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In den 1950er-Jahren wohnte man auch im Osten gemütlich. Diesen Charme lässt ein Berliner Wohnungsunternehmen wieder aufleben – in einer Nostalgiewohnung.

In Friedrichsfelde erinnert eine Wohnungsgenossenschaft an das Wohnen der 1950er-Jahre. In einer Nostalgiewohnung ist alles so, wie es viele Menschen in Lichtenberg und Hohenschönhausen kennen.Wenn man die Wohnungstür in der ersten Etage der Einbecker Straße 102 in Friedrichsfelde aufschließt, öffnet sich ein Tor zu einer anderen Welt. Mit einem Schlag befindet sich der Besucher in der Vergangenheit – genauer gesagt in den 1950er-Jahren. Anschauen und anfassen ist in dieser Nostalgiewohnung der Wohnungsbaugenossenschaft Vorwärts eG ausdrücklich erwünscht. Sie hat diese anlässlich ihres 60-jährigen Bestehens im Stil vergangener Tage eingerichtet.

Im Flur liegt ein Teppichläufer aus der guten alten Zeit in auch heute wieder angesagten Rottönen und mit Rankenmuster. Eine schlichte Kommode mit liebevoll arrangierten Dekorationsartikeln steht unter einer Holz-Garderobe, an der ein einsamer Kleiderbügel, ein alter Teppichklopfer sowie ein Gehstock hängen. Die helle Küche geht direkt vom Flur ab und lässt das Hausfrauenherz zumindest aus einem romantischen Blickwinkel höher schlagen. Bei den rot-geblümten Vorhängen, der mintgrünen Anrichte und einer Kochstelle wie aus Omas Zeiten werden garantiert Erinnerungen wach. Wenn der Besucher weiter ins Schlafzimmer geht, entdeckt er neben dem massiven dunkelbraunen Doppelbett und dem robusten Kleiderschrank allerhand bekannte Einrichtungsgegenstände aus der Vergangenheit des mittleren 20. Jahrhunderts. So kann man am Schminktisch mit dem großen Spiegel noch einmal schnell die Frisur und das Make-up überprüfen. Die Puderquasten sowie die Lederboxen für sämtliche Utensilien sind allerdings nur Requisite und nicht für ein schnelles Auffrischen des Teints geeignet. Mit Sicherheit der Hingucker im Schlafzimmer ist der typisch ockergelbe Kachelofen, den viele Berliner noch aus ihrer Kindheit kennen. Wohlige Wärme strömte von diesen „Ungetümen“ durch die ganze Wohnung. Dieses Exemplar ist allerdings nicht mehr in Betrieb. Sein Pendant steht im Nebenraum, dem Wohnzimmer. Dort bildet ein opulentes Polstersofa mit passendem Sessel und dem für diese Stilepoche typischen Nierentischchen den Mittelpunkt des Raumes. Ein ausladender Tisch präsentiert sich vor einem wuchtigen Buffetschrank als Herzstück der Essecke.

„Dieses Jubiläum zum Anlass genommen, wollten wir mit unseren Mitgliedern eine kleine Zeitreise in das Jahrzehnt der Gründung unserer Genossenschaft antreten und zeigen, wie man damals, in den 50er-Jahren, gewohnt hat“, sagt Mathias Nordmann, verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Wohnungsgenossenschaft Vorwärts. Herausgekommen sind drei liebevoll eingerichtete Zimmer mit Möbeln, die laut Nordmann vorwiegend „von unseren Mitgliedern spendiert wurden“ beziehungsweise bei denen es sich „um Leihgaben aus Museen“ handelt.

Noch bis zum November dieses Jahres kann die Nostalgiewohnung an jedem Dienstag von 10 bis 12 Uhr und Donnerstag von 14 bis 16 Uhr, ausgenommen Feiertage, besichtigt werden. „Jede Woche besuchen etwa zwanzig interessierte Personen die Nostalgiewohnung zu den genannten Öffnungszeiten“, weiß Mathias Nordmann von Vorwärts zu berichten. Nach dem Aktionszeitraum werden die Räumlichkeiten „wieder dem Wohnungsmarkt zur Verfügung gestellt“.

Dafür sind aber noch einige Arbeiten notwendig. Immerhin befindet sich die Wohnung noch einem Zustand, der in ihrem Baujahr 1960 Standard war. Nach Angaben der Wohnungsgenossenschaft müssen das Badezimmer und die Küche modernisiert, Fußböden und Elek­trik erneuert sowie die alten Kachelöfen entfernt werden. Bis dahin haben alle Lichtenberger noch einmal die Chance, sich in Friedrichsfelde auf eine außergewöhnliche Zeitreise in die 1950er-Jahre zu begeben.

veröffentlicht am 17. März 2014; Autorin: Jeannine Kostow

Nostalgiewohnung: Der Charme der DDR in Friedrichsfelde
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