Thomas Ziolko leitet den Förderverein der Hauptstadtzoos. Er erwartet vom Land Berlin weiter Unterstützung

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Thomas Ziolko ist Vorsitzender der Fördergemeinschaft von Zoo und Tierpark. Politisch ist er in der CDU zu Hause. Foto: privat

Der Tierpark Berlin hat in diesem Jahr viele Schlagzeilen gemacht. Weil es für Europas größten Landschaftstiergarten an Konzepten fehlt, steht die Zukunft der 160 Hektar großen Anlage auf dem Spiel. Der umstrittene Direktor von Zoo und Tierpark, Dr. Bernhard Blaszkiewitz, muss dieses Jahr seinen Hut nehmen. Er macht Platz für Dr. Andreas Knieriem, bislang Chef des Münchener Zoos. Knieriem muss nun die Hauptstadtzoos auf Kurs bringen. Dabei kann er sich der Unterstützung der Fördergemeinschaft gewiss sein. Mehr als 2000 Berlinerinnen und Berliner unterstützen den Verein, dem Thomas Ziolko vorsteht. Ein Gespräch.

Herr Ziolko, der Tierpark und Zoo sorgen seit gewisser Zeit nicht nur für gute Schlagzeilen. Neben der Kritik am scheidenden Direktor Dr. Bernhard Blaszkiewitz machen sich viele Persönlichkeiten auch Sorgen um die Zukunft der Berliner Tiergärten. Die CDU präsentierte vergangenes Jahr eigene Ideen für die Zukunft des Tierparks, die SPD will gar ein Spaßbad errichten. Dieses große Interesse müsste Sie doch freuen…

Grundsätzlich freut es mich, dass die Hauptstadtzoos wieder eine breite gesellschaftliche Unterstützung erfahren. Das Land Berlin hat erstmals nach über zehn Jahren die Zuwendungen für den Tierpark erhöht und gleichzeitig zusätzliche Investitionsmittel in Höhe von fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Dies ist der richtige Entschluss zum richtigen Zeitpunkt. Nun sind finanzielle Rahmenbedingungen gesetzt, die weiter ausgebaut werden müssen. Der nächste Schritt ist es auf Grundlage einer soliden Entwicklungsplanung vom Tierpark aufbauend eine mittelfristige Investitionsplanung des Tierparks abzusichern. Es darf nicht bei einer Einmalzahlung bleiben. Das Land Berlin ist weiterhin in der Verantwortung.

Die Öffentlichkeit muss jetzt aber auch dem zukünftigen Direktor Dr. Andreas Knieriem Raum und Zeit lassen, eine nachhaltige Planung zu entwickeln. Dies setzt die Beteiligung der Mitarbeiter, der Besucher und von anderen Partnern voraus. Dabei gilt es, die jeweilige Tradition und die Besonderheiten von Zoo und Tierpark zu bewahren und gleichzeitig die Hauptstadtzoos für die Zukunft zu gestalten.

Ihre Fördergemeinschaft wird inzwischen von mehr als 2.000 Menschen getragen, darunter sind auch viele Stammbesucher. Welche Vorschläge hat Ihr Verein, vor allem für den Tierpark?

Wir werden als Förderverein mit all unserer Kraft die bevorstehenden Herausforderungen annehmen. Der Tierpark steht vor einer historischen Weichenstellung; er muss jetzt im 21. Jahrhundert ankommen. Diesen Prozess haben wir im letzten Jahr mit Zukunftsdialogen aktiv begleitet. Wir werden weiter Kooperationspartner suchen und vor allem im engen Einvernehmen mit Dr. Knieriem die Entwicklung vom Tierpark gestalten. Der Tierpark muss sich in vielen Bereichen neu erfinden: im Service, in der Tierhaltung, in der Bildungsarbeit, in der Forschung und auch im Natur- und Artenschutz. Als Förderverein werden wir die Projekte, die wir bereits 2013 entwickelt haben, weiterhin ausbauen. Dies sind im Besucherservice unser Projekt „Besucher-Scouts“, die kommentierten Fütterungen und die Besucherführungen und vieles mehr.

Mit dem Wechsel an der Spitze der von Zoo, Tierpark und Aquarium sind viele Hoffnungen verbunden. Stellen wir uns mal vor, Sie treffen sich mit dem künftigen Chef Dr. Andreas Knieriem zum Spaziergang im Tierpark – was werden Sie ihm als Erstes zeigen und welche Projekte müssten jetzt mit Vorrang angegangen werden?

