Familien haben Lichtenberg für sich entdeckt – das lockt auch Investoren, die auf den Wohnstandort setzen

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Wohnen im Grünen, dennoch stadtnah: Das HOWOGE-Projekt Lindenhof. Foto: HOWOGE

Das frühere Bürogebäude der Staatssicherheit an der Wartenberger Straße war lange Zeit ein Schandfleck. Der Leerstand hinterließ seine Spuren – gut sichtbar an der Fassade: So gut wie kein Fenster blieb heil. Doch seit Monaten wird an dem Mehrgeschosser am Rande Alt-Hohenschönhausens gebaut. Neue Fenster, Leitungen und Wände kamen ins Haus, das sich von einer hässlichen Ruine zu einem ansehnlichen Wohnquartier wandelt. „Q 100“ heißt das Projekt, in das 18,5 Millionen Euro fließen. Schon in diesem Jahr sollen die ersten Bewohner einziehen, teilt die Ulrich und Lakomski G 100 GbR mit.

Es ist kaum vorstellbar, aber in Lichtenberg und Hohenschönhausen fehlt es langsam an bezahlbaren Wohnungen. Jedes Jahr steigt die Bevölkerungszahl um 2.000 Einwohner. „Meist sind es junge Familien, die in unseren Bezirk ziehen“, sagt Wilfried Nünthel, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung. Die interessieren sich dann für das Wohnen im Grünen, das mit einer komfortablen Nähe zur Innenstadt verbunden ist. Bis 2025 gibt es Potenzial für bis zu 12.000 neue Wohneinheiten. Aber auch die Altbestände der Wohnungsgenossenschaften und kommunalen Wohnungsbauunternehmen sind gefragt. Dort liegt der Leerstand meist bei unter zwei Prozent. „Zunehmend findet dort der demografische Wandel statt“, sagt Nünthel. So beobachten er und seine Mitarbeiter rund um die Volkradstraße in Friedrichsfelde, dass junge Familien in das in den 1960er-Jahren erbaute Viertel ziehen. Nünthel wertet das wachsende Interesse nach Wohnen in Lichtenberg als Zeichen für eine gute Infrastruktur in Form von Spielplätzen, Schulen und Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. 

Rechnet man die Baugenehmigungen für das zurückliegende und gerade begonnene Jahr zusammen, wächst Lichtenberg derzeit um etwa 2.500 Wohnungen. Viele sollen zu moderaten Preisen vermietet werden, wünscht sich das Bezirksamt. Neben den Quartieren in einfacher Ausstattung sind aber auch Wohnungen für gehobene Ansprüche geplant. „Wir profitieren natürlich auch ein Stück weit vom Berlin-Aufschwung“, sagt Nünthel. In Lichtenberg funktioniere das Zusammenleben unterschiedlicher sozialer Gruppen. Und es gibt noch Potenzial.

Die Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE ist derzeit an mehreren Stellen im Bezirk aktiv. Nachdem sich das Unternehmen zuletzt um Sanierung und Bestandsverwaltung gekümmert hat, wird jetzt unter seiner Regie gebaut. Die neuen Quartiere entstehen teilweise an prominenter Stelle – unter anderem gegenüber vom Ring-Center nahe dem Rathaus Lichtenberg an der Ecke Frankfurter Allee und Möllendorffstraße. Bis 2015 sollen 215 Mietwohnungen bezugsfertig sein. Bis 2018 steigt die Zahl der HOWOGE-Wohnungen von derzeit 54.000 auf 60.000. Einige wurden bereits dazugekauft, andere entstehen komplett neu. 1.500 Wohnungen kommen im Rahmen der Neubauprojekte ins Portfolio – unter anderem auf dem Gelände des früheren Kinderkrankenhauses Lindenhof in Alt-Lichtenberg oder an der Treskowallee nahe der Hochschule für Technik und Wirtschaft. „Unsere Neubauquartiere sollen lebenswerte Quartiere mit einer gut durchmischten Sozial- und Altersstruktur sein“, erklärt HOWOGE-Geschäftsführerin Stefanie Frensch.

Wenn alles nach Plan verläuft, dann werden im Lindenhof an der Gotlindestraße spätestens im kommenden Jahr die Bauarbeiten beginnen. Eingebettet ist das frühere Krankenhausgelände in den Landschaftspark Herzberge. Vom tosenden Lärm der Großstadt ist dort nichts mehr zu spüren. „Solche Standortvorteile sind gefragt“, sagt Stadtentwicklungsstadtrat Wilfried Nünthel. Geplant ist, dass sich die Neubauten in die Landschaft einpassen. Die Rede ist von verschiedenen Hof- und Waldbereichen.

Bauboom in Lichtenberg
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