Erstmals findet in Lichtenberg eine Inklusionswoche statt – das Barnim-Gymnasium lebt die Integration bereits. Schulleiter Detlef Schmidt-Ihnen organisiert jetzt eine Lichtenberger Inklusionswoche.
Erstmals findet in Lichtenberg eine Inklusionswoche statt – das Barnim-Gymnasium lebt die Integration bereits.

Detlef Schmidt-Ihnen liebt dieses Bild: Das vor einigen Jahren aufgenommene Foto zeigt eine Gruppe von Schülern in der Hofpause. Acht Jungs, einer davon im Rollstuhl, einer mit einem sogenannten Migrationshintergrund, einer ist hochbegabt. Gemeinsam spielen sie Tischtennis. Dass drei der acht Jungen ein Handicap haben, fällt nicht ins Gewicht. Ganz im Gegenteil. „Wer unsere Schule besucht, der akzeptiert auch unsere Hausordnung“, sagt der Direktor des Barnim-Gymnasiums. Und dort steht als erster Satz Artikel 1 (1) des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Fast könnte das auch das Motto der ersten Lichtenberger Inklusionswoche sein, die Detlef Schmidt-Ihnen mit der Behindertenbeauftragten Birgit Herlitze organisiert. Sie beginnt am 12. März.

Das Foto, das Detlef Schmidt-Ihnen dieser Tage besonders oft und mit viel Stolz herumzeigt, steht für gelebte Inklusion am Barnim-Gymnasium. Inklusion kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Einbeziehen. Und das funktioniert an der Oberschule im Lichtenberger Ortsteil Falkenberg besonders gut. Rund 60 der 1000 dort unterrichteten Jugendlichen müssen mit einem Handicap leben. Darunter fallen neben sichtbaren Behinderungen auch Einschränkungen in Form von Lese-Rechtschreib-Schwäche, Diabetes oder Leukämie. Spezielle Integrationsteams sind am Barnim-Gymnasium aktiv: Integrationslehrer, Schulhelfer, Ambulanzhelfer und Sozialpädagogen unterstützen Schüler und Lehrkräfte im Schulalltag. „Die betroffenen Schüler erhalten gegebenenfalls Einzelunterricht“, sagt Detlef Schmidt-Ihnen. Keiner soll auf der Strecke bleiben, alle nach Möglichkeit die gleichen Chancen erhalten. Seit mehr als zehn Jahren gibt es eine gute Zusammenarbeit mit der Tandem GmbH, die Schulhelfer qualifiziert und beschäftigt. Die Finanzierung der Helfer erfolgt durch die Senatsverwaltung für Bildung. Berlinweit ist dieses Konzept einmalig. Auch bundesweit gibt es nur wenige Oberschulen, in der das Thema Inklusion so gelebt wird. Dabei gibt es über die UN-Behindertenrechtskonvention längst einen Rechtsanspruch: Menschen mit Handicap sollen demnach gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Als Vater eines behinderten Sohnes weiß Detlef Schmidt-Ihnen: Papier ist geduldig. Und nicht überall gelingt die Inklusion so wie an seiner Schule.

An die 50 Lichtenberger Einrichtungen – darunter Vereine, Behörden, Wohnprojekte und Schulen – haben Detlef Schmidt-Ihnen und die Lichtenberger Behindertenbeauftragte Birgit Herlitze zur ersten Lichtenberger Inklusionswoche eingeladen. Zunächst war nur an einen Aktionstag gedacht. „Doch bei der Vielfalt der Einrichtungen haben wir uns darauf verständigt, daraus eine Inklusionswoche zu machen“, sagt der Direktor des Barnim-Gymnasiums. In erster Linie soll es darum gehen, die Vielfalt von Einrichtungen abzubilden, die bereits aktiv in Sachen Inklusion tätig sind und die Vernetzung voranzutreiben.

Geplant ist, dass in dieser Woche Einrichtungen und Träger ihre Inklusionsarbeit vorstellen, zum Beispiel Werkstätten, Kitas und Schulen. Auf dem Programm stehen auch Workshops und Vorträge, unter anderem für hochbegabte Menschen. Lichtenbergs Bürgermeister Andreas Geisel (SPD) ist Schirmherr. „Die Menschen, die sich für Inklusion engagieren, wissen sehr wenig voneinander“, sagt Schmidt-Ihnen.

veröffentlicht am 9. Februar 2014, Autor: Marcel Gäding

Inklusion: Lichtenberg plant Aktionswoche
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