„chocri“ kreiert an der Plauener Straße individuelle Schokolade und Pralinen nach Kundenwunsch

Chocri Berlin
Katharina Raatz von Chocri. Foto: Marcel Gäding

Auf den Gängen von „chocri“ riecht es nach Kakaobutter. Es ist ein ungewöhnlicher Geruch, der über die Flure des Gewerbezentrums an der Plauener Straße zieht. Hinter dicken Stahltüren und unter lauter Musik entsteht zwischen Tischlereien und Werbeagenturen in aufwendiger Handarbeit Schokolade, die Kunden zuvor bei dem Unternehmen über das Internet bestellt haben. 80 Zutaten stehen dafür in einem Metallregal bereit: Getrockneter Bratapfel, Butterkekse, Blütenmix oder Chilischoten können von den Kunden mit wenigen Mausklicks gewählt werden. Auch Echtgoldpulver, Himalaya-Salz oder Kartoffelchips warten auf ihre Verarbeitung.

In einem für die Öffentlichkeit hygienisch abgeriegelten Bereich träufeln Mitarbeiter die Zutaten auf die zuvor erwärmte belgische Schokolade. Danach gehen die Tafelformen in die Kühlung, um innerhalb von 45 Minuten auszuhärten. „Rein rechnerisch gibt es 27 Milliarden Möglichkeiten für individuelle Schokoladentafeln“, sagt Vertriebsleiter Alexander Ertner von „chocri“. Die Basis bilden Vollmilchschokolade, Zartbitterschokolade, weiße Schokolade sowie im Winter Karamellschokolade und im Sommer Erdbeerschokolade. Alles aus nachhaltigem Anbau, alles zertifiziert. 2,90 Euro kostet eine Tafel, den Belag gibt es ab 25 Cent. Jede Verpackung kann mit einem eigenen Namen versehen werden.

Über mehrere Etagen erstreckt sich die Produktion der chocri GmbH, die 2008 gegründet wurde. Dass das Unternehmen inzwischen Weltmarktführer für handgefertigte Schokokreationen ist, hängt mit einem Zufall zusammen. Einer der beiden Gründer, Franz Duge, kam eher beiläufig auf die ungewöhnliche Geschäftsidee. „Er war auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für seine Freundin“, erzählt Alexander Ertner. Und weil die Zeit knapp war, griff er zu ungewöhnlichen Mitteln. Er erwärmte in seiner Küche weiße Schokolade und bestreute diese mit den Lieblingssüßigkeiten seiner Liebsten: Der Belag aus Gummibärchen und Studentenfutter kam so gut bei der Beschenkten und im Freundeskreis an, dass sich Duge entschloss, die Idee auszubauen. Gemeinsam mit seinem Freund Michael Bruck gründete er „chocri“. Die ersten Tafeln wurden noch in der heimischen Küche produziert. Ein Video aus dieser Zeit ist bei „chocri“ im Internet abrufbar.

Ein Jahr nach der Gründung zeichnete das Magazin „WirtschaftsWoche“ die beiden Unternehmer mit dem Gründerpreis aus. 2010 stieg Ritter-Sport mit einem Drittel in das Geschäft ein. Sechs Jahre danach ist „chocri“ in Spitzenzeiten Arbeitgeber von rund 100 Menschen – viele davon stammen aus der Region Hohenschönhausen. Lernen kann man den Job, Schokolade mit der Hand zu kreieren, nicht. „Man sollte aber zuvor schon einmal kreativ gearbeitet haben und ein Händchen dafür besitzen, Schokolade zu gießen und anschließend zu belegen“, sagt Produktionsmitarbeiterin Katharina Raatz. Wer mit seinem Können überzeugt, bekommt den Job als Chocolatier.

Cola-Flaschen mit Namen

In der Hochsaison wie vor Weihnachten verlassen mehrere Tausend Tafeln am Tag die Produktion in Hohenschönhausen. Das Geschäft von „chocri“ wurde inzwischen auf andere individuelle Produkte ausgeweitet. So werden an der Plauener Straße kleine Cola-Flaschen mit Namen beklebt, die zuvor in einem von „chocri“ betreuten Internetportal bestellt werden konnten. Mittlerweile wurde das Internetportal um Pralinen erweitert, die man sich genauso individuell zusammenstellen lassen kann wie Schokoladenpräsente. Derzeit ist „chocri“ die größte Online-Confisserie weltweit. Neben Privatkunden bestellen auch Unternehmen dort individuelle Schokoladen als Werbepräsente. „Einige Firmen lassen sich von uns die Geburtstagsgeschenke für ihre Mitarbeiter kreieren“, verrät Alexander Ertner. Andere Unternehmen lassen von „chocri“ Briefe an Kunden verschicken, die sich zuvor beschwert und geärgert haben. Selbst das Anschreiben mit dem Briefbogen des Auftraggebers wird in Hohenschönhausen individualisiert.

„chocri“ hat mittlerweile viele Nachahmer gefunden, denn die Geschäftsidee fanden auch andere Gründer gut. „Wir müssen uns eben auf dem Markt behaupten“, sagt Alexander Ertner. Neue Ideen liefern teilweise die Mitarbeiter selbst. Aktuell wird daran gearbeitet, die individuellen Schokoladen und Pralinen auch in anderen europäischen Ländern anzubieten. 

ERFOLGSGESCHICHTE

Die Idee: Basis von „chocri“ bildet die Kreation von individueller Schokolade. Über einen Konfigurator können Kunden neben der Schokoladensorte auch bis zu sechs Zutaten als Belag wählen. Darüber hinaus stehen verschiedene Verpackungen zur Verfügung, die ebenfalls individuell gestaltet werden. „chocri“ bietet aber auch Geschenkboxen, Minischokolade und Pralinen an. Darüber hinaus umfasst das Portfolio Trinkschokolade, Schokoabos und Weihnachtskalender.

Das Unternehmen: Gegründet wurde „chocri“ im September 2008 zunächst für Privatkunden. Die ersten Geschäftskunden konnten im Oktober 2009 versorgt werden. 2010 gewinnt „chocri“ den Preis „GründerChampion“ der KfW-Bank. Auftraggeber sind neben Privatpersonen aus der gesamten Bundesrepublik namhafte Unternehmen – darunter Banken, Hotels und Baumärkte.

Mehr im Internet:
www.chocri.de

Galerie: So entstehen die süßen Verführungen

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