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Günter Toepfer aus Karlshorst wurde in Litauen in den Ritterstand erhoben. Es ist nicht die erste Auszeichnung für den engagierten Rentner.

Günter Toepfer hilft Kindern, Jugendlichen und Senioren in Litauen. Für dieses Engagement bekam er einen Ritter-Orden. Es ist nicht die erste Auszeichnung für den Karlshorster.Der Ritter kommt im Anzug. Am Revers steckt das Bundesverdienstkreuz. Günter Toepfer ist gerade aus Vilnius zurück, wo er vor wenigen Tagen in den Ritterstand erhoben wurde. Im Rahmen einer Feier erhielt er den entsprechenden Orden – die höchste Auszeichnung des Landes. Und weil diese Ehre nur wenigen zuteil wird, ist Toepfer tief gerührt von dieser Form der Anerkennung. Damit würdigt der Staat Litauen Toepfers Engagement für das litauische Volk. Obwohl Toepfer schon einige Auszeichnungen bekam, war die Verleihung im Audienzsaal der Staatspräsidentin sehr bewegend für den Pensionär.

Günter Toepfer ist Karlshorster. Seit 59 Jahren lebt der Bauingenieur in dem Lichtenberger Ortsteil, über den er vergangenes Jahr ein Buch schrieb: „Verliebt in Karlshorst“ lautet der Titel. Doch es ist nicht die späte schriftstellerische Karriere des einstigen Mitglieds der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, mit der er sich einen Namen macht. Seit dem Fall der Mauer engagiert sich Toepfer für die Menschen im Baltikum. Erst fuhr er jahrelang nach Estland, dann nach Litauen. Aus Lichtenberger Schulen organisierte der 72-Jährige Tische und Stühle, die in Klassenzimmern nicht mehr benötigt wurden. Toepfer ließ Großkücheneinrichtungen aus Kitas im Bezirk ab- und im Baltikum wieder aufbauen. Für Altenheime schafft er Rollatoren, Krücken, Bettwäsche und Geschirr heran. Der frisch gebackene Ritter fühlt sich dem baltischen Volk tief verbunden. Vor allem wegen dessen Engagement für die sogenannten Wolfskinder: Das waren deutsche Jungen und Mädchen, die während der Flucht aus Ostpreußen ihre Eltern verloren und monatelang allein durch die Wälder irrten. Von den Litauern weiß Toepfer, dass sie die Kinder bei sich aufnahmen, ihre Papiere fälschten und sie damit vor den Russen und womöglich der Verschleppung in Arbeitslager retteten. „Sie waren immer auf der Flucht, vor den Wölfen, vor den Russen – stets auf der Suche nach etwas Essbarem“, sagt Günter Toepfer. Ihm selbst blieb dieses Schicksal erspart. Nachdem seine Familie in Magdeburg 1944 ausgebombt wurde, sollte sie nach Ostpreußen gebracht werden. Seine Mutter aber hatte Angst davor und blieb in Magdeburg. „Vermutlich hätte ich ein halbes Jahr später das gleiche Schicksal erlebt wie die Wolfskinder“, sagt Toepfer. Also fährt er fünfmal im Jahr „rüber“, mit Auto und Anhänger. Nie ohne Spenden.

Die Dankbarkeit, die Toepfer empfindet, sitzt tief. Er sagt, dass sein Engagement Ausdruck von Dankbarkeit sei. Er schafft nicht nur Spenden ran und organisiert für die Ärmsten der Armen Benefiz-Marathonläufe. Toepfer hilft auch ganz konkret bei Einzelschicksalen, die ihn nicht mehr loslassen. So übernahm er die Kosten für die Operation des an Krebs erkrankten Ainovas Koleesas: Ein Tumor hatte sich im Kopf des heute zehn Jahre alten Jungen ausgebreitet. „Es stand nicht gut um ihn, er war dem Tode geweiht“, sagt Toepfer. Weil sich kein Spezialist fand, ihn zu operieren, machte sich Toepfer selbst auf die Suche – und wurde an der Charité fündig.

Der kleine Ainovas wohnte der Ordensverleihung in der Residenz der litauischen Präsidentin bei. Stolz zeigt Günter Toepfer ein Foto, auf dem auch Ainovas zu sehen ist. Seinen Orden wird er in die Vitrine packen, in der schon der Verdienstorden der Republik Estland, die Urkunde über die Ehrenbürgerschaft des Regierungsbezirks Schacken sowie das Bundesverdienstkreuz liegen. Demnächst geht es wieder nach Litauen, das für ihn zweite Heimat geworden ist. Etwas Litauisch spricht er inzwischen, sagt Toepfer. Das ermöglicht ihm auch zu übersetzen, was die örtlichen Zeitungen über ihn schreiben. „Unter anderem nennen sie mich immer Guttäter.“

veröffentlicht am 17. März 2014; Autor: Marcel Gäding

Der Ritter von Karlshorst: Günter Toepfer erhält Orden
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