Probe beim Theater Coram Publico Berlin: In der KultSchule an der Sewanstraße wird auch das neue Theaterstück aufgeführt.
Probe beim Theater Coram Publico Berlin: In der KultSchule an der Sewanstraße wird auch das neue Theaterstück aufgeführt.

Beim theater coram publico treten Amateure vors Publikum. Lichtenberg ist seit fünf Jahren Heimat des Theaters. Eine feste Spielstätte hat das achtköpfige Ensemble nicht. Die Qualität der Aufführungen leidet darunter jedoch nicht.Zugegeben, bei dieser Probebühne braucht es doch schon etwas Phantasie: Zwischen hölzernen Schränken, Pokalen und Gesangsbüchern wird gesungen, getanzt und gelacht. Wo sonst Schachspieler ihre Nachmittage verbringen und der Blutspendedienst des Roten Kreuzes zu Gast ist, proben an diesem Frühlingsnachmittag zwei Männer und vier Frauen ihr aktuelles Stück: „Shakespeares sämtliche Werke – leicht gekürzt“. In ein paar Tagen ist Premiere, dann wird es ernst für die sechs Laiendarsteller des theater coram publico.

Das theater coram publico ist ein Theater ohne Bühne. Sein Name stammt aus dem Lateinischen und heißt „vor Publikum“. 20 Jahre schon existiert das Theater, das seit fünf Jahren eine Heimat in Lichtenberg gefunden hat – aber mit dem Umstand leben muss, dass es keine feste Spielstätte gibt. Michael Hogh ist von Anfang an dabei, so eine Art Urgestein. Er hält als Vereinsvorsitzender die Truppe zusammen, organisiert Auftritte, macht Werbung, ist Theaterchef, Schauspieler und ein bisschen auch Fels in der Brandung. 1994 war das theater coram publico gegründet worden. Damals als Truppe von Eltern im Freizeit- und Erholungszentrum Wuhlheide. Die hatten sich beim Kindertheater kennengelernt. Damals stand Hoghs Sohnemann auf der Bühne. Das können wir doch auch mal probieren, dachten sich die Mütter und Väter. Hoghs Sohn ist inzwischen Abteilungsleiter in einem großen Kaufhaus. Er selbst kam nie wieder los von der Schauspielerei. Nach Feierabend engagiert sich der Sicherheitstechniker aus Hohenschönhausen für sein Theater, das bis Ende März in der KultSchule an der Sewanstraße 43 probt.

Theaterregisseur mit Berliner Humor

Seit 2001 gab es 155 Inszenierungen. Seither führt man bei dem kleinen Theater Statistik. Das aktuelle Ensemble besteht aus acht Mitgliedern. Studenten und Dozenten sind darunter, eine Diplom-Agraringenieurin, eine Großhandelskauffrau – und ein Lehrer. Letzterer hat zu DDR-Zeiten mal Deutsch und Englisch unterrichtet, war als Lektor tätig und arbeitet derzeit als Kommunikationstrainer und Job-Coach: Stephan Ploog ist der aktuelle Regisseur des Theaters, ein freundlicher Mann mit langem, grauen Haar und Berliner Humor. Sein einstiger Job als Lehrer kommt ihm im Theater zu Gute. Ab und an muss er schon mal sein Ensemble zur Disziplin rufen – meist, wenn es wieder zu albern wird. Bei den Proben sitzt Ploog an einem großen Tisch, spielt von seinem Smartphone die im Ablaufplan festgehaltenen Musikstücke ab und überprüft anhand des 60 Seiten starken Manuskriptes, ob alle den Text gelernt haben.

„Shakespeares sämtliche Werke – leicht gekürzt“ ist eine witzige und extrem kurzweilige Inszenierung, bei der es sich um einen Kessel Buntes aus den 37 Bühnenstücken Shakespeares handelt. Die Darsteller, darunter auch Michael Hogh, schlüpfen in Dutzende Rollen. Sie spielen Hamlet und Julia, Opfer sowie Täter. Sie rappen Othellos Geschichte und gehen sich mit unscharfen Messern an die Gurgel. Sie sind Sänger, Komödianten, Charakterfiguren. Alles wirkt trotz des einen oder anderen Versprechers in den Proben professionell.

Für das aktuelle Stück passen alle Requisiten in eine Kiste. Das Bühnenbild ist übersichtlich. Ab und an kommen Holzschwerter oder mit Kunstblut verschmierte T-Shirts zum Einsatz. Michael Hogh muss auch in einer Szene eine Perücke und ein Tütü anziehen, was sehr lustig aussieht. Alles wird aufs Wesentliche reduziert. Das gehört eben auch zu einem Theater ohne Bühne.

veröffentlicht am 14. März 2014, Autor: Marcel Gäding

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