskowallee die ersten Hindernisrennen statt. An guten Tagen strömten Zehntausende aus dem gesamten Stadtgebiet nach Karlshorst. Im feinsten Zwirn verfolgten die von der Tribüne aus die spannenden Rennen – nicht zuletzt wegen der Wetten. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb die Trabrennbahn in Karlshorst Geschichte, denn sie war die einzige Anlage dieser Art in der DDR. 99 Renntage fanden im Jahr statt. „Karlshorst war die einzige Chance für DDR-Bürger, auf Pferde zu wetten“, sagt Thomas Hartl. Nach der Wende folgte der Zusammenschluss mit der Trabrennbahn Mariendorf im Westteil der Stadt. Nachdem beide Einrichtungen viele Jahre getrennte Wege gingen, gibt es jetzt wieder so etwas wie Annäherung.

Denn die Zeiten im Trabrennsport sind hart. Heute freut man sich, wenn es noch 28 Renntage in Karlshorst gibt und Mariendorf 50 Veranstaltungen dieser Art ausrichten kann. Denn der Pferdesport befindet sich in seiner tiefsten Krise. Während in Frankreich oder Schweden Rennen mit Traum-Wettquoten gefahren werden, ist in der Bundesrepublik der Trabrennsport kaum noch von Bedeutung. Wettbüros verdienen ihr Geld eher mit Fußballwetten. In Frankreich findet man mit 200.000 Pferdewettbüros an fast jeder Ecke einen Ort, an dem man auf Pferde setzen kann. In der Bundesrepublik liegt die Zahl der Pferdewettannahmestellen bei 80. Während in Frankreich Preisgelder von bis zu 200.000 Euro warten, sind es in Karlshorst um die 800 Euro, davon 400 Euro für den Sieger. „Wenn man bedenkt, dass ein Pferd im Schnitt 600 Euro im Monat kostet, dann muss man für diesen Sport schon ziemlich viel Enthusiasmus mitbringen.“ Nicht selten schaffen es gerade einmal 500 Pferdefreunde auf die Trabrennbahn zum Renntag. Die Tribüne bietet Platz für 2.500 Gäste.

Immerhin: In Karlshorst haben noch 25 Trainingsbetriebe und 200 Pferde ihre Heimat. Gut drei Millionen Euro flossen in den vergangenen Jahren in die Anlage, wie Thomas Hartl sagt. Zwar sieht man davon auf den ersten Blick nicht viel. „Aber uns ist es gelungen, den Status quo zu erhalten.“ Weil absehbar ist, dass die Zahl der Trabrennen nicht mehr zunimmt, müssen andere Konzepte her. Immer noch gibt es die Pläne vom Reitsportzentrum: Eine Anlage auf der Trabrennbahn für Reitunterricht und Freizeitreiter.
Der Bedarf dafür ist vorhanden, sagt Thomas Hartl. Viele Familien aus der Nachbarschaft fragen nach Reitmöglichkeiten. Seit vergangenem Jahr gibt es eine Anbindung der Trabrennbahn an das Reitnetz der benachbarten Wuhlheide. Aktuell führen die Bezirke Lichtenberg und Treptow-Köpenick Gespräche darüber, die Trabrennbahn in Richtung Wuhlheide ganz zu öffnen. Denn nebenan, wo bis 1994 die Russen Kasernen hatten, ist inzwischen ein stark frequentierter Volkspark entstanden. Dann könnte auch der Biergarten wieder in Betrieb gehen, der derzeit hinter der Tribüne sein Dasein fristet. „Unser Ziel ist ein multifunktionaler Pferdestandort“, sagt Thomas Hartl. Schon heute nutzen Familien die Trabrennbahn für Feiern aller Art, hin und wieder wird das Gelände für Veranstaltungen vermietet. Das bringt Einnahmen in die Kasse, um unter anderem die gut 15 Mitarbeiter der Trabrennbahn zu bezahlen.

Was konkret mit dem Gelände passieren kann, will der Verein im Frühjahr mit dem Bezirksamt beraten. Dann werden die Ergebnisse eines Projekts vorgestellt, das für den Standort Perspektiven erarbeiten sollte. Geld dafür kam von der Europäischen Union und vom Rathaus. Parallel laufen die Festvorbereitungen, denn 2014 wird gleich dreimal gefeiert. Der Trägerverein Pferdesportpark begeht seinen zehnten Geburtstag; die Rennbahn selbst 120 Jahre und der Reitsport in Karlshorst 160 Jahre. Spezielle Jubiläums-Renntage sind für den 13. April, den 9. Mai und den 22. Juni jeweils ab 12 Uhr angesetzt. Unter anderem sind Festparaden, Ausstellungen und Filmvorführungen geplant.

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veröffentlicht am 17. März 2014; Autor: Marcel Gäding

Pferdesport: Höhen und Tiefen an der Treskowallee
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