Thomas Wöhrl ist Physiotherapeut in Hohenschönhausen. Einen Großteil seiner Arbeitszeit verbringt er damit, die Schmerzen und Verspannungen der Eisbären-Spieler zu lindern.
Thomas Wöhrl ist Physiotherapeut in Hohenschönhausen. Einen Großteil seiner Arbeitszeit verbringt er damit, die Schmerzen und Verspannungen der Eisbären-Spieler zu lindern.

Thomas Wöhrl lindert seit 16 Jahren die Schmerzen der Eisbären-Spieler. Der 37-jährige Berliner ist Physiotherapeut und als solches der Mann, der bei den Eishockeyspielern Schmerzen und Verspannungen behandelt. Das Bezirks-Journal hat ihn besucht.

Thomas Wöhrl hat in diesen Tagen so viel zu tun wie nie in dieser Saison. Weil ein Spiel das andere jagt, sind die Behandlungs-Künste des 37-jährigen Physiotherapeuten der Eisbären besonders gefragt. Im Akkord knetet er Schmerzen und Verspannungen aus den Muskeln der Spieler, verabreicht wohltuende Salben – so lange, bis alle versorgt sind. „Es kommt schon vor, dass ich bis tief in die Nacht rumrenne“, sagt er.

Das geht inzwischen schon viele Jahre so. Nach einem kurzen Engagement bei den Fußballern von Hertha BSC, wechselte Wöhrl 1998 zu den Eisbären. Bommel, wie er hier von allen genannt wird, ist seit dem nicht mehr wegzudenken. Magische Hände werden ihm zugesagt. Weil er jedes noch so hartnäckige Leiden zu lindern versteht. Und das in kürzester Zeit. „Es gibt Tage, da kommen zwölf Leute“, erklärt er. „Wenn du nicht effizient bist, würdest du zwei Wochen rumkneten.“ Trainer Jeff Tomlinson weiß um die Bedeutung seines vielleicht wichtigsten Mitarbeiters: „Wir sind auf seine Überstunden angewiesen, um die Spieler fit zu kriegen.“

Das gilt auch für die hartnäckigeren Fälle wie Abwehrmann Jens Baxmann, der im November des letzten Jahres einen Kreuz- und Innenbandriss erlitt. Mit ihm ist erst kommende Saison wieder zu rechnen. „Schwere Verletzungen haben in den letzten Jahren zugenommen“, sagt Wöhrl, „weil das Spiel schneller und spezifischer geworden ist. Manche Teams haben die Strategie, uns kaputt zu machen.“

Natürlich weiß niemand genau, wann und wo ein Spieler einen gegnerischen Schläger vors Knie bekommt oder sich mit einer ungeschickten Bewegung den Oberschenkel zerrt. „Ein Auto kommt alle 20.000 Kilometer in die Werkstatt“, sagt er, „der Mensch kommt erst, wenn schon was passiert ist.“ Wöhrl ist deshalb als schneller Helfer bei jeder sportlichen Aktivität der Eisbären dabei – vom ersten Krafttraining im Sommer bis zum Ende der Saison, die man in den letzten Jahren stets als Meister abschloss.

Wenn mal kein Spieler auf der Warteliste steht, erweitert sich Wöhrls Bewegungsradius. Weiter geht es dann auf der anderen Straßenseite der Konrad-Wolf-Straße. Hier hat er 1998 zusammen mit seiner Frau Kyra die eigene Praxis „Physiowöhrld“ eröffnet. „Irgendwann hab‘ ich mich gefragt: Was machste im Sommer“, sagt er. Dass in unmittelbarer Nähe zum Sportforum ein Geschäftsraum leer stand, war ein Glücksfall. Im Kiez ist die Praxis ein gefragter Anlaufpunkt – für Sportler wie für alle anderen auch. Wegen der steigenden Nachfrage hat Wöhrl inzwischen noch vier weitere Mitarbeiter.

Das Arbeitsfeld Wöhrls – zumindest was die Tätigkeit bei den Eisbären geht – reicht allerdings weit über das eines gewöhnlichen Physiotherapeuten hinaus. Für die wirklich schweren Verletzungen ist Mannschaftsarzt Jens Ziesche zuständig. Weil Wöhrl manchmal aber schlichtweg schneller zur Stelle ist, braucht auch er überdurchschnittliches medizinisches Verständnis. Über die Jahre hat er sich deshalb beigebracht, bestimmte Phänomene schnell zu erkennen. Wie zum Beispiel den Innenbandriss bei Stürmer Julian Talbot Ende Dezember. „Als er sagte, er hat ein Knallen gehört, wusste ich gleich, was Sache ist.“ Es stellte sich als Innenbandriss heraus.

Genaues Wissen ist auch hinsichtlich der verwendeten Heilmittel ohnehin absolut wichtig. Manche Medikamente, die zu jeder Hausapotheke gehören, sind für die Spieler tabu – wegen der Antidoping-Bestimmungen. „Du musst verdammt vorsichtig sein“, sagt Wöhrl. Wobei Tabletten für ihn ohnehin nur das letzte Mittel sind. „Wirklich Erfolg hast du nur, wenn du den Ursachen auf den Grund gehst.“ Insofern in stressigen Zeiten eben Zeit dafür bleibt.

veröffentlicht am 14. März 2014; Autor: Benedikt Paetzholdt

Eisbären Berlin: Die magischen Hände von „Bommel“
Markiert in: