Vor 20 Jahren eröffnete das ABACUS Tierpark Hotel – das inhabergeführte Haus behauptet sich auf einem hart umkämpften Berliner Hotel-Markt

Abacus Tierpark Hotel
Karen Friedel, Hotel-Chefin. Foto: Marcel Gäding

Die Direktorin lächelt, und das macht sie eigentlich so gut wie immer. Egal, wie viel Stress sie gerade hat: Karen Friedel lächelt. Es ist nicht dieses aufgesetzte Service-Lächeln, das man als Kunde oder Gast häufig sieht. Die Chefin des ABACUS Tierpark Hotel strahlt überaus viel natürliche Freundlichkeit aus – und ist nicht allein in ihrem Haus. Die Damen an der Rezeption lächeln, und selbst hinter der sich öffnenden Fahrstuhltür steht ein Servicemitarbeiter des Hotels und strahlt über das ganze Gesicht.
Gute Laune gehört zum guten Ton im ABACUS an der Franz-Mett-Straße gegenüber vom Tierpark Berlin. Das Vier-Sterne-Hotel behauptet sich seit 20 Jahren am hart umkämpften Berliner Hotelmarkt und entstand an der Stelle eines Jugendtouristenhotels namens „Egon Schultz“. Von dem existieren nur noch Postkarten.Zu sehen ist dort DDR-Einheitsmobiliar. Das kannten viele zur Genüge aus alten Folgen der DDR-Fernsehreihe „Ferienheim Bergkristall“. Bis zum Mauerfall dominierte jenes Interieur in den Übernachtungsbetrieben der Deutschen Demokratischen Republik – vom Erzgebirge bis nach Usedom.

Von dem DDR-Charme ist nichts mehr übrig: Nur noch Teile des Baukörpers stammen aus den 1970er-Jahren. Nach dem Fall der Mauer durfte das Hotel noch in alter Manier weitermachen, bevor es 1993 den Besitzer wechselte und seit 1997 die Tierpark Hotel GmbH die Geschicke leitete. Seither ist es ohne Unterbrechung inhabergeführt. Im Eingangsbereich entstand eine großzügige Lobby, lichtdurchflutet und mit Tierskulpturen. Um die Jahrtausendwende kam ein Wintergarten dazu. Die Zimmer wurden mehrfach renoviert, bekamen neue Teppiche, Möbel und Bäder. Zuletzt wurden alte Röhrenfernseher gegen moderne Flachbildschirme getauscht. „Komischerweise achten unsere Gäste auf solche Kleinigkeiten besonders“, sagt Karen Friedel. Das Haus mit seinen 94 Mitarbeitern, 278 Zimmern und 525 Betten ist so groß, dass es sich eine eigene Malertruppe leistet. Die ist den ganzen Tag in den zehn Etagen unterwegs, um zu malern oder Teppich zu verlegen. Ein Haus dieser Größenordnung will gepflegt sein. Sticht ihr mal was ins Auge, nimmt sich Karen Friedel gleich Zettel und Stift. Die Notiz reicht sie an ihre Servicemitarbeiter weiter.

Karen Friedel springt an manchen Tagen mit flottem Schritt von Termin zu Termin, von einer Besprechung in die nächste. Sie war schon Mitarbeiterin im Jugendtouristenhotel und stieg 1993 im Verkauf ein. „Damals waren wir östlich vom Alexanderplatz das einzige Haus“, schwärmt die zierliche Frau. „Das waren wunderbare Zeiten!“ Aus aller Welt kamen die Berlin-Besucher, um die wiedervereinte Stadt zu erleben, Reste der Mauer zu entdecken. Bis Mitte der 1990er-Jahre der Strom zunächst abbrach. Denn Berlin, wie es heute gut elf Millionen Touristen anzieht, war viele Jahre kaum gefragt. London oder Paris liefen der deutschen Hauptstadt den Rang ab. „Mit der Jahrtausendwende sollte sich das ändern“, sagt Karen Friedel. Mit Ausnahme eines kleinen Dämpfers in Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 und 2009 entwickelte sich das Haus prächtig.

Ein Drittel der Besucher kommt mit einer Reisegruppe nach Lichtenberg, ein weiteres Drittel als Firmenkunden und der Rest im Rahmen einer individuell gebuchten Reise. Gut 65 Prozent der Gäste stammen aus Deutschland, der Rest kommt vorwiegend aus den Niederlanden und Italien. In Hotelbewertungsportalen sind die Gäste voll des Lobes. So hält das ABACUS bei holidaycheck.de aktuell 94 Prozent Weiterempfehlungsrate. „Wir waren von der Größe der Zimmer und der Bäder positiv überrascht. Im Restaurant wurden wir perfekt betreut. Insgesamt sehr zu empfehlen“, schreibt ein Gast.

Doch der Wettbewerb ist hart. Große Hotelketten drängen nach Berlin. Allein rund um den Alexanderplatz gibt es inzwischen mehr Hotels als Shoppingcenter. Jede freie Baulücke wird mit einer Herberge gefüllt. Und das wirkt sich auf die Preise aus. In keiner anderen europäischen Metropole kann man derzeit so billig in Hotels wohnen wie in Berlin.

„Derzeit sind die Gäste nur durch eine niedrige Rate zu bekommen“, sagt Karen Friedel. Doch die Kosten steigen: für die Unterhaltung des Hauses, für anzupassende Gehälter oder die Erhaltung und den Neubau der technischen Anlagen. „Punkten können wir mit unseren 120 kostenfreien Parkplätzen, einer günstigen Minibar und Arrangements, die den Eintritt in den Tierpark beinhalten“, sagt die Direktorin. Unschlagbar ist auch die U-Bahnstation vor der Tür: „Damit sind Sie in 15 Minuten am Alexanderplatz.“ Alles zusammen sorgt für eine gute Auslastung des Hauses. Stolz ist die Direktorin zudem darauf, dass ihre Mitarbeiter schon lange dabei sind – viele bereits seit 1993. Auch das spricht für das Hotel und das Klima. Nicht überall ist es in der Hotelbranche so angenehm wie im ABACUS.

Dieses Jahr soll das WLAN-Netz ausgebaut werden. Bereits fertig sind die Pläne für eine Bar, die zwischen Lobby und Restaurant entstehen könnte. Ob die jemals gebaut werden kann, hängt auch ein Stück weit damit zusammen, wie sehr sich die Bettensteuer auf das Haus auswirkt. Seit Anfang des Jahres müssen auf die Übernachtungsraten fünf Prozent Zuschlag erhoben werden. Völlig unnötig, sagt Karen Friedel. Damit würden die Hoteliers zusätzlich belastet.

ABACUS-Hotel Berlin: „Insgesamt sehr zu empfehlen“