Jazz Treff Karlshorst bietet internationalen Künstlern eine Bühne

Die Jazz-Messengers-Memorials auf der Bühne. Foto: Jazz-Treff
Die Jazz-Messengers-Memorials auf der Bühne. Foto: Jazz-Treff

Eine Jazzszene in Lichtenberg? Gibt es die tatsächlich? Liebhaber von Blues, Swing und Dixieland-Musik werden jetzt bestimmt eifrig mit dem Kopf nicken. Denn bereits in den 1970er-Jahren hat sich hier eine Jazzkultur gebildet, die seitdem weit über die Bezirksgrenzen hinaus für Furore sorgt. Internationale Künstler gaben und geben sich hier die Klinke in die Hand – wie beispielsweise Cynthia Sayer, die über ein Jahrzehnt Mitglied in Woody Allen’s Jazzband war und als Banjospielerin in Karlshorst gastierte, oder die bei Freunden des Swing beliebte Sarah Elgeti mit ihrem Quintett aus Dänemark. Aber auch Ensembles aus Deutschland gehören mittlerweile zu den immer wiederkehrenden Gästen des Jazz Treff Karlshorst e.V., der die Künstler aus aller Welt seit 20 Jahren nach Lichtenberg auf die Bühne holt.

„Wir sind jetzt wieder hier angekommen und immer noch unterwegs.“ Das sagt Dr. Frank Welskop, Vorstandsvorsitzender des Jazz Treff Karlshorst e.V., nach der Rückkehr des Vereins ins neu gebaute Kulturhaus Karlshorst. Man sei zwar zurück am alten Standort, aber in einer ganz anderen Situation und somit ständig mit neuen Herausforderungen konfrontiert. „Wenn man zwei Jahre weg vom Fenster ist, muss es sich erst einmal wieder rumsprechen, dass man zurück ist“, sagt Welskop weiter. Und es hat sich herumgesprochen! Beim traditionellen „Jazz im Advent“ im letzten Dezember war der Saal „brechend voll“. Auch die nächste Veranstaltung ist schon wieder ausverkauft. Das aktuelle Programm des Jazz Treff Karlshorst bietet bis in den Sommer hinein eine Vielzahl akustischer Leckerbissen sowohl für das geschulte Jazzohr als auch für Musikliebhaber jedweder Couleur.

Als das alte Kulturhaus gegenüber des S-Bahnhofs Karlshorst im Jahr 2011 abgerissen wurde, musste der 1992 gegründete Verein auf eine andere Spielstätte ausweichen und fand in der Max-Taut-Aula in der Fischerstraße 36 eine vorübergehende zweite Heimat. Zuerst waren die Mitglieder sehr skeptisch, weil sie befürchteten, dass einige Stammgäste diesen Umzug nicht mitgehen und den Veranstaltungen zukünftig fernbleiben könnten. Glücklicherweise hatte man sich da weitgehend geirrt. Natürlich war manchem treuen Besucher der Weg zum Nöldnerplatz zu weit. Allerdings lockte der Standortwechsel auch ein neues Hörpublikum an. Innerhalb von zwei Jahren wurde ein Spielbetrieb aufgebaut, der mittlerweile pro Veranstaltung rund 200 Zuschauer musikalisch begeistert. Besonders beliebt sind hier die Sessions, bei denen die Jazzliebhaber auch selbst das Tanzbein schwingen dürfen.

Aus der Not wurde mit der Zeit eine Tugend, denn die Veranstaltungen in der Max-Taut-Aula werden von den Lichtenbergern sehr gut angenommen und haben sich fest im Kalender etabliert. Die Spielzeit 2014/15 ist bereits komplett abgesichert, was der Jazz Treff Karlshorst zum Teil auch dem Kulturamt des Bezirks zu verdanken hat, mit dem man sehr gut zusammenarbeitet, wie Dr. Frank Welskop bestätigt: „Das Kulturamt unterstützt uns sehr stark, das muss an dieser Stelle mal erwähnt werden.“ Nach der Neueröffnung des Kulturhauses Karlshorst am 4. Mai 2012 konnte auch der Betrieb an alter Wirkungsstätte wieder aufgenommen werden. „Hier ist ein Domizil für modernen Jazz entstanden. Wir wollen gezielt ein jüngeres Publikum ansprechen, indem wir hier auch Veranstaltungen mit Werkstattcharakter für kleinere Gruppen anbieten“, erklärt der Vorstandsvorsitzende des Vereins. Er selbst steht auch gern mal für eine Jam-Session auf der Bühne. Ihm bereitet dabei vor allem das Unerwartete große Freude: „Wo ich rauskomme, weiß ich vorher nicht. Das ist ja das Spannende. Ich spiele Sachen, die vorher noch nie erklungen sind auf der Welt, und die auch nie wieder zu hören sein werden.“

Auf weitere musikalische Highlights können sich die Freunde des Jazz Treff Karlshorst außerdem im Frühjahr freuen. Bei den Wochen des Jazz, die vom Kulturhaus Karlshorst initiiert werden und zwischen dem 15. März und 12. April stattfinden, ist der Verein Teil des Programms. jk

Die Hauptschlagader des Jazz pulsiert in Lichtenberg
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