Der Tierpark hat eine Vielzahl von Baustellen und es besteht in vielen Bereichen ein enormer Veränderungsbedarf. Der Tierpark hat aber auch Stärken, die ihn abheben von allen anderen Zoos in Deutschland. Er ist nicht nur der größte Zoo in der Welt, er ist ein historischer Landschaftspark mit dem Schloss Friedrichsfelde als Mittelpunkt. Er hat einen großartigen Tierbestand und eine vielfältige Botanik. Daher ist es schwierig, was als Erstes ich ihm zeigen würde. Die Vielfalt vom Tierpark ist sein Potenzial. Eines der ersten Projekte wird es jedoch sein, ein Klima der Kreativität, der Beteiligung und der gegenseitigen Anerkennung im Tierpark zu schaffen. Eines der Stärken vom Tierpark sind eben auch die Mitarbeiter.

Sie selbst sind in Lichtenberg aufgewachsen, wohnen im Bezirk und engagieren sich stark für den Tierpark. Welche persönliche Beziehung haben Sie zu dieser Einrichtung?

Ich bin mit dem Tierpark groß geworden. Mit meinen Eltern war der Tierpark ein fester Ausflugsort in der Jahresplanung. Die Größe vom Tierpark hat mich beeindruckt und die spannende Geschichte des Parks. Ich habe die schwierige Situation in der Nachwendezeit mitbekommen und die öffentlichen Diskussionen über den Erhalt vom Tierpark. Der Tierpark sind 160 Hektar lebendiges Lichtenberg, welcher weit über die Bezirksgrenzen hinaus ausstrahlt. Als Lichtenberger können wir stolz darauf sein, dass wir den Tierpark mit dem Schloss Friedrichsfelde vor der Haustür haben.

Dass sich Berlin von einer Einrichtung trennt – Zoo oder Tierpark – ist nicht vorstellbar. Was sollte jedoch unternommen werden, um das Profil der Einrichtungen zu schärfen und beiden eine Art Existenzberechtigung zuzuschreiben?

Mittelfristig muss sich das Land Berlin dazu bekennen, dass zoologische Einrichtungen, die auch einen Bildungsauftrag haben, nicht zum Nulltarif zu bekommen sind. Die Politik muss erkennen, dass Subventionen für Zoos in der Gesamtheit gut investiert sind und nachhaltig den Natur- und Artenschutz damit unterstützen. Wir müssen die Unterschiedlichkeit von Zoo und Tierpark als Bereicherung begreifen und langfristig sicherlich auch eine unternehmerische Gesellschaftsform finden, die Tierpark und Zoo unter einem Dach absichert.

Die Fördergemeinschaft machte zuletzt auf sich aufmerksam, als es um die Zukunft von Schloss Friedrichsfelde ging. Der direkt im Tierpark befindliche Bau wurde dank des Vereins wieder zu einem Besuchermagneten. Jetzt soll der Barockbau auch die Verwaltung des Tierparks aufnehmen. Das dürfte etwas eng werden für Schlosskonzerte, Lesungen und Hochzeiten…

In der Tat war die Art und Weise des Umzugs der Tierpark-Verwaltung ins Schloss Friedrichsfelde nicht geprägt von einer kooperativen und zukunftsorientierten Zusammenarbeit. Dank der Unterstützung vom Aufsichtsrat ist hier eine Lösung gefunden worden, mit der wir als Förderverein die Vielzahl der Veranstaltungen absichern können und damit auch die für den Tierpark so wichtigen Einnahmen. Mit Dr. Andreas Knieriem werden wir dann an einer langfristigen Lösung arbeiten, und dies bedeutet sicherlich auch, dass zum entsprechenden Zeitpunkt das bisherige Verwaltungsgebäude wieder genutzt wird.

Mit dem Zug ist man in anderthalb Stunden in Leipzig. Der dortige Zoo ist zwar vom Eintritt her teurer, hat aber auch eine fulminante Tropenhalle, in der sich exotische Tiere frei bewegen. Warum, meinen Sie, sollte ich mir die Fahrt nach Leipzig sparen und in den Tierpark Berlin gehen?

Ich finde nicht, dass Sie sich die Fahrt nach Leipzig sparen sollten. Der Leipziger Zoo ist einer der modernsten Zoos in Deutschland. Er ist wegweisend in der Tierhaltung sowie in der Bildungs- und Artenschutzarbeit. Und im Übrigen ist Leipzig auch eine schöne Stadt. Dem Tierpark Berlin muss es gelingen, dass der Tagestourist aus Leipzig bewusst nach Berlin fährt, um sich den größten europäischen Landschaftszoo anzusehen. Hier findet er einmalige Kombination von Tier, Natur und Kultur. Dies gibt es in keinem Zoo in Deutschland in dieser Form. Dieses Alleinstellungsmerkmal müssen wir transportieren.

Zoos gibt es nicht zum Nulltarif
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