Peter Liebers holte sich dreimal in Folge den Titel im Eiskunstlauf – jetzt geht es nach Sotschi zu Olympia

Peter Liebers beim Training. Foto: Marcel Gäding
Peter Liebers beim Training. Foto: Marcel Gäding

So richtig verschnaufen kann man das nicht nennen so kurz nach Weihnachten. Gerade einmal zwei Tage konnte Peter Liebers mal die Beine hochlegen, das Fest im Kreise seiner Lieben genießen und etwas entspannen. Doch danach steht er schon wieder auf dem Eis – so wie jeden Tag. Seine Trainerin Viola Stiegler will es heute in der Trainingshalle auf dem Gelände des Sportforums Hohenschönhausen noch etwas ruhig angehen lassen. Denn Stress hat Peter Liebers in den kommenden Wochen noch genug. Erst geht es für den SC Berlin zur Europameisterschaft nach Budapest, und schon Anfang Februar steht Liebers bei den Olympischen Winterspielen auf dem Eis. Er ist für den Sportclub Berlin ein gutes Aushängeschild, aber nicht das Einzige. Mit ihm werden Bente Kraus und Samuel Schwarz im Eisschnelllauf nach Russland fahren.

Der Deutsche Meister wirkt bescheiden, fast ein bisschen schüchtern, vor allem aber völlig unaufgeregt so kurz vor Olympia. Gemeinsam mit Sarah Hecken, die auch Deutsche Meisterin ist, trainiert er an diesem kalten Vormittag – jeder allerdings für sich. In schnellem Tempo geht es aufs Eis, werden Pirouetten gedreht und Sprünge gewagt. Ein CD-Player spielt die Instrumentalversion „Who Wants to Live Forever”. Das gehört zu Liebers’ Programm in dieser Saison, genau wie „Clocks by 2Cellos ft. Lang Lang“ und „Smells Like Teen Spirit“ von David Garrett. Eine Stunde ist Liebers jetzt auf dem Eis, danach ist eine kurze Pause, bevor es weitergeht mit einer ganzen Latte von terminlichen Verpflichtungen: Ballettmeister, Physiotherapeut und am Ende wieder Trainerin Viola Stiegler in der Halle. Acht Leute stehen hinter dem, was Peter Liebers am Ende auf dem Eis liefert – theoretisch. Denn in der Praxis ist der 25-Jährige Alt-Hohenschönhausener ganz auf sich allein gestellt. Die Technik muss funktionieren, damit der Kopf frei ist für alles Ästhetische.

Peter Liebers wurde der Eiskunstlauf in die Wiege gelegt, denn sein Vater Mario Liebers war eine Größe im DDR-Eiskunstlauf. Also war es nur eine Frage der Zeit, bis der eisbegeisterte Vater seinem Sohnemann die Schlittschuhe anzog und mit ihm aufs Eis ging. 1994 wurde Peter Liebers schließlich das erste Mail zum Training geschickt. 2008 machte er sein Abitur und wurde Berufssoldat. Seitdem ist er Sportkader der Bundeswehr, die ihm den Rücken für seinen Sport frei hält. Denn trainiert wird jeden Tag. Das ist ein Fulltimejob auf dem Eis.

Peter Liebers mit seiner Trainerin. Foto: Marcel Gäding
Peter Liebers mit seiner Trainerin. Foto: Marcel Gäding

Dreimal hintereinander wurde Liebers Deutscher Meister – 2011, 2012 und 2013, insgesamt holte er sich diesen Titel fünfmal. Er ist glücklich, dass er wieder unterbrechungsfrei auf dem Eis stehen kann. Eine ganze Serie von Verletzungen zog Liebers aus dem Verkehr. Zusammengerechnet fehlen ihm mit allem drum und dran vier Jahre. Gerade erst hat er für sich entschieden, bis zu seinem 29. Lebensjahr als Profi auf dem Eis zu stehen und dafür sein Studium der Biotechnologie hinten anzustellen. Er will es wissen, und das überrascht seine Trainerin Viola Stiegler keineswegs. „Ich kenne den Peter, seit er sechs ist“, sagt sie. „Er hat Ehrgeiz und vor allem viel Spaß auf dem Eis.“ Er habe das Zeug, gute Medaillenplätze zu erringen. „Allerdings muss dafür sein Vierfachsprung stehen.“ Der gilt bei Experten als hohe Hürde – Liebers machte erst im Dezember Schlagzeilen, als ihm in seiner Heimatstadt der Vierfachsprung das erste Mal gelang. „Peter hatte schon immer das Ziel, nach vorne zu kommen.“

Eine Medaille aus Sotschi oder Budapest mitzubringen wäre schon was Großes. Ein einstelliger Medaillenplatz würde den ehrgeizigen Eiskunstläufer für sein hartes und intensives Training belohnen Die Mühe, jedes Jahr nach Toronto (Kanada) zu fliegen, um mit seiner Choreografin zu üben, würde sich dann lohnen und der Verzicht, den Liebers für den Sport in Kauf nimmt seit er denken kann. „Andere haben als Jugendliche am Wochenende Partys gefeiert, ich stand auf dem Eis“, schmunzelt Liebers. Nächstes Jahr, das ist sicher, wird nach den sportlichen Verpflichtungen erst einmal geheiratet. Denn Liebers hat mit seiner Verlobten eine Frau gefunden, die Verständnis für seine Begeisterung hat. Sie war auch mal professionelle Eiskunstläuferin. Zusammen bewohnt das Paar eine Wohnung nahe dem Sportforum.

Überhaupt hat es Peter Liebers gut getroffen, wie er findet. Seine Eltern zogen der Kinder wegen – Bruder Martin ist ebenfalls Eiskunstläufer – nach Alt-Hohenschönhausen. Hier war ihre sportbetonte Schule, hier konnten sie zum Trainieren hinlaufen. „Das Sportforum bietet uns Sportlern wie keine andere Einrichtung in der Bundesrepublik die besten Voraussetzungen“, sagt Liebers. Denn neben den Trainingshallen bietet der Komplex zwischen Konrad-Wolf-Straße und Weißenseer Weg eine gute Infrastruktur für die Sportler. „Die Betreuungsmöglichkeiten sind einfach ideal.“

Olympia: Der bescheidene Deutsche Meister
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